restado: Baustoffe verwenden statt verschwenden

7. Oktober 2020

Die Baubranche verantwortet 60 Prozent des Abfallaufkommens. Damit ist sie mit Abstand der größte Umweltverschmutzer der Welt. Das Wiederverwenden von Baustoffen ist ein wichtiger Baustein, um das zu ändern. Allein ein Drittel des Abfallaufkommens könnte eingespart werden. restado.de macht es möglich.

Die Rohstoffe unseres Planeten sind begrenzt. Dennoch hat sich im letzten Jahrhundert eine Make-Take-Waste-Mentalität etabliert: Wir zapfen die Ressourcen an, um Güter herzustellen, die wir verwenden – meist nur ein einziges Mal – und dann entsorgen. Dadurch wird nicht nur die Ressource an sich verschwendet, sondern auch eine Menge Energie, die für die Herstellung und Beseitigung von Gütern aufgebracht werden muss.

Mit restado Kreilaufwirtschaft realisieren

Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist die Kreislaufwirtschaft. Durch das Recycling und die Wiedernutzung von Gütern sinkt das Energieaufkommen und damit der CO2-Ausstoß. Der Begriff Kreislaufwirtschaft wird in Deutschland meist mit Recycling gleichgesetzt. Doch dahinter steckt mehr. »Circular Economy bedeutet für uns, dass Produkte und Stoffe so lange wie möglich in ihrem System gehalten werden, um deren Lebenszyklus zu verlängern«, erklärt Dominik Campanella, Geschäftsführer von restado. Er sieht in Deutschland noch große Potentiale für die Kreislaufwirtschaft, insbesondere in der Baubranche. Mit restado möchte er einen Teil dazu leisten.

INTERVIEW

»Der Wille im Handwerk ist da«

Mit drei weiteren Mitstreitern rief Dominik Campanella 2017 die Internetplattform restado.de für die Wiedernutzung von Baustoffen ins Leben. Seitdem ist restado.de stetig gewachsen: 600.000 Baustoffe sind aktuell verfügbar. Mehrere tausend Verkäufer sind aktiv.

Wie stark hat sich die Kreislaufwirtschaft bereits in der Baubranche etabliert?

DC: In der deutschen Baubranche existieren bisher nahezu keine geschlossenen Materialkreisläufe, im Sinne einer echten Kreislaufwirtschaft. Zwar gibt es ambitionierte Recyclingziele von 70 Prozent, welche offiziell auch erreicht werden. Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man, dass der Schutt von Baustellen einfach als Unterbau für den Bau von Straßen benutzt wird. Das ist unserer Meinung nach kein echtes Recycling, sondern eher Downcycling. Eine echte Wiedernutzung findet aktuell nahezu nicht statt. Trotzdem gibt es einige Akteure, zum Beispiel die Bauteilbörsen, die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und einige Architekturbüros, die sich immer stärker auf die Wiedernutzung von Baustoffen fokussieren.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

DC: Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es auch anders geht: Die Niederlande, Belgien, Großbritannien und nordische Länder haben ambitionierte Projekte. Beispielsweise ist es in diesen Ländern verpflichtend, einen sogenannten Pre-Demolition-Audit beim Rückbau von Gebäuden durchzuführen. Bei diesem wird das Gebäude inspiziert und dabei geprüft, ob Materialien wieder genutzt werden können. In Deutschland existiert dies nicht. Wir tauschen uns intensiv mit den Akteuren in anderen Ländern aus, um die Erkenntnisse auch nach Deutschland zu bringen und den Vorsprung aufzuholen.

In der deutschen Baubranche existieren bisher nahezu keine geschlossenen Materialkreisläufe. Zwar gibt es ambitionierte Recyclingziele von 70 Prozent, welche offiziell auch erreicht werden. Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man, dass der Schutt von Baustellen einfach als Unterbau für den Bau von Straßen benutzt wird. Das ist unserer Meinung nach eher Downcycling.

Dominik Campanella, Gründer von restado

Welchen Beitrag leistet restado für die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche?

DC: restado.de ist ein Marktplatz, auf dem man Baustoffe, die auf Baustellen übrigbleiben, oder aus dem Rückbau stammen, kaufen und verkaufen kann. Dabei erhalten Verkäufer Geld für Baustoffe, die sie sonst kostenpflichtig entsorgen müssten, und Verkäufer können Baustoffe bis zu 70 Prozent günstiger erwerben. Mit diesem Konzept sind wir der größte Markplatz für wiederverwendbare Baustoffe in Deutschland und bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Welche Baustoffe finden Handwerker bei restado?

DC: restado ist nach Gewerken organisiert und bietet alle gängigen Baustoffe zum jeweiligen Gewerk. Interessierte finden vor allem eine große Auswahl an Ziegeln, Steine, Holz, Türen, Fenster und Fliesen. Aber auch übriges Dämmmaterial sowie Baustoffe im Bereich der Haustechnik und Sanitär sind zu finden.

Wie kommt euer Angebot im Handwerk und der Baubranche an?

DC: Ich sag mal so: Mit den Jahren immer besser. Dass Ressourcen knapp sind und nachhaltig mit ihnen umgegangen werden muss, ist ein Gedanke, der vielen Handwerkern zunehmend wichtiger wird. Eine wichtige Rolle hierbei spielt auch die Gesetzgebung. Zum Beispiel müssen Auftraggeber der öffentlichen Hand bereits nachweisen, dass sie zu einem bestimmten Anteil wiederverwendete Rohstoffe nutzen. Der Wille im Handwerk ist also da. Jetzt geht es darum, eine gute, praktikable Lösung zu finden für die Wiederverwendung von Baustoffen. Diese bietet restado.

Vielen Dank für das Gespräch.

Isabelle

Handwerkern auf die Finger und über die Schulter schauen: Ich interessiere mich vor allem für spannende Geschichten aus der Praxis.

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2 Kommentare

  1. Daniel Dürer

    Vielen Dank für Ihren informativen Beitrag zur Wiederverwendung von Baumaterialien. Mein Vater besitzt ein Bauunternehmen und da die Baubranche zu den größten Umweltverschmutzern zählt, möchte er einen Beitrag leisten, um das Klima zu schützen. Es ist gut zu wissen und ich werde ihm weiterleiten, dass Baustoffe, die auf Baustellen übrigbleiben, oder aus dem Rückbau stammen, gekauft und verkaufen werden können.

    Antworten
    • Isabelle

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      restado bietet für die Baubranche eine wirklich interessante Alternative.
      Berichten Sie uns gern von Ihren Erfahrungen.
      Frohes Schaffen!

      Antworten

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