Interview mit ZEP-Team zum Thema Mitarbeitergesundheit

10. Juli 2021

Jeder Euro, der in Arbeits- und Gesundheitsschutz investiert wird, zahlt sich doppelt aus. Trotzdem wird das Thema „Gesundheit“ in Betrieben oft vernachlässigt.

Fällt ein Mitarbeiter länger krankheits- oder verletzungsbedingt aus, kann das vor allem für kleinere handwerkliche Betriebe zur existenziellen Bedrohung werden. Dennoch spielt in vielen Unternehmen der Arbeits- und Gesundheitsschutz nur eine untergeordnete Rolle. Wir haben die wichtigsten Schutz- und Vorsorgemaßnahmen für dich zusammengefasst.

Wieso lohnt sich die Investition?

Die Gesundheit der Mitarbeiter in handwerklichen Betrieben hat einen maßgeblichen Einfluss auf deren wirtschaftlichen Erfolg. Fällt ein Angestellter aus, bedeutet das mehr Planungsaufwand, eine höhere Belastung für die anderen Mitarbeiter und nicht zuletzt finanzielle Nachteile: Pro Krankheitstag fallen durchschnittliche Kosten von 450 Euro an.

Ein besonderes Augenmerk auf den Schutz der Mitarbeiter zahlt sich also in jeder Hinsicht aus. Eine Langzeitstudie der Universität Gießen untermauert diese Erkenntnis sogar mit ganz konkreten Zahlen: So bringt eine Investition von 100 Euro in den Gesundheitsschutz nachweislich einen langfristigen betriebswirtschaftlichen Nutzen von über 200 Euro.

Was sind die Gründe für Arbeitsausfälle?

Fakt ist: Das Krankheits- und Verletzungsrisiko von Beschäftigten im Bau- und Handwerksgewerbe ist höher als in anderen Berufen. 2019 wurde ein Handwerker nach Zahlen der IKK durchschnittlich 19,6 Tage krankgeschrieben – rund 1,5 Tage länger als Beschäftigte anderer Berufsgruppen. Auch der Anteil an Langzeiterkrankten im Handwerk ist hoch: 52,6% aller Krankheitstage wurden durch Erkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen verursacht.

Wenig überraschend machen Muskel- und Skeletterkrankungen mit mehr als 34% den größten Teil der Krankschreibungen aus. Verletzungen und Vergiftungen folgen mit mehr als 17%. In den letzten Jahren angestiegen sind Krankheitsfälle aufgrund von psychischen Erkrankungen, sie waren im Jahr 2019 die Ursache für mehr als 13% aller Krankschreibungen.

Was kannst du für die Gesundheit deiner Mitarbeiter tun?

Betriebsinhaber haben vielfältige Möglichkeiten, die Gesundheit ihrer Angestellten zu schützen und so nicht nicht nur die Ausfallzeiten zu verringern, sondern auch die Mitarbeiterbindung zu stärken.

Alle Mitarbeiter sensiblisieren

Beim Schleifen werden Atemschutzmaske, Schutzbrille und Handschuhe getragen, bei Arbeiten in der Höhe kommt ein Gurt zum Einsatz. Was selbstverständlich klingt, wird im Alltag oft vernachlässigt – gerade wenn es schnell gehen muss. Vorgesetzte sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen, beim Arbeiten immer auf ausreichende Sicherheitsvorkehrungen achten und für diesbezügliche Wünsche und Vorschläge der Mitarbeiter jederzeit ein offenes Ohr haben.

Schützende Arbeitskleidung und Ausrüstung zur Verfügung stellen

Sichere Arbeitskleidung kostet Geld – ist jedoch wie oben beschrieben mit Sicherheit eine gute Investition. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass die Kleidung jederzeit voll einsatzfähig ist und regelmäßig erneuert wird.

  • Arbeitshandschuhe sind je nach Einsatzzweck aus unterschiedlichem Material, sollten jedoch immer reiß- , schnitt- und stichfest sein.
  • Schutzbrillen schützen die Augen vor Splittern, Flüssigkeiten und Staubpartikeln.
  • Atemschutzmasken verhindern, dass Partikel bei Schleif- oder Lackierarbeiten in die Luftwege gelangen.
  • Helme schützen vor herabfallenden Teilen oder bei Stürzen.
  • Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappen und einer trittfesten Sohle sorgen für sicheren Halt im Außeneinsatz.
  • UV-Schutzkleidung schützt bei Einsätzen im Freien nicht nur vor UV-Strahlung und Hautkrebs, sondern bis zu einem gewissen Grad auch gegen Überhitzung.

