Ratgeber: Richtig löten

 

Löten ist eine Verbindungstechnik für Metalle unter Verwendung von Wärme. Oberhalb einer Temperatur von 450 °C spricht man vom Hartlöten, darunter vom Weichlöten. Richtig löten ist wichtig, um elektronische Bauteile und Leiter zuverlässig zu verbinden. Beim Weichlöten wird die Lötstelle moderat und nur kurzfristig erhitzt. Bei Arbeiten an Rohrinstallationen ist wegen der höheren Belastungen Hartlöten gefordert. Löten lernen kann jeder mit etwas Geduld und Umsicht.

 

1. Was ist der Unterschied zwischen Weichlöten und Hartlöten?

Weichlöten Hartlöten
Besonderheiten
  • Temperatur: 180–250 °C
  • Geräte: Elektrischer Lötkolben, Lötpistole, Lötstation, Gaslötkolben, Kartuschenlötgerät (Lötlampe)
  • Temperatur: über 450 °C
  • Grad der Festigkeit: zwischen Weichlöten und Schweißen
Anwendungsgebiete
  • Elektrotechnik, Elektronik, SMD Löten
  • Sanitäre Installationen, Heizungsbau, Werkzeugbau, Kupferrohr löten
  • Werkstoffe: Kupfer, Messing, Silber, Stahl
Vorteile
  • preisgünstiger Einstieg
  • leicht zu handhaben
  • geringe thermische Belastung
  • hohe Festigkeit
  • kein Stromanschluss notwendig
  • als Lötbrenner vielseitig einsetzbar (Hartlöten, Lack entfernen, Wasserrohre auftauen)
  • auch als kombinierte Autogenschweiß- und Hartlötgeräte erhältlich
Nachteile
  • begrenzte Belastbarkeit der Lötverbindung
  • richtig Weichlöten erfordert Übung
  • Weichlot mit Blei-Anteil und Flussmittel können Gesundheit und Umwelt gefährden
  • hohe thermische Belastung
  • Verbindung unterschiedlicher Metalle verursacht Peltier-Effekt
  • Füllstand von Kartuschen schwer bestimmbar
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2. Was wird zum Löten benötigt?

2.1 Das Lot

Neben Zinn sind im Weichlot Metalle wie Kupfer, Silber und Blei enthalten. Die Lote werden in Stärken von 1 bis 1,5 mm angeboten. Der Zinngehalt des Weichlotes lässt sich der Verpackung entnehmen und liegt meist zwischen 40%–50%.

Eine Übersicht über den Schmelztemperaturbereich von Weichloten:

Bezeichnung Schmelzpunkt Anmerkung
L-Sn60Pb40 183–190 °C
L-Sn60Pb38Cu2 183–190 °C
L-Sn62Pb36Ag2 178 –190 °C halogenfrei
L-Sn63Pb37 183 °C halogenfrei/eutektisch
L-Sn96,5/Ag3,5 221 °C bleifrei/eutektisch
L-Sn99,3Cu0,7 227 °C bleifrei/eutektisch

Hartlot basiert auf Messing oder Neusilber. Auch beim Hartlöten ist ein Flussmittel unentbehrlich. Es bewirkt eine bessere Verteilung des Lots und verhindert eine Oxidation der Lötstellen. Für Weichlöten ist Kolophonium ein häufig genutztes Flussmittel. Lötdraht mit Flussmittelseele bringt das Flussmittel bereits mit. Bei allen Flussmitteln sind die Angaben des Herstellers zu Gesundheits- und Umweltgefahren zu beachten. Neben bleihaltigem Lötzinn ist auch bleifreier Lötdraht erhältlich.

 

2.2 Der Lötkolben

Lötkolben
Zur Lötkolben Auswahl
Richtig löten lässt sich nur mit einem hochwertigen Werkzeug wie zum Beispiel einem Ersa Lötkolben mit einstellbarer Temperatur. Für das Weichlöten ist ein Bereich von 200–450 °C ausreichend. Lötstationen regeln die Temperatur elektronisch und gewährleisten eine gleichbleibend erhitzte Lötspitze.

Auch die Ausführung der Lötspitze ist entscheidend für ein gutes Resultat. Bei Detail-Arbeiten erleichtert ein Miniaturlötkolben die Arbeiten und macht punktgenaues Löten möglich. Zum Löten von Blechen greifen Profis zum Hammer-Lötkolben, der sich auch zum Löten von Sonnenkollektoren und Bleiverglasungen empfiehlt.

 

2.3 Die Lötpistole

Lötpistole
Zur Lötpistolen Auswahl
Manch einer zieht das Löten mit Lötpistole aus ergonomischen Gründen dem Lötkolben vor. Für Arbeiten im Elektronik-Bereich reicht eine Leistung von 60 Watt.

Anders als beim elektrischen Lötkolben wird die Lötspitze durch einen hohen Strom erhitzt, welcher durch die schlaufenförmige Spitze der Lötpistole fließt.

Jeder Anwender entwickelt im Laufe der Zeit meist eine Vorliebe für Lötkolben oder Lötpistole. Richtig löten lässt sich mit beiden.

 

3. Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden?

Damit die Lötstelle gut hält, sind die Werkstücke vorher gründlich zu säubern und von Ölen, Fetten und Zunder zu befreien. Auch die Lötspitze des Lötkolbens ist vorab zu reinigen. Hierzu lässt sich ein konventioneller Lötschwamm oder ein Trockenschwamm aus Metallwolle nutzen. Der Lötkolben sollte sich sicher – idealerweise in einem Lötkolbenhalter – ablegen lassen. Leicht entflammbare Materialien sind aus dem Arbeitsbereich zu entfernen. Mit einer Löthilfe als Dritte Hand lassen sich die zu verbindenden Werkstücke sicher fixieren.

