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Den richtigen Schutzhandschuh finden: Klassifizierung und Kennzeichnung

Die Hand ist ein extrem komplexer Körperteil. Nerven, Blutgefäße und Sehnen, die komplizierte Bewegungsabläufe steuern, liegen hier dicht beieinander. Selbst kleine Verletzungen an der Hand können bereits großen Schaden anrichten und zu Gefühlsstörungen, Lähmungen oder Bewegungseinschränkungen führen.

Durch Zeitdruck, Ablenkungen, mangelnder Schutz und eine falsche Handhabung von Arbeitsgeräten führen laut DGUV mehr als ein Drittel aller Unfälle am Arbeitsplatz (40 %) zu Handverletzungen. Meist sind Daumen oder Zeigefinger betroffen, ohne die viele alltägliche Arbeiten nicht ausgeführt werden können. Am passenden Handschutz führt daher auch bei kurzfristigen Arbeitseinsätzen kein Weg vorbei. Doch wie wählt man geeignete Handschuh-Modelle aus und woran erkennt man die konkrete Schutzfunktion der Handschuhe?

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, nach welchen Kriterien Schutzhandschuhe bewertet werden und wie Sie anhand von Kennzeichnungen die passenden Schutzhandschuhe für Ihren Bedarf finden können.


Klassifizierung und Kennzeichnung von Schutzhandschuhen

Grundlegende Anforderungen: Die EN 420

Die EN 420 legt die allgemeinen Anforderungen an Arbeitsschutzhandschuhe, relevante Prüfverfahren sowie die korrekte Kennzeichnung durch den Hersteller fest. Nach dieser Norm müssen Schutzhandschuhe, die als persönliche Schutzausrüstung zugelassen sind, mit den folgenden Angaben gekennzeichnet sein:


Kennzeichnung von Schutzhandschuhen laut EN 420

- Hersteller
- Artikelbezeichnung
- Größenbezeichnung
- CE-Kennzeichnung
- Piktogramm (ab CE-Kategorie II)
- Angabe zum Verfallsdatum (falls erforderlich)

In der EN 420 wird unter anderem auch beschrieben, wie Handschuhe gestaltet oder konfektioniert sein sollten und wie widerstandsfähig oder komfortabel die Schutzprodukte sein müssen.
Ist eine Kennzeichnung der Handschuhe im Hinblick auf die Produkteigenschaften nicht direkt auf dem Handschuh möglich, muss sie auf der Verpackung aufgedruckt werden.


Die CE-Kennzeichnung

Abhängig vom jeweiligen Gefahrenpotential, werden Gegenstände, die zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zählen, nach der CE-Kennzeichnung in drei Kategorien unterteilt. Dabei gilt: Je mehr Gefährdung besteht, desto höhere Anforderungen muss der Handschuh erfüllen.



Piktogramme

Piktogramme, die angeben, gegen welche Risiken der Handschuh schützt, müssen gut sichtbar auf dem Produkt oder auf der Verpackung abgebildet sein. Sie dürfen nur angegeben werden, wenn der Handschuh die Mindestanforderungen der entsprechenden spezifischen Norm erfüllt. Erfüllt ein Handschuh gleich mehrere Normen, müssen alle relevanten Piktogramme angegeben werden.

Die Zahlen unterhalb der Piktogramme stehen für die Leistungsstufen, die der Handschuh erfüllt. Je nach Norm sind dies Ziffern oder Buchstaben. Für die Ziffern gilt: Je höher eine Zahl, desto besser ist die Schutzfunktion. Steht anstelle einer Zahl ein X in der Reihe, bedeutet das, dass der Handschuh nicht für die entsprechende Anwendung geeignet ist. Ist ergänzend ein i bzw. ein aufgeschlagenes Buch mit einem i aufgedruckt, bedeutet dies, das ergänzende Informationen nachgelesen werden müssen.

Musterpiktogramm EN 388


Schutzhandschuhe für unterschiedliche Anwendungen

Infografik: Klassifizierung von Arbeitsschutzhandschuhen


Schnittschutzhandschuhe, Mechanik- und Montagehandschuhe nach DIN EN 388

Klingen, Abrieb, harte oder scharfkantige Materialien sowie Bauteile und Maschinen können unter anderem Quetschungen, Schürfwunden, Schnitte oder Einstiche verursachen. Dagegen schützen Schutzhandschuhe, die der EN 388 zugeordnet werden.


Piktogramm und Prüfkriterien für Schutzhandschuhe zum Schutz vor mechanischen Risiken

Die konkrete Schutzfunktion der Handschuhe gegen mechanische Risiken wird nach den folgenden Prüfkriterien bewertet:

1. Ziffer = Abriebfestigkeit
2. Ziffer = Schnittfestigkeit
3. Ziffer = Weiterreißfestigkeit
4. Ziffer = Durchstichfestigkeit

Je höher die Ziffer, desto besser ist das Prüfergebnis und desto bessere mechanische Eigenschaften weist der Handschuh auf.

Für Arbeiten, bei denen die Verletzungsgefahr durch Schnitte besonders hoch ist, wie z. B. bei der Holz- oder Metallbearbeitung, sollten spezielle Schnittschutzhandschuhe gewählt werden. Sie beginnen in der Praxis ab einem Schnittschutzlevel von 2 (zweite Ziffer unter dem Piktogramm).


