Mythen im Handwerk

16. August 2016

Über das Handwerk selbst gibt es viele Mythen oder sagen wir besser Vorurteile, die von sich behaupten, allgemeingültige Wahrheiten über die Arbeit von Handwerkern zu verbreiten. Aber wie sieht das eigentlich mit Mythen im Handwerk aus, mit Glaubenssätzen, die jeder kennt und weiß, dass sie nicht funktionieren, aber doch immer wieder Anwendung finden. Wir haben drei Mythen aus dem professionellen Handwerk unter die Lupe genommen und deren Wahrheitsgehalt geprüft.

Mythos 1: Je mehr Druck, desto besser das Schleifergebnis!

Meister aller Couleur raufen sich bei solchen Vorstellungen frischgebackener Azubis die Haare, denn der Wahrheitsgehalt dieser Aussage bleibt um einiges hinter der Realität zurück.
Korrekt ist: Über die Qualität des Schleifergebnisses entscheiden viele Faktoren. Wie wird das Schleifgerät angesetzt? Wie gut wird der Schmutz abgeleitet? Welche Körnung wird verwendet? Aus welchem Material besteht die Untergrundklebung?
Neben der Qualität von Schleifmittel und Schleifmaschine ist vor allem die konkrete Handhabung des Anwenders entscheidend. Zu viel Druck kann zu viel Abrieb erzeugen, die Oberfläche zu stark beanspruchen und das Schleifmittel zu sehr verschleißen. Beim maschinellen Schleifen sollte daher nicht allzu fest mit der Maschine auf das Werkstück gedrückt werden. Die Maschine sollte vielmehr mit leichter Hand ihren eigenen Weg gehen.

Mythos 2: Wenn die Schraube nicht greift, mehr Gas geben!

Wer jetzt den Turbo einschaltet und versucht, die Verbindung mit erhöhter Drehzahl zu lösen, wird feststellen, dass die Probleme jetzt erst richtig losgehen. Verschleiß an Schraube und Schraubendreher sind die Folge und das Ergebnis oft ernüchternd.
Korrekt ist: Vorsichtiges, immer wieder unterbrochenes Loslösen der Schraube ist hier die richtige Methode.
Können Sie sich an Ihre Fahrschulausbildung erinnern? Vergleichbar mit der Stotterbremse, die beim Fahren auf ein stehendes Hindernis angewendet wird, funktioniert das immer wieder unterbrochene Schrauben, das beim Loslösen der fest sitzenden Schraube hilft.
Zur Beeinflussung des Loslösemoments ist es darüber hinaus wichtig, passgenaue Handwerkzeuge zu verwenden. Nur so kann die Kraftübertragung von der Hand auf das Werkstück optimal und materialschonend funktionieren. Ein schräges Ansetzen des Werkzeugs ist ebenfalls tabu.

Mythos 3: Je mehr Öl, desto besser oder auch Viel hilft viel

Nicht nur in puncto Oberflächenbehandlung kann die alte Mär vom Nutzen des Überflusses ins Reich der Fabelwesen verwiesen werden. Wird beispielsweise zu viel Öl auf Holz aufgetragen, kann das überschüssige Öl nicht einziehen.
Korrekt ist: Oberflächen können nicht unendlich viel Öl aufnehmen. Ist das Maximum an Aufnahmekapazität erreicht, bleibt ein Ölfilm auf der Oberfläche zurück, der nicht einziehen kann. Das verbliebene Öl sollte immer vollständig mit einem Tuch abgenommen werden. Nach dem Ölen sollte das Werkstück sich trocken anfühlen.
Besser als eine übergroße Ölmenge auf einen Schlag zu verwenden und zu riskieren, dass teures Öl im Lappen landet, ist es für den Anfänger, mehrere Ölschichten nacheinander aufzutragen. Geht es beim ersten Auftrag noch relativ schnell, dauert es beim zweiten Auftrag schon etwas länger, bis das Öl eingezogen ist. Doch auch wenn mehrmals nacheinander geölt wird, sollte nicht zu viel Öl verwendet werden.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerkern Antworten auf viele Fragen geben.

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