STIER Zangen-Herstellung

9. November 2017

An Profi-Zangen werden hohe Anforderungen gestellt. Genauigkeit wird vorausgesetzt, ebenso wie hohe Zuverlässigkeit und eine lange Haltbarkeit – selbst beim täglichen und intensiven Einsatz. Wie werden die hochwertigen Werkzeuge eigentlich hergestellt? Dieser Frage ist HAND DRAUF nachgegangen und hat die Zangen-Fertigung der Profi-Marke STIER besucht.

In der Fertigungshalle ist es heiß und in regelmäßigen Abständen ist ein lautes Knallen zu vernehmen. Das liegt am Produktionsverfahren, mit dem hier aus Stahl-Stücken Zangenteile geformt werden. Schraubenschlüssel, Zangen und andere Werkzeuge, die hohe Festigkeitsansprüche erfüllen müssen, werden im Gesenkschmiedeverfahren hergestellt. In Grundzügen ist diese Fertigungsart schon seit über 3500 Jahren im Einsatz. Damals wurde das Werkstück in ein Untergesenk gelegt und mit einem Hammer in Form geschlagen.

Zangenteile

Einzelne Zangenteile

Es begann in Großbritannien

Die ersten Geschenkschmieden im heutigen Sinne entstanden im Laufe der Industrialisierung in Großbritannien. Erst Dampfmaschinen machten das Anheben des enormen Gewichts der Schmiedehammer praktikabel.

2017 schlägt der Hammer der Maschine mit einem Gewicht von 60 Tonnen auf den 1.200 GRad heißen Stahlrohling. 60 Tonnen – das entspricht in etwa 60 VW Polo. Eine derart große Kraft wird benötigt, um aus dem zuvor abgelängten und erhitzen Stück Stahl in wenigen Schlägen einen Teil der STIER Kombizange zu formen. Ein Arbeiter in der Fabrikhalle positioniert das rotglühende Stück Stahl mit einer Greifzange auf dem Untergesenk.

In Unter- und Obergesenk ist jeweils die Form des zu schmiedenden Werkstückes als Negativ eingelassen. Schlägt der Schmiedehammer auf den Rohling, verformt dieser sich entsprechend der negativen Formen oben und unten. Es entsteht ein Positiv – das Zangenteil. Das Bauteil ist nach dem Schmieden noch umrandet von überschüssigem Material, aus dem es herausgestanzt wird.

Gesenkschmiedeverfahren

Schematische Darstellung des Gesenkschmiedeverfahrens

Am Ende ist Handarbeit gefragt

An dieser Stelle ist es in der Zangen-Produktion mit den großen Maschinen vorbei. Handarbeit ist angesagt. Mit viel Erfahrung und Augenmaß werden die ausgestanzten Teile in ihre finale Form gefräst und geschliffen. Es benötigt einigen Funkenflug, prüfende Blicke und erneutes Ansetzen bis Arbeiter Luigi mit dem Ergebnis zufrieden ist. Vor 40 Jahren kam er als Gastarbeiter nach Deutschland und heuerte in der Werkzeugproduktion an, wo er bis heute tätig ist. Perfektion und Schönheit des Endprodukts sind für den gebürtigen Italiener eine Selbstverständlichkeit.

Für die Zangen ist die Reise noch nicht vorüber. Erst durch Wärmebehandlung und galvanische Oberflächenvergütung erhalten sie ihre letztendlichen Eigenschaften, die die STIER Zange endgültig zum Profi-Werkzeug machen.

Isabelle

Handwerkern auf die Finger und über die Schulter schauen: Ich interessiere mich vor allem für spannende Geschichten aus der Praxis.

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