Chemikalienschutzhandschuhe nach DIN EN 374

Es gibt zahlreiche Risiken in Zusammenhang mit chemischen Substanzen. Der direkte Kontakt mit der Haut kann Verbrennungen, Ausschläge, Irritationen und sogar Vergiftungen hervorrufen. Chemikalienschutzhandschuhe, die dies verhindern können, müssen daher vor allem undurchlässig gegenüber Flüssigkeiten und Luft sein. In der EN 374 werden zwei Arten von Chemikalienschutzhandschuhen unterschieden:

Piktogramm und Prüfkriterien für Handschuhe mit einfachem Chemikalienschutz

Dieses Piktogramm steht für Handschuhe mit einfachem Schutz gegen chemische Risiken. Welche Leistungskriterien die Handschuhe dieser Norm ganz konkret erfüllen, sollte immer in der Bedienungsanleitung nachgelesen werden.


Piktogramm und Prüfkriterien für Handschuhe zum Schutz gegen bestimmte Chemikalien

Das Piktogramm für Handschuhe zum Schutz gegen Chemikalien führt jeweils drei Chemikalien auf (als Buchstabe unterhalb des Piktogramms), gegen die der Handschuh sicher besteht. Der Schutzindex gibt zusätzlich an, wie lange ein sicherer Schutz garantiert werden kann. Mindestens Klasse 2 ist für diese Handschuhart vorgeschrieben.

In der EN 374 werden zusätzlich die Anforderungen an eine dritte Handschuhart zum Schutz gegenüber biologischen Gefahren beschrieben:

Klasse 1 = 10 Minuten
Klasse 2 = 30 Minuten
Klasse 3 = 60 Minuten
Klasse 4 = 120 Minuten
Klasse 5 = 240 Minuten
Klasse 6 = 480 Minuten

A = Methanol
G = Diethylamin
B = Aceton
H = Tetrahydrofuran
C = Acetonitril
I = Ethylacetat
D = Dichlormethan
J = n-Heptan
E = Schwefelkohlenwasserstoff
K = Natriumhydroxid 40%
F = Toluol
L = Schwefelsäure 96%

In der EN 374 werden zusätzlich die Anforderungen an eine dritte Handschuhart zum Schutz gegenüber biologischen Gefahren beschrieben.


Piktogramm und Prüfkriterien für Schutzhandschuhe, die beständig gegenüber Mikroorganismen sind


Dieses Piktogramm steht für flüssigkeitsdichte Handschuhe zum Schutz vor Mikroorganismen. Inwieweit die Schutzwirkung besteht, wird laut EN 374 nicht explizit geprüft.



Hitzeschutzhandschuhe nach DIN EN 407

Hitze kann eine beträchtliche Gefahrenquelle sein und zum Beispiel bei handgeführten Werkzeugen oder auch bei Teer erhebliche Schäden an den Händen verursachen. Irreversible Schäden sind möglich. Gegen Hitzeschäden schützen Arbeitshandschuhe nach DIN EN 407.


Piktogramme und Prüfkriterien für Handschuhe zum Schutz gegen Hitze

Die konkrete Schutzfunktion der Hitzeschutzhandschuhe wird nach den folgenden Prüfkriterien bewertet:

1. Ziffer = große Mengen flüssigen Metalls
2. Ziffer = kleine Spritzer geschmolzenen Metalls
3. Ziffer = Strahlungswärme
4. Ziffer = Konvektive Hitze
5. Ziffer = Kontaktwärme
6. Ziffer = Brennverhalten


Kälteschutzhandschuhe nach DIN EN 511

Sind die Hände zu kalt, verlieren sie ihre Fingerfertigkeit. Werkzeuge und Materialien können nicht mehr sicher gehalten werden. Kälteschutzhandschuhe, die nach EN 511 als persönliche Schutzausrüstung zugelassen sind, müssen daher sicher vor Kälte und eindringender Nässe schützen. die Aufgabe, die Hände warm zu halten.


Piktogramme und Prüfkriterien für Handschuhe zum Schutz gegen Kälte

Grad und Umfang der Schutzfunktion von Kälteschutzhandschuhen werden nach den folgenden Prüfungskriterien bewertet:

- Schutz vor Konvektionskälte
- Schutz vor Kontaktkälte
- Wasserundurchlässigkeit (Level 0 = durchlässig nach 30 Minuten, Level 1 = durchlässig nach mehr als 30 Minuten)


Schweißerhandschuhe nach DIN EN 12477

Für Schweißerarbeiten wird ein Handschutz benötigt, der sowohl vor mechanischen als auch vor thermischen Risiken bewahrt. Spezielle Schweißerhandschuhe, die diese Anforderungen erfüllen, werden unter einer eigenen Norm, der EN 12477 aufgeführt. Diese Norm verfügt über kein eigenes Piktogramm. Für die Kennzeichnung von Schweißerhandschuhen werden die beiden Piktogramme der EN 388 und der EN 407 verwendet.

Schweißerhandschuhe werden nach den Prüfkriterien der EN 388 und der EN 407 bewertet.


Piktogramme und Prüfkriterien für Schweißerhandschuhe

Schweißerhandschuhe gibt es in den zwei Ausführungen A und B:

Ausführung A = geringe Fingerfertigkeit, geeignet fürs MIG/MAG-Schweißen oder für Schweißarbeiten mit hohen Strömen

Ausführung B = hohe Fingerfertigkeit, geeignet für WIG-Schweißarbeiten oder für Schweißarbeiten mit geringen Strömen


Eine große Auswahl an Arbeitsschutzhandschuhen für unterschiedliche Anwendungen finden Sie bei uns im Contorion-Shop.Von speziellen Schnittschutzhandschuhen über Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken bis zu Chemikalienschutzhandschuhen können Sie aus über 700 Artikel die passenden Schutzhandschuhe für Ihre Anwendung auswählen.


Quelle Titelbild: ©iStock.com/Catalin205


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