ZDH-Umfragen zu den Auswirkungen von Corona

7. Juni 2020

Die Corona-Pandemie hinterlässt in den deutschen Handwerksbetrieben gewaltige Spuren. Hiobsbotschaften für die gesamte Wirtschaft sind an der Tagesordnung. Wie nehmen die einzelnen Gewerke die Lage selbst wahr? Ein aktuelles Stimmungsbild vermitteln die Ergebnisse mehrerer Umfragen, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks durchgeführt hat. Das sind die ersten Ergebnisse.

Die Auswirkungen sind schon jetzt immens: Vielen kleineren Baufirmen und mittelständischen Handwerksbetriebe fehlen laufende Einnahmen – während sie für einen Großteil ihrer Belegschaft Kurzarbeitergeld beantragen müssen, das nur verzögert ausgezahlt wird. Wie betroffen die einzelnen Gewerke in dieser herausfordernden Zeit konkret sind, zeigen regelmäßige Online-Befragungen. Sie offenbaren vor allem eines: die Wahrnehmung der Gesamtsituation ändert sich binnen Tagen bis Wochen – verbunden mit einer großen Portion Unsicherheit. 

ZDH-Betriebsbefragungen: Corona-Pandemie markiert Zäsur

Bereits seit 30. März 2020 veröffentlicht der Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) gemeinsam mit vielen Handwerkskammern und Fachverbänden der Branche neue Zahlen. Die Auswertungen informieren über den aktuellen Stand der Geschäftssituation in den befragten Firmen. Dabei wird deutlich, dass der Rückgang von Umsätzen für die meisten Betriebe eine nie dagewesene Dimension erreicht.

Aufträge storniert, Umsätze brechen weg

Die erste Umfrage des ZDH in Bezug auf die Corona-Pandemie fand zwischen 23. und 25. März 2020 statt. An ihr haben sich 4.895 Betriebe beteiligt. Daraus geht hervor, dass die Mehrheit der Handwerksfirmen unter Arbeitsverlust im Zuge der aktuellen Gesundheits- und Arbeitsmarktkrise leiden. 

In Zahlen wiedergegeben: Handwerk in Zeiten von Corona bedeutete im März für 77 Prozent aller befragten Firmen einen coronabedingten Umsatzrückgang um durchschnittlich 53 Prozent. Vergleichsweise gut unter den Gewerken sind bis dato Bauhaupthandwerke weggekommen. „Lediglich“ 45 Prozent ihrer Aufträge wurden storniert.

Damit nicht genug: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fielen durch Erkrankung, Isolation in der Wohnung oder aufgrund der Betruung der eigenen Kinder unmittelbar aus. Das hat die Produktionsausfälle vieler Handwerksfirmen zum Zeitpunkt der ersten Umfragerunde noch vergrößert. Rund 31 Prozent des Gesamthandwerks berichtete Ende März 2020 von Schwierigkeiten in Versorgung und Zuarbeit.

Belastung im Handwerk steigt – bei unsicherer Lage

Die zweite Umfrage des ZDH folgte vom 2. bis 5. April 2020. Nur leicht anders haben die 2.750 Befragten ihre wirtschaftliche Situation für diese Zeitspanne bewertet: Der Umsatz hat sich nicht weiter gravierend verschlechtert – doch bleiben große Herausforderungen für zahlreiche Handwerksbetriebe nach eigener Wahrnehmung bestehen.

Da die Auftragslage weiter niedrig geblieben ist, haben sich die meisten Gewerke um betriebsinterne Strukturen und ihre geschäftlichen Finanzen gekümmert. Eine wichtige Rolle stellt bis dato das Kurzarbeitergeld für die eigene Belegschaft dar, um kurzfristige Kündigungen zu vermeiden. Nahezu 20 Prozent der antwortenden Handwerksfirmen gaben jedoch an, auf Überbrückungsdarlehen, Zuschüsse und andere Liquiditätshilfen nicht direkt zugreifen zu können. Das ist alarmierend!

Auch Anfang April haben im Gesamthandwerk noch fast 30 Prozent aller Mitarbeiter durch Krankheit oder Kinderbetreuung gefehlt. Besonders schwer betroffen hiervon waren KfZ-Gewerke. 41 Prozent von ihnen gaben einen spürbaren Personalmangel an. Hinzu kommt: Noch immer sind Lieferketten unterbrochen oder von Rückstau betroffen. 

Hoffnung: Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage

Die dritte Umfrage folgte zwischen 22. und 24. April 2020, die unter 2.704 Betrieben durchgeführt wurde. Für nahezu alle Beschäftigten ist es zu massiven Einschränkungen im Frühjahr 2020 gekommen – von der Schreinerin über den Bauarbeiter bis zum Elektroinstallateur. Die übermittelten Angaben der Handwerksfirmen von Mitte April lassen nun allerdings etwas hoffen. 

Zum Ende des Monats April haben 68 Prozent der Betriebe von coronabedingten Umsatzrückgängen berichtet – in der Befragung zuvor waren es noch 74 Prozent. Ganz ähnlich sieht es inzwischen beim Personal aus: Fielen wenigen Wochen zuvor noch mehr als ein Drittel aller Mitarbeiter aus, sind es jetzt nur noch 28 Prozent. Eine Minderheit von acht Prozent der Firmen plante Entlassungen oder zeitweilige Betriebsschließungen.

Wichtig zu wissen: In den Auswertungen der dritten Online-Befragung können die möglichen Auswirkungen durch Lockerungen im Einzelhandel wie auch weitere finanzielle Hilfen für die Wirtschaft noch nicht abgebildet werden.

Der klare Appell in Richtung Staat: Ein Großteil der befragten Handwerksvertreter wünschen sich umfangreiche, nicht rückzahlbare Zuschüsse. Es bleibt zu hoffen, dass diese bald folgen – und die Gesamtwirtschaft zeitnah wieder hochfährt.

Kai

Als freier Texter mit Fokus auf Website-Kommunikation und Online-Magazine unterstützt Kai Unternehmen aus Berlin und ganz Deutschland.

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