4 Mythen aus dem Handwerk

30. März 2022

Scheinwahrheiten und Vorurteile zu klassischen Arbeitsweisen sind in den Gewerken bis heute weit verbreitet. Doch was stimmt, was ist reiner Irrglaube? Vier bekannte Mythen aus dem Profi-Handwerk haben wir uns herausgepickt. Wir knöpfen sie uns hier vor – und stellen sie für dich richtig.

Chamäleons ändern ihre Hautfarbe ständig, Pusten hilft gegen Schmerzen und beim Schielen bleiben vielleicht die Augen stehen: Alles falsch. Sicher kennst auch du solche Geschichten schon dein ganzes Leben. In Wahrheit sind sie nichts weiter als bloße Legenden. Und die gibt’s natürlich auch im Handwerk. Zeit also, mit den geläufigsten Fehlannahmen aufzuräumen!

Mythos 1: Mehr Druck bedeutet bessere Schleifarbeiten.

Kennst du das? Gerade Azubis und Berufseinsteiger*innen glauben, mit bloßer Kraftaufwendung beim Arbeiten mit einem professionellen Schleifgerät bessere Resultate zu erzielen. Leider ist dem nicht so. Also, ab mit diesen Gedanken ins Reich der Märchen …

Richtig ist: Ob Glätten von Oberflächen aus Holz, Metall oder Kunststoff, ob zum Abschleifen von Lacken oder anderem – stets gilt: Schleifen ist ein komplexer Begriff. Die Qualität des Arbeitsergebnisses beruht daher auf vielen Faktoren, die zusammenspielen.

Bloße Druckausübung bringt dich daher nicht weiter. Wahl der Arbeitsmaterialien, Technik und Handhabung mit deinem Gerät entscheiden über deinen Erfolg. Stelle dir stattdessen folgende Fragen:

  • Setze ich das Schleifgerät fachgemäß an?
  • Wird der Schmutz gut abgeleitet?
  • Verwende ich die richtige Körnung beim Schleifer?

Wenn du diese Fragen ignorierst und einfach Gewalt anwendest, um schnell viel abzuschleifen, machst du einen gravierenden Fehler. Im schlimmsten Falle wird der Abrieb zu stark. Deine Werkstoffe beschädigst du so eventuell. Die Schleifmittel werden außerdem schneller unbrauchbar. Wie es besser geht? Halte dein Schleifgerät ruhig und sicher in der Hand – und gehe mit leichtem Lauf über die zu bearbeitende Oberfläche.

Mythos 2: Greift die Schraube nicht, wende mehr Kraft auf.

Unser zweites Beispiel geht in eine ganz ähnliche Richtung: Zu wenig Technik und dafür zu viel Kraft kommt auch hier selten gut – beim Verschrauben von Bauteilen. Denn auch die noch so hochwertige Schraube aus dem Contorion-Shop nutzt wenig, wenn du nicht weißt, wie du sie ordentlich befestigst.

Greift die Schraube nicht, entscheide dich nicht unüberlegt direkt für eine höhere Drehzahl. Denn so förderst du fast immer Verschleiß oder Schäden an Schraube und Schraubendreher. Und das kann ja wohl keiner wollen …

Korrekt gehst du so vor: Löse die Schraube Stück für Stück, vorsichtig, langsam und mit kleinen Pausen. So bekommst du sie am Ende wirklich fest. Damit dir das gelingt, brauchst du letztlich auch die passenden Handwerkzeuge, die deine Materialien schonen. Übrigens: Zum nachträglichen Lösen kann der Einsatz von Kriechöl sinnvoll sein.

Mythos 3: Je mehr Öl auf dem Werkstück, umso besser.

Ein weiterer Aberglaube, dem viele im Handwerk folgen: Vom Holzöl kann es nie genug sein. Falls auch du bisher dieser Ansicht bist – lass dich eines Besseren belehren.

Korrekt ist: Bei zu viel Öl bleibt ein unerwünschter Film zurück. Denn jede Oberfläche ist ab einem bestimmten Punkt gesättigt. Falls du doch einmal zu viel Spezialöl aufgetragen hast, wisch es mit einem Arbeitstuch weg und prüfe nach einiger Zeit, ob dein Werkstück ganz trocken ist. Am besten trägst du von Anfang an immer mehrere dünne Ölschichten auf. Dann gehst du dem Problem gut aus dem Weg!

Mythos 4: Wer bohrt, hinterlässt unweigerlich viel Staub.

Klar, Bohrstaub kann einem den letzten Nerv rauben: Achtet man nicht auf ihn, entsteht weit verstreut ums Loch viel Dreck. Feinster Staub verteilt sich schnell im ganzen Zimmer. Kennst du das auch? Wer nicht! Gerade Tischlereien und andere Holz verarbeitende Betriebe können ein Lied von diesem Problem singen. Was nicht stimmt: Staub entsteht immer beim Bohren. Denn er lässt sich in Wahrheit – ganz ohne Staubsauger – einfach vermeiden.

Wie es besser geht? Klebe einen Kaffee- oder Teefilter, alternativ auch einen Briefumschlag mit Klebestreifen direkt unter die Bohrlochstelle. Für Deckenbohrungen greife auf einen leeren Joghurtbecher zurück. Dieser fängt deinen Staub jetzt direkt und auf kürzestem Wege auf. Das Ergebnis? Ein sauberer Raum und gesammelter Staub, den du direkt entsorgen kannst.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerker*innen Antworten auf viele Fragen geben.

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