Immaterielles Kulturerbe: Handwerkstechniken gewürdigt

1. Dezember 2020

Chinesische Mauer, Gizeh-Pyramiden und Akropolis in Athen: In die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes werden in der Regel Bauwerke aufgenommen. Eine Ausnahme bildet das Immaterielle Kulturerbe. Hierunter sind Fertigkeiten und Wissensschätze gepackt, die als besonders schützenswert gelten – dazu gehört auch zahlreiches Handwerkswissen. Hast du’s gewusst?

Was haben die Kunst des Pizzabackens und handwerkliches Bierbrauen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel – auch wenn Pizza und Biert vielleicht dein Herz höherschlagen lassen. Wir wollen auf etwas ganz anderes hinaus: Kulturerbe! Richtig gelesen: Beide Fertigkeiten dürfen sich rühmen, zum erlesenen Kreis der UNESCO-Schätze zu gehören. Aber alles der Reihe nach: Wir stellen dir eine Auswahl der spannendsten Beispiele vor.

Immaterielles Kulturerbe – woher kommt der Begriff?

Klar, es gibt weltberühmte Kulturschätze, die kennt man einfach: Machu Picchu in Peru, Angkor Wat in Kambodscha, der Taj Mahal … all das sind große Denkmäler und baulich imposante Anlagen. Doch es gibt auch ein Kulturerbe, das man nicht anfassen kann.

Dafür hat man den Begriff vom Immateriellen Kulturerbe geprägt. Es definiert Ausdrucksformen, die über Generationen hinweg als menschliche Kulturkompetenz erhalten bleiben. Zu ihnen rechnet die UNESCO Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten.

Verbreitetes Handwerkswissen als internationales Kulturerbe

Die Organisation UNESCO schützt im Speziellen auch ausgewählte Traditionen aus Deutschland. 2003 verabschiedete sie das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes. Inzwischen haben 178 Länder das Dokument unterzeichnet. Die Liste des bundesweiten Verzeichnisses zum Immateriellen Kulturerbe aus Deutschland verzeichnet sie alle. Mit dabei: So einiges gerühmtes Handwerkswissen!

Dieses Handwerks-Know-how gehört zum immateriellen Kulturerbe:

Handwerkstechnik des Blaudrucks

Die Bundesrepublik beheimatet gegenwärtig nur noch einige wenige Blaudruckwerkstätten. Stoffe verarbeitet man dort zu Hemden, Trachten und anderen Textilien. Spannend: Junge Designer arbeiten inzwischen mit alten Blaudruckwerkstätten zusammen. Gemeinsam kreieren sie völlig neue Kollektionen – basierend auf der traditionellen Technik.

Die Flößerei

Weiß du, was Flößen ist? Als waschechter Handwerker sollte das kein Fremdwort für dich sein. Dabei fährt man Holz auf Wasserwegen aus holzreichen in holzarme Gegenden. Früher war das enorm wichtig, um alle Regionen des Landes mit Holz zu versorgen – das war bis nach 1950 der Fall. Von Familie zu Familie teilte man dieses alte Wissen, besonders in ländlichen Gebieten.

Handwerkliches Bierbrauen

O’zapft is! Und das hierzulande schon eine ganze Weile: Deutschland kennt Bierbrauen als handwerkliche Tradition seit hunderten von Jahren. Getreu dem Reinheitsgebot aus vier Zutaten: Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. In deutschen Klöstern entstand schon ab etwa 650 n. Chr. eine regelbasierte Herstellung des kühlen Gärgetränks – so formierte sich das Brauhandwerk, bis heute wichtiges Fachwissen für Brauereien weltweit.

Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas

Wie fertigt man Hohl- und Flachglas von Hand? Tja, gute Frage. Es handelt sich um raffiniertes handwerkliches Fachwissen, das seinesgleichen sucht – und leider vom Verschwinden bedroht ist. Die alten Techniken erhalten sich bis dato noch in einigen wenigen deutschen Industrieglashütten, kleineren Glashütten und bei Künstlern des Gewerbes. Die individuelle Komposition eines jeden Glasgemenges zählt bis heute zu den großen Erfolgsgeheimnissen der Glasmacher.

Das Flechthandwerk

Last but not least in unserer Auswahl: das Flechten! Es nimmt eine besonders herausragende Stellung ein, ist es doch eine der nachweislich ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Menschheit. Grund genug, es in den Olymp des Handwerkwissens aufzunehmen: Es wird bis in die Gegenwart weltweit am Leben gehalten, nicht zuletzt dank seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Denn Flechten lässt sich vieles – von Möbeln über Kleidungsstücke bis hin zu Dekorationsobjekten.

Du möchtest mehr über traditionelles Handwerk erfahren? Dann besuche in unserem Beitrag die Manufaktur Müller Brennereianlagen im Schwarzwald.

Kai

Als freier Texter mit Fokus auf Website-Kommunikation und Online-Magazine unterstützt Kai Unternehmen aus Berlin und ganz Deutschland.

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1 Kommentar

  1. Debold

    Sehr interessante Information, mehr davon wäre schön

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