Mit dem richtigen Gehörschutz Gesundheitsschäden vermeiden

Es ist eine traurige Tatsache: Die Lärmschwerhörigkeit ist bei den Berufskrankheiten seit Langem ganz vorne mit dabei – und dass, obwohl es Gehörschützer gibt, die bei richtiger Anwendung Gesundheitsschäden vermeiden könnten.

Ist die Hörschädigung erst einmal vorhanden, ist es für Schutzmaßnahmen bereits zu spät. Lärmschwerhörigkeit ist irreparabel und auch der durch Lärm ausgelöste dauerhafte Pfeif- oder Piepton im Ohr (Tinnitus) bleibt in der Regel ein Leben lang. Für die Betroffenen bedeutet dies nicht nur eine berufliche Beeinträchtigung, oft haben sie auch mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität zu kämpfen.

Doch nicht nur das Gehör leidet bei extremem oder dauerhaftem Lärm. Auch der gesamte Körper wird beeinträchtigt. Je höher der Lärmpegel, desto höher auch der Stresspegel, der langfristig unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen des Verdauungssystems führen kann. Darüber hinaus steigt mit dem Stress auch das Unfallrisiko, denn die Konzentration sinkt und die Gefahr, Fehler zu machen, wird größer.

Ab wann macht Lärm krank?

Nach heutigen Erkenntnissen leidet das Gehör in der Regel ab einem Schallpegel von 85 Dezibel. Wer über einen längeren Zeitraum Lärm mit dieser Intensität ohne Schutz ausgesetzt ist, erleidet langfristig gesundheitliche Schäden. Bei höheren Schallpegeln wie 100 Dezibel können sogar bereits nach 15 Minuten dauerhafte Schäden am Gehör entstehen.

Es mag unglaublich erscheinen, dass Schall in entsprechendem Pegel eine solch schädigende Wirkung hat. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, dass der Schalldruck an der Schmerzgrenze circa drei Millionen mal so groß ist wie der Schalldruck an der Hörschwelle, bekommt man eine Ahnung von der Kraft, die Lärm auf unseren Körper haben kann.

 Infografik Gehörschutz

Welcher Gehörschutz ist wofür geeignet?

Die drei gebräuchlichsten Gehörschutzvarianten sind der Kapselgehörschutz, Gehörschutzstöpsel und Otoplastiken.

Kaspselgehörschutz
Wollen Sie den Gehörschutz nur kurzfristig nutzen oder häufig auf- und absetzen? Dann ist der Kapselgehörschutz ideal. Ebenso ist er eine gute Alternative, wenn andere Gehörschutzvarianten, die direkt in den Gehörgang eingeführt werden, nicht vertragen werden.

Optisch erinnern die geschlossenen Kapseln an Kopfhörer. Es gibt Modelle mit Kopf-, Nacken- oder Kinnbügel und welche, die nur für die Montage an einen Arbeitshelm geeignet sind. Darüber hinaus sind auch Modelle mit einer zusätzlichen Kommunikationseinrichtung wie Sprechfunk erhältlich.

Um einen optimalen Schutz zu bieten, sollten Kapselgehörschützer unbedingt individuell an den Träger angepasst werden. Bügel sollten z. B. so eingestellt werden, dass sie nicht verrutschen, aber auch die Seitenkennzeichnung ist entscheidend. Ein falsch herum aufgesetzter Kapselgehörschutz kann nicht wirklich schützen.

Gehörschutzstöpsel
Gehörschutzstöpsel sind vorgefertigte Ohrenstöpsel, die in den Gehörgang eingesetzt werden. Sie werden vor allem bei unregelmäßigem Gebrauch genutzt, wenn kein Kapselgehörschutz getragen werden darf, eine andauernde Lärmeinwirkung gegeben ist, bei Brillenträgern und bei starker Schweißproduktion.