 

4. Wie lötet man richtig?

Richtig löten ist gar nicht so schwer. Hier eine kleine Anleitung zum Löten in 3 Schritten:

  • 1. Benetzen
    Die Lötspitze an das zu verlötende Segment halten. Anschließend den Lötdraht zwischen Lötspitze und Werkstück führen. Bei einem Lötdraht mit Flussmittelseele ist das Flussmittel bereits enthalten. Den Lötdraht gefühlvoll nachführen, bis die Kontaktfläche vollständig benetzt ist.
  • 2. Fließen
    In dieser Phase geht das Lot in den starren Zustand über. Beim Zurückziehen der Lötspitze ist zu prüfen, ob eine vollständige Benetzung stattgefunden. Für das Weichlöten gilt die Formel: So viel Hitze wie gerade nötig in so kurzer Zeit wie möglich. Ein zu langer Kontakt mit der heißen Lötspitze kann den Hitzetod von Bauteilen verursachen.
  • 3. BindenWährend des Bindens sind Erschütterungen der Lötstelle zu vermeiden. Der gesamte Lötvorgang sollte innerhalb von 2 bis 5 Sekunden abgeschlossen sein, um einen Hitzetod von Bauteilen zu vermeiden. Eine unzureichende Erhitzung der Lötstelle führt zu kalten, instabilen Lötstellen. Der optimale Ablauf stellt sich schnell ein – Elektronik löten lernen ist auch eine Sache der Übung.

 

5. Welche Fehler können während des Lötvorgangs auftreten?

Nach dem Lötvorgang ist die Lötstelle zu prüfen. Das Lötzinn sollte in Form einer Hohlkehle verlaufen sein und darf keine Halbkugel ausbilden. Leiter auf einer Leiterplatte sollten sich unter dem Zinnmantel nicht abzeichnen. Eine saubere Lötstelle setzt einen kleinen Benetzungswinkel voraus. Ideal ist ein Benetzungswinkel von 25°, bis zu 50° sind noch tolerabel. Eine poröse oder körnige Oberfläche der Lötaugen ist ein Hinweis auf zu lange Lötzeiten.

 

6. Wie entlötet man fehlerhafte Kontakte?

Das Entlöten lässt sich mit einer Entlötpumpe oder eine Entlötsauglitze vornehmen. In beiden Fällen wird das Lot von der Lötstelle abgesaugt. Als Lötspitze für die Entlötpumpe ist ein Durchmesser zu wählen, der nur minimal größer als die Leiterplattenbohrung ist. Wie beim Löten ist auch beim Entlöten auf ein zügiges Arbeiten zu achten, um Schäden an den Komponenten auszuschließen.

 

7. Wie sorgt man während des Lötvorgangs für die nötige Sicherheit?

Richtig löten setzt eine umsichtige Handhabung des heißen Lötkolbens voraus. Auch der Umgang mit Lot, Lötrauch und Flussmittel birgt Risiken. Leicht entflammbare Materialien sind aus dem Arbeitsbereich zu entfernen.

Ein Lötkolbenhalter stellt eine sichere Ablage für den Lötkolben her. Sofern keine Absaugung des Lötrauchs durch ein Lötrauchfiltergerät erfolgt, ist zumindest für eine gute Belüftung des Arbeitsplatzes zu sorgen. Eine Schutzbrille schützt vor Lotspritzern.

Flussmittel enthält Schwermetalle, längerer, direkter Hautkontakt ist daher zu vermeiden. Am Arbeitsplatz sollte weder geraucht, gegessen noch getrunken werden. Nach Abschluss der Arbeiten sind die Hände gründlich zu reinigen.

 

8. Glossar

Entlötlitze
Entlötlitze besteht aus einem geflochtenem Kupferdrahtband mit einer Breite von 0,5 bis 5 mm. Nach Eintauchen in Flussmittel wird die Entlötlitze an die zu entlötende Stelle gehalten und mit dem Lötkolben erhitzt. Das geschmolzene Lot zieht durch die Kapillarwirkung in das Kupfergeflecht ein und benetzt die Entlötlitze, während im gleichen Zug die Lötstelle vom Lot befreit wird.

Flussmittel
Flussmittel wird beim Weichlöten und Hartlöten benötigt, um eine vollständige Benetzung des zu lötenden Teils mit dem Lot herzustellen. Das Flussmittel setzt die Oberflächenspannung des geschmolzenen Lotes herab, löst Verschmutzungen heraus und verbessert die Festigkeit der Lötstelle.

Fittinglot
Für das Hartlöten von Installationen im Trinkwasserbereich ist spezielles Fittinglot vorgeschrieben. Auch das in diesem Bereich eingesetzte Flussmittel muss den Anforderungen der Trinkwasserverordnung genügen.

Verdrillen
Das Verdrillen von Litzen oder Drähten stellt eine schlüssige Lötstelle her und dient der mechanischen Absicherung. Das Zusammendrehen stabilisiert die Leiter und verbessert die Festigkeit der Lötstelle.

 

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Anheizzeit ca. 90 s 3 min 5 min
Lötspitzentemperatur 450 °C 450 °C 470 °C
Leistung 25 W 150 W 200 W
Anschlussspannung 230 V 230 V 230 V
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