Schutzhandschuhe für jedes Handwerk: Worauf du achten musst

31. August 2022

Gerade im Handwerk und im Baugewerbe sind die Hände bei der Arbeit mit vielen verschiedenen Materialien und Werkzeugen mechanischen, chemischen und auch thermischen Reizen ausgesetzt. Um sie zu schützen, gibt es für jeden Arbeitseinsatz passende Schutzhandschuhe. Lies hier, worauf du bei der Wahl der Schutzausrüstung achten musst.

Ob beim Schweißen, bei der Montage oder beim Löten, ob durch raue Materialien, scharfkantige Gegenstände oder Gefahrenstoffe – die Hände sind im Arbeitsalltag einer Vielzahl an Beanspruchungen ausgesetzt. Auch Unfälle, die aufgrund von Zeitdruck, Ablenkung, mangelndem Schutz und einer falschen Handhabung von Arbeitsgeräten geschehen, gefährden insbesondere die Hände bei der täglichen Arbeit. Laut Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen, erhoben  im Jahr 2020 durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), sind ein Drittel aller Arbeitsunfallverletzungen tatsächlich Handverletzungen. Dazu zählen Hautreizungen, kleine und große Verletzungen, Hauterkrankungen, Gefühlsstörungen und Bewegungseinschränkungen. Auch Lähmungen können als Folge von Reizen auftreten.

Umso wichtiger ist der richtige Schutz, und der muss je nach Arbeitseinsatz bestimmte Vorgaben erfüllen. Hilfreich sind hier die verschiedenen Klassifizierungen und Kennzeichnungen von Arbeitshandschuhen. Erfahre im folgenden Überblick, auf welche konkreten Schutzfunktionen beziehungsweise Kennzeichnungen du je nach Handwerk und Tätigkeit achten solltest.

Welche Anforderungen an Schutzhandschuhe gibt es?

– Handelsmarke / Hersteller

– Artikelbezeichnung

– Größenbezeichnung

– CE-Kennzeichnung (Sie bestätigt, dass das Produkt den grundsätzlichen Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der EU-Richtlinien entspricht)

– Piktogramm (ab CE-Kategorie II)

– falls erforderlich: Angabe zum Verfallsdatum

– Prüfnorm

Eingeteilt sind die Produkte zudem in drei Kategorien. Mit der jeweiligen Kategorie zeigen die Hersteller auf, welchen Anforderungen die Handschuhe als persönliche Schutzausrüstung (PSA) gerecht werden. Dabei gilt: Je stärker die Gefährdung ist, desto höher die Anforderungen an den Handschuh. Jeder Arbeitsplatz und jede Tätigkeit sind schließlich mit verschiedenen Risiken und Gefahren verbunden. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Anforderungen, die ein Schutzhandschuh erfüllen muss:

Schutzkategorien Schutzwirkung Anwendungsbeispiele
Kategorie I Schutz vor geringen Risiken Reinigungstätigkeiten mit milden Reinigungsmitteln und kurzfristigem Kontakt mit Wasser, Reparaturarbeiten, für Handhabung mit warmen Gegenständen bis zu 50 °C
Kategorie II Schutz vor mittleren Risiken Alle Tätigkeiten, die nicht in Kategorie I oder III fallen
Kategorie III Schutz vor hohen Risiken (irreversible Schäden und tödliche Gefahren) Tätigkeiten mit Chemikalien, Elektrizität oder bei extremen Temperaturen von über 100 °C

Kennzeichnung durch Piktogramme

Einen wichtigen Hinweis auf den Schutz der Arbeitshandschuhe geben Piktogramme. Vorausgesetzt, die Handschuhe erfüllen die Mindestanforderungen der entsprechenden spezifischen Norm, müssen diese vom Hersteller gut sichtbar auf der Verpackung platziert werden. Erfüllen die Handschuhe mehrere Normen, müssen alle relevanten Piktogramme angegeben werden. Ziffern beziehungsweise Buchstaben unterhalb der Piktogramme stehen für die Leistungsstufen, die das Produkt erfüllt. Ein x statt Zahl bedeutet, dass der Handschuh sich für die jeweilige Anwendung nicht eignet. Ein i wiederum bedeutet, dass ergänzende Informationen nachgelesen werden müssen.

Welcher Schutzhandschuh für welche Tätigkeit?

