Bachelor Professional: Was bedeutet der neue Titel?

19. Januar 2021

Seit dem 01. Januar 2020 kann im Handwerk auch die Berufsbezeichnung „Bachelor Professional” verwendet werden. Der neue Titel ersetzt die bisherigen Abschlüsse nicht, sondern ergänzt sie. Was die Bezeichnung aussagt, wer sie nutzen darf und wie sie korrekt verwendet wird, erfährst du in diesem Artikel.

Aus dem reformierten Berufsbildungsgesetz (BBiG), das Anfang 2020 in Kraft getreten ist, ergeben sich auch für das Handwerk einige Änderungen. Eine Anpassung, die nicht nur Auszubildende und Ausbildungsbetriebe betrifft, ist die Einführung neuer Berufsbezeichnungen für Fortbildungsabschlüsse – auch rückwirkend. Neben „Geprüfte/r Berufsspezialist/in” und „Master Professional” soll vor allem der „Bachelor Professional” für Einheitlichkeit und internationales Verständnis sorgen. Der neue Titel gilt im Handwerk zusätzlich zum bestehenden Abschluss und kann freiwillig verwendet werden. Eine Verpflichtung besteht nicht.

Warum wurde die ergänzende Berufsbezeichnung eingeführt?

Mit neuen Titeln für die höherqualifizierende Bildung möchte der Gesetzgeber gleich drei konkrete Ziele erreichen und so die Aus- und Weiterbildung noch attraktiver machen. Zum einen soll das neue System mehr Transparenz schaffen, indem unterschiedliche Abschlussbezeichnungen in drei Stufen gegliedert und vereinheitlicht werden. Darüber hinaus soll die englische Bezeichnung mehr Vorteile auf dem globalen Arbeitsmarkt und bei internationalen Geschäftsbeziehungen ermöglichen. Und drittens: Die Anlehnung an akademische Titel wie „Bachelor of Arts/Science” soll den Status einer Fortbildung im Ausbildungsberuf betonen – als gleichwertig zu einer universitären Laufbahn.

Wie ist der „Bachelor Professional” einzuordnen?

Der Abschluss entspricht der zweiten Stufe der neuen Bezeichnungen, er steht also zwischen „Geprüfte/r Berufsspezialist/in” und „Master Professional”. Die neuen Fortbildungsstufen sind zwar bereits gesetzlich verankert, müssen aber noch durch die jeweiligen Verordnungsgeber genauer definiert werden. Im Handwerk ist das bisher nur für den „Bachelor Professional” erfolgt, der mit dem Meistertitel verknüpft ist. Für die anderen beiden Titel könnte das noch dauern: Laut Zentralverband des Deutschen Handwerk gibt es nämlich noch keine Fortbildungsverordnungen, die diese beiden Stufen vorsehen.

 

Wer darf den Titel „Bachelor Professional” tragen?

Laut Gesetz darf jeder den neuen Titel tragen, der eine entsprechende Aufstiegsfortbildung erfolgreich absolviert hat. Für das Handwerk bedeutet das konkret: Alle, die eine Meisterprüfung bestanden haben, können sich ergänzend auch „Bachelor Professional”  nennen. Jeder Handwerksmeister hat also einen Anspruch darauf, ganz gleich, wann der Meisterbrief ausgestellt wurde.

 

Wie erwirbt man die neue Berufsbezeichnung?

Wer Meister ist und Interesse an dem Zusatz „Bachelor Professional” hat, kann mit seiner Handwerkskammer in Kontakt treten und eine entsprechende Bescheinigung beantragen. Zu Details und Kosten gibt die jeweilige Kammer Auskunft. Geführt werden darf der Titel laut Bundesministerium für Bildung und Forschung aber auch ohne offizielles Zusatzdokument.

Seit 2020 wird mit dem Meisterbrief automatisch auch der „Bachelor Professional” erworben.

 

Wie verwendet man den Titel richtig?

Sowohl der Meistertitel als auch der „Bachelor Professional“ können genutzt werden – alleine oder in Kombination. Möchte ein Handwerksmeister den neuen Titel anwenden, empfiehlt der Zentralverband des Deutschen Handwerks die Schreibweise „Bachelor Professional im entsprechenden Handwerk”, also beispielsweise „Bachelor Professional im Tischlerhandwerk”. Eine praktische Abkürzung, wie das etablierte „me.” für den Meistertitel, existiert noch nicht.

Da der „Bachelor Professional” noch jung ist, dauert es wahrscheinlich noch eine Weile, bis er sich im Alltag etabliert. Gerade bei internationalen Kontakten kann es aber von Vorteil sein, den neuen Titel schon jetzt zu führen. Ob die anderen beiden Bezeichnungen im Handwerk Anwendung finden, wird sich zeigen. Wir halten dich zu allen Änderungen auf dem Laufenden.

Christina

Christina ist Texterin und Branding-Strategin und unterstützt Start-ups dabei, in ihrer Kommunikation den Nagel auf den Kopf zu treffen.

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