Erste Hilfe: Augenspülungen richtig anwenden

19. Juni 2021

Insbesondere an Arbeitsplätzen, an denen das Risiko für Augenverletzungen besteht, sind griffbereit platzierte Augenspülungen ein absolutes Muss. Als Erste-Hilfe-Maßnahme können mit ihnen Fremdkörper wie zum Beispiel Metallsplitter, Staub oder sogar Chemikalien aus den Augen gespült werden. Oft zählen hier Sekunden, um die Schwere der Verletzung zu reduzieren und den schlimmsten Fall, den Verlust des Augenlichts, zu verhindern. Wir erklären, worauf es bei der Anwendung ankommt und welche Spülung wann angewendet wird.

 

Schutzstufe des Arbeitsplatzes

Die wichtigste Schutzmaßnahme, damit Augenverletzungen gar nicht erst passieren, ist und bleibt ein Augenschutz beziehungsweise eine Schutzbrille entsprechend der Schutzstufe des Arbeitsplatzes. Zusätzlich sind in vielen Produktionsbereichen aber auch professionelle Spülprodukte für Augen, auch Augenduschen genannt, gesetzlich vorgeschrieben.

 

Platziert werden können diese an stationären Augenspülstationen, die in der Nähe des Arbeitsplatzes an die Wand montiert werden. Aber auch Erste-Hilfe-Kästen oder mobile Aufbewahrungsmöglichkeiten wie etwa Gürteltaschen sind mögliche Alternativen. Hauptsache es ist gesichert, dass die Spülungen im Notfall griffbereit sind und schnell angewendet werden können. Grob gesagt, befreien die Augenspülungen Augen und Haut von Fremdkörpern. Spezielle Lösungen neutralisieren sogar Säuren. Von der Verwendung von Leitungswasser zum Spülen der Augen ist wiederum abzuraten, da Bakterien im Auge bleiben und das Infektionsrisiko erhöhen.

 

Mechanische Fremdkörper im Auge

Die meisten Verletzungen am Auge, tatsächlich etwa 70 Prozent, haben eine mechanische Ursache. Oft sind es Späne von Holz, Metallsplitter oder Staubpartikel, die ins Auge gelangen. Auch ein abgerutschtes Werkzeug kann eine Augenverletzung verursachen. Verletzungen können dabei unterschiedlich schwer ausfallen. Wird die tieferliegende Hornhaut verletzt, kann dies schwerwiegende und sichtbare Verletzungen der Netzhaut und Linse mit sich ziehen. Generell ist es daher wichtig, umgehend einen Arzt aufzusuchen. Augenspülungen dienen als sinnvolle Erste-Hilfe-Maßnahme, um die Fremdkörper möglichst schnell aus dem Auge zu waschen.

 

Geeignet sind bei mechanischen Verletzungen nach DIN 15154 zertifizierte 0,9-prozentige Natriumchloridlösungen. Diese sind in verschiedenen Flaschengrößen für stationäre Augenspülstationen oder als mobile Erste-Hilfe-Lösung erhältlich.

 

Chemische Substanzen im Auge

Eine weitere Ursache für Augenverletzungen ist die Gefahr durch Chemikalien, die ins Auge gelangen. Sie machen rund 30 Prozent der Augenverletzungen aus, und zwar meistens in Form von flüssigen Chemikalien. Aber auch gasförmige oder feste Gefahrstoffe können ins Auge gelangen und es verletzen. Dabei gilt: Je konzentrierter die Chemikalie, je höher ihre Temperatur und je länger der Kontakt mit dem Auge besteht, desto schwerer kann das empfindliche Organ geschädigt werden. Besonders schwerwiegend sind die Folgen, sobald eine ätzende Substanz in die tieferen Schichten des Auges gelangt. Umso wichtiger ist es, dass bei Verletzungen durch ätzende Chemikalien umgehend ein Arzt aufgesucht wird. Hier zählt jede Sekunde.

 

Als Erste-Hilfe-Maßnahme empfiehlt sich der Griff zu Phosphatpufferlösungen, mit denen das Auge schnellstmöglich gespült wird. Bei sofortigem Einsatz reduzieren sie die Schwere der Verletzungen, da sie die ätzende Substanz neutralisieren und so deren schädigende Wirkung eindämmen. Wie die oben aufgeführten Natriumchloridlösungen bei mechanischen Verletzungen sind auch diese in unterschiedlichen Größen erhältlich und können sowohl mobil als auch stationär eingesetzt werden.

 

Wichtiger Hinweis! Wird die Verletzung durch Zement oder Branntkalk hervorgerufen, darf kein Wasser ins Auge gelangen, da dies eine Verätzung weiter fördert.

 

Die Augenspülungen im Überblick:

 

So spülst du das Auge richtig aus

Generell empfiehlt es sich, am Arbeitsplatz einen Augen-Notfall-Plan festzulegen, um eine schnelle und wirksame Anwendung von Augenspülungen zu ermöglichen.

  • Entweder den Kopf zurücklehnen und von oben spülen oder mit vorgebeugtem Kopf das Auge von unten spülen.
  • Das Augenlid dabei offen halten.
  • Je nach Spülrichtung darauf achten, dass die schädliche Substanz nicht in das andere Auge gelangt. Den Kopf eventuell zur Seite neigen.
  • Wichtig ist, dass du das empfindliche Organ mit einem gleichmäßigen und weichen Strahl spülst. Die Flasche nur leicht zusammendrücken.
  • Bis zum Eintreffen beim Arzt möglichst weiter spülen, um das Risiko von Augenschäden gering zu halten

 

Augenspülungen – wichtig zu wissen:

  • Nach Gebrauch beziehungsweise Öffnen der Flasche sind die Spülungen nicht mehr steril. Lösungen müssen dann entsorgt werden.
  • Die Haltbarkeit der Augenspülungen liegt bei etwa drei Jahren.
  • Bei Verletzungen und Verschmutzungen am Auge grundsätzlich an einen Arzt wenden.

HAND-DRAUF-Redaktion

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