Es gibt verschiedene Arten von Schutzhandschuhen, die entsprechend dem am Arbeitsplatz bestehenden Risiko für den/die Mitarbeiter*in auszuwählen sind. Denn: Je nach Arbeitsvorgang können Handschuhe zum Beispiel gegen Schnitte, Chemie, Kälte oder auch Hitze schützen. Dies sind die verschiedenen Schutzhandschuh-Arten:

Handschuhe für mechanischen Schutz: DIN EN 388

Besonders häufig nachgefragt sind Schnittschutz-, Mechanik- und Montagehandschuhe, die der Norm DIN EN 388 entsprechen. Sie bieten eine Abrieb-, Schnitt-, Reiß- und Stichfestigkeit und schützen beim Umgang mit Maschinen und Bauteilen vor Quetschungen, Einstichen sowie Schnitt- und Schürfwunden. Für die verschiedenen Modelle gilt: Wie wirksam die jeweilige Schutzfunktion bei einem Handschuh ist, lässt sich an den Ziffern unter dem Piktogramm ablesen, das auf den Handschuh oder die Verpackung gedruckt ist. Die erste Ziffer bezeichnet dabei die Abriebfestigkeit, die zweite Ziffer die Schnittfestigkeit, die dritte Ziffer die Reißfestigkeit und die vierte Ziffer die Stichfestigkeit. Je höher die Zahl der Kategorie, desto widerstandsfähiger ist der Arbeitshandschuh.

Handschuhe für den Chemikalienschutz: DIN EN 374

Auch Arbeitsunfälle im Umgang mit chemischen Substanzen sind keine Seltenheit. Bei direktem Kontakt mit der Haut drohen Verbrennungen, Irritationen und Vergiftungen. Spezielle Chemikalienschutzhandschuhe zeichnen sich daher dadurch aus, dass sie undurchlässig für Flüssigkeiten und Luft sind. Nach der Norm EN 374 werden hier drei verschiedene Handschuhkategorien unterschieden: Handschuhe bei einfachem Chemikalienschutz, Handschuhe zum Schutz gegen bestimmte Chemikalien und Schutzhandschuhe, die beständig gegenüber Mikroorganismen sind.

Bei Handschuhen zum Schutz gegen bestimmte Chemikalien gilt: Buchstabenreihen unterhalb des Piktogramms zeigen an, gegen welche Chemikalien der Schutz besteht.

A = Methanol

G = Diethylamin

B = Aceton

H = Tetrahydrofuran

C = Acetonitril

I = Ethylacetat

D = Dichlormethan

J = n-Heptan

E = Schwefelkohlenwasserstoff

K = Natriumhydroxid 40 Prozent

F = Toluol

L = Schwefelsäure 96 Prozent

Bezifferte Klassen wiederum geben an, wie lange der Schutz besteht. Je höher die Ziffer, desto länger der Schutz. Klasse 4 steht z.B. für 120 Minuten Schutzfunktion.

Handschuhe für den Hitzeschutz: DIN EN 407

Ob Kontakthitze, Strahlungshitze oder Spritzer aus schmelzendem Metall – spezielle Thermohandschuhe nach DIN EN 407 sind feuerbeständig und schützen die Hände vor Hitze als Gefahrenquelle. Auch hier geben Ziffern unterhalb des Piktogramms Aufschluss über die konkreten Schutzfunktionen der Schutzhandschuhe. Je höher die Ziffer, desto höher auch der jeweilige Schutz. Die verschiedenen Ziffern in der Zahlenfolge geben dabei diese Schutzfunktionen an:

1. Ziffer = große Mengen flüssigen Metalls

2. Ziffer = kleine Spritzer geschmolzenen Metalls

3. Ziffer = Strahlungswärme

4. Ziffer = Konvektive Hitze

5. Ziffer = Kontaktwärme

6. Ziffer = Brennverhalten

Handschuhe für den Kälteschutz: DIN EN 511

Thermohandschuhe nach DIN EN 511 schützen die Hände beim Arbeitseinsatz gegen durchdringende Kälte, Kontaktkälte und eindringende Nässe. Je nach Höhe der Schutzfunktion sind auch diese mit verschiedenen Kategorien versehen, die unterhalb des Piktogramms aufgedruckt sind.

Schweißerhandschuhe: DIN EN 12477

Auch für den Schutz bei Schweißerarbeiten sind spezielle Handschuhe erhältlich. Du findest sie in der Ausführung A mit geringer Fingerfertigkeit und in der Ausführung B mit hoher Fingerfertigkeit.

Handschuhe für elektrischen Schutz: DIN EN 60903

Isolierende Schutzhandschuhe aus zum Beispiel Naturkautschuk bieten elektrischen Schutz vor Stromschlägen oder Lichtbogenexplosionen.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerker*innen Antworten auf viele Fragen geben.

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