Die Stöpsel gibt es als Schaumstoffstöpsel, die vor dem Einführen ins Ohr geformt werden müssen und als vorgefertigte Gehörschutzstöpsel, die direkt eingesetzt werden können. Nachteil der Schaumstoffvariante: Bei niedriger Umgebungstemperatur verhärten sie leicht. Dann müssen sie man sie vor dem Einsetzen angewärmt werden.

Otoplastiken
Die Gehörschutz-Otoplastiken sind die effektivste, aber auch die teuerste Gehörschutzvariante. Sie eignen sich besonders für den dauerhaften Gebrauch.

Dieser komfortable Gehörschutz wird wie ein Hörgerät im Ohr getragen und muss von einem Hörgeräteakustiker individuell angefertigt werden und eine regelmäßige Wartung ist erforderlich.

Es gibt sie als Hartotoplastiken aus Polyacrylat oder Nylon und als Weichotoplastiken aus Silikon. Das Besondere: Der Gehörschutz kann ergänzend mit Filtertechnik ausgestattet werden, so dass störender Lärm gedämpft wird, aber Gespräche noch gut wahrgenommen werden können.

Was Sie über die Wirkung von Gehörschützern wissen sollten
In der Praxis erzielen Gehörschützer oft nicht den gewünschten Erfolg. Grund dafür ist, dass sie in der Praxis oft nicht korrekt verwendet werden und ihre Schutzwirkung beeinträchtigt ist.

Daher müssen für die Dämmwirkung der Gehörschützer Korrekturwerte berücksichtigt werden, die von den Herstellerangaben abgezogen werden. Diese betragen in der Regel bei Gehörschutzstöpseln 9 dB, bei Gehörschutzkapseln 5 dB und bei Otoplastiken 3 dB.

Was müssen Arbeitgeber beachten?

Jeder Unternehmer ist dazu verpflichtet, im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung auch eine Lärmmessung vorzunehmen und je nach Gefährdungssituation bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Sind Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz bzw. bei bestimmten Tätigkeiten gefährlichem Lärm ausgesetzt, muss der Arbeitgeber diese Belastung reduzieren.

In der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung wurde festgelegt, dass ab einer täglichen Lärmeinwirkung von 85 dB bei einem achtstündigen Arbeitstag das Tragen von Gehörschutz am Arbeitsplatz Pflicht ist. Bereits ab 80 dB müssen Arbeitgeber Ihren Angestellten einen kostenlosen Gehörschutz zur Verfügung stellen. Die höchsten Lautstärkepegel, die kurzfristig erreicht werden, dürfen nicht mehr als 135 dB(C) betragen.

Diese drei wichtigen Regeln sollten Arbeitgeber für die Bereitstellung von Gehörschützern beachten:

1. Den Gehörschutz nach den Anforderungen im Betrieb auswählen
Je nach Lärmbelastung und Art der ausgeübten Tätigkeiten sollten Sie den passenden Gehörschutz auswählen. Dabei muss beispielsweise berücksichtigt werden, ob ein Helm bei der Arbeit Pflicht ist oder ob Mitarbeiter trotz Gehörschutz Gesprächen gut folgen sollen.

2. Über die richtige Verwendung des Gehörschützes aufklären
Übung macht den Meister – das gilt auch für die richtige Handhabung von Gehörschutz. Eine regelmäßige Schulung der Mitarbeiter sollte daher mindestens viermal jährlich erfolgen.

3. Die Mitarbeiter an der Auswahl des Gehörschutzes beteiligen
Oft verzichten Mitarbeiter auf die Benutzung des notwendigen Gehörschutzes, weil ihnen der Tragekomfort nicht zusagt. Vor der Anschaffung der Gehörschützer ist es daher sinnvoll, die eigenen Mitarbeiter an der Auswahl zu beteiligen. Das erhöht nicht nur die spätere Motivation zum Tragen des Schutzes, sondern kann den Betrieb auch vor kostspieligen Fehlkäufen bewahren.

Quelle Titelbild: ©shutterstock.com/Loco

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