Geräte regelmäßig warten

Nicht voll funktionsfähige oder defekte Geräte stellen ein großes Sicherheitsrisiko für Mitarbeiter dar. Nach deutscher Rechtsprechung ist der Betriebsinhaber dafür verantwortlich, seinen Angestellten sichere Geräte zur Verfügung zu stellen. Eine regelmäßige Inspektion, Prüfung, Wartung und Instandsetzung aller Geräte, die im Betrieb verwendet werden, ist daher Pflicht.

Auf ein positives Betriebsklima achten

Wertschätzende Kommunikation, motivierende und konstruktive Führung sowie ein respektvoller Umgang im gesamten Team sind wichtige Voraussetzungen für eine im wahrsten Sinne des Wortes gesunde Unternehmenskultur. Denn zufriedene Mitarbeiter arbeiten nicht nur produktiver, sondern sind auch nachweislich seltener krank.

»Das A und O«

Betriebsinhaber haben vielfältige Möglichkeiten, die Gesundheit ihrer Angestellten zu schützen und so nicht nur die Ausfallzeiten zu verringern, sondern auch die Mitarbeiterbindung zu stärken. Im Gespräch mit ZEP-Team, einem 24-köpfigen Dachdecker und Zimmerer- Team aus Bielefeld, haben wir darüber gesprochen, welche besonderen Maßnahmen sie für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ergreifen.

 

Muskel- und Skeletterkrankungen machen mit mehr als 34 Prozent den größten Teil der Krankschreibungen aus, was tut ihr bei ZEP-Team dagegen?

ZEP-Team: Also zunächst einmal arbeitet bei uns niemand mehr als fünf Tage die Woche. Sonst hat der Körper nicht genug Pausen, um sich zu regenerieren. Zusätzlich kommt bei uns jeden Freitag ein Physiotherapeut in die Firma und behandelt die Kollegen, damit sie gut ins Wochenende starten können und sich keine dauerhaften Muskelprobleme einstellen.

Welche weiteren Maßnahmen trefft ihr für die Gesundheit eurer Mitarbeiter?

ZEP-Team: Obst und Getränke stehen immer kostenlos zur Verfügung. Wir achten darauf, dass nur mit neuen und mit modernster Technik ausgestatteten Maschinen gearbeitet wird, damit die höchstmögliche Sicherheit gewährleistet ist. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass wir darauf achten, besonders leise Maschinen zu verwenden, um das Gehör unserer Mitarbeiter nicht unnötig zu belasten. Natürlich zählt nicht nur die physische, sondern auch die mentale Gesundheit und Freude an der Arbeit.

 

Wie sorgt ihr dafür, dass eure Angestellten immer gerne zur Arbeit kommen?

ZEP-Team: Wir sind ein junges Team und die Grundvoraussetzung für unsere Zusammenarbeit ist, dass wir Spaß an unserer Arbeit haben. Damit das durch nichts verringert wird, sorgen wir zum Beispiel dafür, dass alle Arbeiten gut vorbereitet und organisiert sind. Ausreichend Freizeit ist für den Spaß an der Arbeit auch von hoher Wichtigkeit. Deshalb gibt es bei uns überdurchschnittlich viele Urlaubstage.

 

Wie sensibilisiert ihr eure Mitarbeiter, Sicherheitsmaßnahmen bei der Arbeit immer ernst zu nehmen?

ZEP-Team: Sicherheitsmaßnahmen sind das A und O gegen Arbeitsunfälle. Diese Maßnahmen sorgen manchmal für etwas mehr Aufwand, sind diesen aber in jedem Fall wert. Damit unsere Kollegen nicht vergessen, wie wichtig Sicherheitsmaßnahmen in der täglichen Arbeit sind, führen wir oft Unterweisungen durch und tragen dafür Sorge, dass Schulungen zum Thema besucht werden.

 

Welche Tipps zur Mitarbeitergesundheit und -bindung würdet ihr anderen Unternehmen geben?

ZEP-Team: Das Wichtigste ist, seine Mitarbeiter ernst zu nehmen und ein offenes Ohr für die Sorgen der Kollegen zu haben. Dazu gehört auch, Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern umzusetzen und sich wirklich mit den angesprochenen Themen auseinanderzusetzen. Uns ist es außerdem wichtig, dass unsere Mitarbeiter auch die Chance haben, sich kennenzulernen und das nicht nur während der Arbeit. Besonders im Sommer kommen wir gerne freitagabends zusammen und grillen gemeinsam. Vielen Dank für das Gespräch.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerkern Antworten auf viele Fragen geben.

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