Gewährleistungspflicht im Handwerk

14. Februar 2017

Risse in der Decke oder Kratzer in den Fliesen: Schnell wird klar, so sollte es nicht sein. Der Kunde verlangt von dir trotz erfolgreicher Bauabnahme eine Nachbesserung und das ist auch sein gutes Recht, oder etwa doch nicht?
Was rechtlich gilt, was du unbedingt beachten solltest und wie du dich im Vorfeld gegen Mängelrügen absicherst, verraten wir dir in diesem Artikel.

1. Was meint die Gewährleistungspflicht?

Die Gewährleistungspflicht ist die gesetzlich geregelte Pflicht zur Nachbesserung bei mangelhaften Leistungen oder Sachschäden, die nach der Abnahme auftreten. Sie gilt auch für die Arbeiten von Handwerkern und Bauhandwerkern. Die Gewährleistungspflicht ist nicht mit der Garantie gleichzusetzen, die eine freiwillige Angabe der Hersteller ist.

2. Wann beginnt die Gewährleistungsfrist?

Die Gewährleistungspflicht beginnt grundsätzlich mit der Bauabnahme. Eine möglichst baldige Bauabnahme nach Fertigstellung der Arbeiten ist daher zu empfehlen.

3. Wie lang ist die Gewährleistungsfrist?

Die Länge der Frist für die gesetzlich geregelte Nachbesserungspflicht hängt nicht zuletzt von deinem Verhandlungsgeschick und den Vereinbarungen mit deinem Auftraggeber ab. Grundsätzlich gelten, je nach erbrachter Leistung, unterschiedlich lange Gewährleistungsfristen, die unter bestimmten Umständen auch verkürzt werden können.

Das Werkvertragsrecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sieht eine zweijährige bzw. fünfjährige Gewährleistungsfrist vor:
Bei Arbeiten, die das Bauwerk nicht substantiell beeinflussen, gilt eine zweijährige Gewährleistungsfrist (z. B. bei Instandsetzungs-, Renovierungs- oder Umbaumaßnahmen). Sie kann bei kleineren Arbeiten wie z. B. Reparaturen auf zwölf Monate verkürzt werden.

Die fünfjährige Gewährleistungsfrist gilt bei Bauwerken. Sie ist dann vorgesehen, wenn die geleistete Arbeit auf die Substanz des Bauwerks einwirkt (komplexe Bauarbeiten, vollständige Renovierung oder der Einbau von dauerhaft verbundenen Elementen wie z. B. eine Zentralheizung). Eine Verkürzung der 5-Jahres-Frist ist nicht möglich. Eine Verlängerung (bis zu 30 Jahre) kann hingegen zwischen den Vertragsparteien vereinbart werden.
Bei einer Verkürzung der Gewährleistungsfrist ist das VOB-Regelwerk für die Vertragsvereinbarungen Pflicht.

Auch Verträge nach VOB-Recht (Vergabe- und Vertragsordnung) enthalten konkrete Regelungen zur Gewährleistungspflicht. Wurde das VOB/B wirksam vereinbart, gelten bei Bauwerken oder Arbeiten, die in die Bausubstanz eingreifen, grundsätzlich vier Jahre Gewährleistungspflicht. Für alle weiteren Werkleistungen sind zwei Jahre vorgegeben.

4. Was sind häufige Gründe für die Inanspruchnahme der Gewährleistungspflicht?

Häufige Gründe für die Inanspruchnahme der Gewährleistungspflicht durch den Kunden sind Sachmängel, z. B. wenn andere Materialien als vereinbart verbaut wurden, das Produkt nicht den Absprachen entspricht oder nicht wie erwartet funktioniert. Eine Niedrigenergieheizung, die zum Energiefresser wird, wäre ein solches Beispiel.

