Agiles Arbeiten im Handwerk: So funktioniert‘s

6. Februar 2021

Ob Bäcker, Tischler oder Heizungstechniker: Vielen kennen agile Methoden nur aus modernen Medienagenturen oder Start-ups. Die Techniken ermöglichen aber auch kleineren und mittleren Handwerksbetrieben ganz neue Arten der Zusammenarbeit. Wir zeigen dir, welche agilen Methoden auch in deinem Betrieb Sinn machen.

Es ist ein Trendbegriff, welcher seit einiger Zeit durch die Kanäle geistert: A-was? Agilität. Falls dir der Begriff schwerfällig und kompliziert vorkommt: Wir sind ganz bei dir. In Wahrheit steckt hinter dem sperrigen Wort jedoch mehr als eine leere Phrase; es steht für einen wahrhaft pragmatischen Ansatz. Krisenzeiten wie diese zwingen uns alle zum Umdenken –  mit ein paar klugen Kniffen macht genau das Handwerker besser und stärker. Anders gesagt: agiler! Okay, Zeit endlich Klartext zu sprechen …

Basiswissen: Agilität, erklär mir das!

Vielleicht hast du ja schon mal von Ausdrücken wie „Scrum” oder „Arbeiten im Paar” gehört. Sie und einige weitere beschreiben, was seit Jahren in Unternehmen immer wichtiger wird: New Work, auch Agilität oder Agiles Arbeiten genannt. Dahinter verbirgt sich eine Mentalität, als Betrieb flexibel, beweglich, schnell und zukunftsfähig zu werden – gerade im Hinblick auf eine Kundenwelt, die zunehmend vielschichtiger, anspruchsvoller und damit unvorhersehbarer wird. Wichtig zu sagen: Klar, viele Produktions- und Umsetzungsaufgaben funktionieren weiterhin nach festen Prozessen. Andere aber erfordern mehr und mehr Kreativität.

Wie das im Handwerk gelingt? Vor allem durch Umdenken unter Mitarbeitern. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einem kooperativen, interdisziplinären und eigenständigen Arbeiten. Handwerker kennen das: Flache Hierarchien, familiäre Stimmung und Team-Charakter sind in den Gewerken oft gang und gäbe. Doch was kann noch besser laufen?

 

1.   Hierarchien abbauen, kleinere Teams bilden

Stell dir das vor: Dein Chef läuft wie der Löwe am Gitter auf und ab – und kontrolliert jeden deiner Schritte genau. Schrecklich, oder? Agile Mitarbeiter dürfen individuelle Stärken ausspielen und arbeiten in kleinen Einheiten zusammen. Das heißt: Abteilungsleiter führen eher unterstützend und Hilfe leistend. Sie geben offen und transparent Feedback, wie ein guter Coach. Der Effekt: Durch Kommunikation auf Augenhöhe lernen Kollegen mehr und liefern bessere Arbeit. Das gilt, solange Grenzen innerhalb der Arbeitsprojekte klar, nachvollziehbar und einfach verständlich sind.

Also: Eigeninitiative voraus! Wer mit Freude freiwillig Rollen und Funktionen im Betrieb übernehmen darf, passt sich an, denkt um, entwickelt ständig neue Lösungen – und versteht so irgendwann – ganz ohne Chef – was einzelne Kunden exakt möchten.

2.   Kunden viel genauer verstehen – und differenzierter

Damit sind wir beim nächsten Punkt. Sozusagen: der Herzkammer des Ganzen. Als Handwerker agil zu sein, bedeutet aus ständigen Lernprozessen etwas zu machen, das der Kunde wirklich will. Das Ziel sollte sein, den Wettbewerb am Markt zu schlagen. Wie das geht? Indem du ab sofort alles beiseite lässt, was deinen Kunden egal ist und bei dem kein Mehrwert besteht. Was Kunden hingegen wollen, findest du heraus, indem du dir Fragen beantwortest wie: Welches Produkt ist in Zukunft unverzichtbar für die Zielgruppe? Oder: Wie kann ich helfen, den Arbeitsalltag meiner Kunden zu vereinfachen?

3.   Im ständigen internen Austausch bleiben

Das Zauberwort lautet: Flexibilität. Die erhälst du und dein Team dir, indem du interne Abläufe wirklich regelmäßig hinterfragst. So könnt ihr schnell auf eine neue Marktlage reagieren – und bleibt anpassungsfähig. Schluss mit stundenlangen Konferenzen zum Mitschreiben, her mit einem ständigen Austausch. Moderne Methoden wie kurzweiliges Mikrolernen oder freie Stand-up-Meetings ermöglichen, Projekt- und Produktmanagement auf völlig neue interaktive Weise zu begreifen. Was zählt, ist Mut für Experimente nach Plan. Um die anzugehen, braucht es klar definierter Business-Ziele. Zu denen gelangst du zum Beispiel so:

  • Großes Ziel aufschreiben – genau da wollen wir hin
  • Zwischenziele mit wichtigsten Aufgaben formulieren
  • Praxis: Kleine Teams bilden, die diese eigenständig umsetzen
  • Lösungen zusammen mit Kunden testen – und auch mal verwerfen
  • Feedback holen und geben, immer wieder
  • Erfolgreiche Konzepte großangelegt umsetzen

Agiles Arbeiten zahlt sich für alle im Handwerk aus

Flink, beweglich und wendig bleiben – das produziert Gewinner unter Handwerkern. Wer erkennt, dass ein enger Austausch mit Kunden über reinen Aufträgen und Verträgen steht, stößt auf jede Menge Gegenliebe am Markt. Das gilt genauso für Interaktionen innerhalb der Firma selbst. Deine Mitarbeiter oder Kollegen sind keine Maschinen. Sie brauchen Verantwortung, Motivation, Förderung und persönlichen Austausch. Handwerker und Vorgesetzte, die das erkennen, bleiben auch in Zukunft im Rennen – weil sie mit der Zeit gehen und dadurch verkaufsstarke Lösungen bieten, die wirklich gebraucht werden.

Kai

Als freier Texter mit Fokus auf Website-Kommunikation und Online-Magazine unterstützt Kai Unternehmen aus Berlin und ganz Deutschland.

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