Alternative Arbeitszeiten

20. März 2019

Die Einstellung zur Arbeit hat sich insbesondere bei der jüngeren Generation gewandelt. Jeden Tag das Gleiche, Arbeit strikt von 9 bis 17 Uhr, kaum Zeit für Freunde und Familie: So stellen sich viele junge Arbeitnehmer das Berufsleben nicht mehr vor. Neue Arbeitszeitmodelle sind in vielen Branchen schon Gang und Gäbe. Wie sieht es im Handwerk aus?

Flexible Arbeitszeiten können ein Gewinn für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen sein. Mit neuen Modellen wie Gleitzeit, Vier-Tage-Woche, Vertrauensarbeitszeit oder Job-Sharing (englisch für Arbeitsplatzteilung, bei der sich meist zwei Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle teilen) gehen Arbeitgeber auf die Bedürfnisse der Beschäftigten ein. Während Arbeitnehmer von einer höheren Flexibilität und besseren Vereinbarkeit von Job, Familie und Hobbys profitieren, binden Arbeitgeber Fachkräfte an ihr Unternehmen. Denn in einer Zeit, in der eine angenehme Work-Life-Balance vielen Beschäftigten wichtiger ist als ein paar Euro mehr am Ende des Monats, gewinnen Unternehmen an Attraktivität, die alternative Arbeitszeitmodelle anbieten.

Das Handwerk ist ausgelastet. Flächendeckend Teilzeit oder ähnliche Modelle bieten zu können, ist schwierig.

Angesichts des Fachkräftemangels können Handwerksunternehmen jede Art der Arbeitnehmerbindung gebrauchen. Warum also nicht auch alternative Arbeitszeitmodelle etablieren, um junge Arbeitskräfte zu sichern? Wir sprachen mit Gudrun Laufer, Beauftragte für Innovation und Technologie (BIT) sowie Personalentwicklung und Organisationsberatung der Handwerkskammer Berlin, darüber, dass sich Handwerksunternehmen schwerer als andere Unternehmen tun, solche Arbeitszeitmodelle einzuführen.

Gudrun Laufer, Beauftragte für Innovation und Technologie (BIT) sowie Personalentwicklung und Organisationsberatung, Handwerkskammer Berlin

Frau Laufer, ein Merkmal der modernen Berufswelt ist eine ganze Reihe alternativer Arbeitszeitmodelle, die sich in den vergangenen Jahren etabliert haben. Welche von ihnen gibt es auch im Handwerk?

Gudrun Laufer: Es kommt stark auf die Branche an. In Dienstleistungsgewerken, zum Beispiel bei Friseuren, Optikern, Kosmetikern und Bäckern, sind Teilzeitmodelle mit drei oder vier Tagen verbreitet. Grundsätzlich also solche Gewerke, in denen ein hoher Frauenanteil üblich ist. Darüber hinaus sind alternative Arbeitszeitmodelle jedoch kaum im Handwerk anzutreffen – und wenn, dann sind es Einzelfälle. In kleineren Betrieben sehen wir individuelle Regelungen, bei Krankheit oder familiären Problemen beispielsweise. Meistens gehen Chefs kleiner Betriebe auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein. Aber es sind Einzelfälle.

Woran liegt das?
GL: Während der Beratung von Betrieben habe ich die Erfahrung gemacht, dass Handwerker aufgrund des Fachkräftemangels bis zur Oberkante ausgelastet sind. In einer solchen Situation ist es sehr schwierig, wahrscheinlich unmöglich, Arbeitnehmern flächendeckend Teilzeit oder ähnliche Modelle anbieten zu können. Da lässt sich kaum etwas machen. Das Bewusstsein für solche Konzepte ist aufseiten der Arbeitgeber durchaus vorhanden, aber die realen Bedingungen lassen es nicht zu. Wenige Unternehmen lassen sich dennoch darauf ein, um Mitarbeiter anzulocken.

Gibt es Berufsgruppen, die sich besser eignen als andere? Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße?
GL: Die Unternehmensgröße ist entscheidend. Je größer der Betrieb, desto mehr ist es dem Unternehmer möglich, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen. Kleine Betriebe haben diese Möglichkeiten kaum. Wenn wir auf die Berufsgruppen schauen, gibt es ebenfalls Unterschiede. Bei kaufmännischen Berufen im Handwerk sind beispielsweise Teilzeitstellen möglich, sogar stark verbreitet, da Vollzeitkräfte in diesem Bereich für die Betriebe zu teuer sind. Bei einem Großteil der Berufe sind alternative Arbeitszeitmodelle allerdings nicht möglich. Mit 60 Prozent sind die meisten Handwerker im Bau- und Baunebengewerbe tätig. Auf Baustellen ist es sehr schwierig, Teilzeitstellen anzubieten. Solche Großprojekte benötigen ohnehin einen hohen Abstimmungsbedarf. Flexible Konzepte wie Gleitzeit würde alles noch verkomplizieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Isabelle

Handwerkern auf die Finger und über die Schulter schauen: Ich interessiere mich vor allem für spannende Geschichten aus der Praxis.

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