5. Wie solltet ihr als Betrieb auf eine Mängelrüge reagieren?

Wichtig ist, dass du auf die Mängelrüge unbedingt reagierst. Andernfalls könnte der Kunde auf deine Kosten einen Dritten mit der Beseitigung des Mangels beauftragen und im Zweifelsfall sogar Ausgleichszahlungen für entstandene Schäden einfordern.

Als Unternehmen hast du grundsätzlich das Recht zur Nacherfüllung, was bedeutet, dass du den Fehler sowohl durch eine Nacharbeit beheben als auch ein nicht funktionsfähiges Gerät austauschen kannst. Wie du den Mangel im Einzelnen beseitigen, bleibt dabei dir überlassen.

6. Wie sollten Kunden einen Mangel dir gegenüber geltend machen?

Mit einer sogenannten Mängelrüge sollten Kunden auf das Problem aufmerksam machen und dich zur Behebung des Mangels auffordern. Diese Aufforderung muss immer schriftlich erfolgen. Ist die Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen, müsst du dieser Aufforderung auch nachkommen. Der Kunde muss dir dafür allerdings eine angemessene Frist setzen. Konkrete Regelungen, wie lang diese Zeitspanne sein darf oder sein sollte, gibt es von rechtlicher Seite her nicht. Grundlegend sollte der Zeitraum wenige Wochen betragen.

7. In welchen Fällen verlängert sich die Gewährleistungspflicht?

Wurde ein VOB-Vertrag vereinbart und liegt eine schriftliche Mängelrüge des Auftraggebers vor, wird die Verjährung der Gewährleistungspflicht mit sofortiger Wirkung bis zur Beseitigung des Mangels unterbrochen. Im Falle eines BGB-Vertrags müsst du als Bauhandwerker zunächst die Mängelrüge anerkennen bzw. der Kunde muss ein Beweissicherungsverfahren einleiten, bevor es zu einer Unterbrechung kommt.

8. Inwieweit müsst du als Handwerker auch für schadhafte Materialien haften?

Auch wenn deine Arbeitsleistung einwandfrei erfolgt ist, kannst du dennoch zur Rechenschaft gezogen werden, wenn das eingebaute Material mangelhaft ist. Dies ist dann der Fall, wenn du das Material selbst besorgt und eingebaut hast (laut Grundsatzurteil BGH). Dann trägst du als Handwerker das Mängelrisiko und sind laut aktuell gültigem Recht (Stand Januar 2017) dazu gezwungen, die Aus- und Einbaukosten für das fehlerhafte Material zu tragen. Von dem Verkäufer des Materials kannst du hingegen nur die Lieferung des dafür benötigten neuen Baumaterials verlangen.

So kannst du Mängelrügen vermeiden

Die beste Absicherung ist immer noch die Aufklärung: Um Mängelrügen zu vermeiden, solltest du den Kunden im Vorfeld auf mögliche Risiken im Zusammenhang mit deiner Arbeit in einem ausführlichen Beratungsgespräch hinweisen (z. B. wenn Materialien Eigenschaften haben, die sich in bestimmten Fällen negativ auswirken könnten oder wenn die beauftragten Arbeiten kontraproduktiv wären).

Lass dir das Aufklärungsgespräch schriftlich bestätigen – insbesondere dann, wenn der Kunde gegen deinen fachlichen Rat eine Arbeit beauftragt. In der Regel kannst du damit im Streitfall eine Haftung ausschließen – ausgenommen sind Verstöße gegen geltendes Recht oder gegen die Vorgaben der Baugenehmigung. Dies ist schlichtweg nicht zulässig und kann für den Betrieb empfindliche Strafen nach sich ziehen.

Vergewissere dich im Vorfeld, dass die zu verarbeitenden Materialien hochwertig und zuverlässig sind, da der Verkäufer nach EUGH im Mängelfall den Schaden ersetzen muss (Baukosten + Materialkosten). Er haftet für den Einbau allerdings nur, wenn er den Fehler an der Ware hätte erkennen können.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerkern Antworten auf viele Fragen geben.

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