Wir brauchen Meister statt Master! – Kolumne von Richard Schwenke

Abi für alle und überfüllte Hörsäle. Gähnende Leere hingegen auf den Berufsschulen. Schulabgänger wandern in Massen an die Hochschulen. Die Folge: ein mittlerweile eklatantes Nachwuchsproblem im Handwerk. Jetzt muss die Politik handeln!

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Hohe Bildung für jeden – das klingt erst mal gut, doch die Akademisierung führt zu Problemen. Immer weniger Schulabgänger interessieren sich für eine Ausbildung, noch weniger für eine handwerkliche. Jedes Jahr bleiben abertausende Ausbildungsstellen unbesetzt. Gut ein Drittel der Industrie- und Handwerksunternehmen finden keine Auszubildenden für ihre ausgeschriebenen Stellen. Die Auswirkungen sind deutlich spürbar. Schon heute bleiben Privatleute, Unternehmen und Kommunen auf ihren Aufträgen sitzen. Die Situation wird sich noch weiter verschärfen, wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht. Akademikermassen, die wochenlang auf einen der wenigen verbliebenen Handwerker warten – wollen wir so eine Zukunft?

Ich glaube nicht. Damit sich etwas ändert, muss ein Umdenken stattfinden. Handwerkliche Ausbildungen müssen an Attraktivität gewinnen. Dafür sehe ich zwei Lösungsansätze: finanzielle Gleichstellung zur akademischen Ausbildung und eine höhere Sichtbarkeit im schulischen Kontext. Zum einen wird Schülern in der Schule zu viel vom Studium versprochen, gleichzeitig wirbt niemand für eine Ausbildung im Handwerk oder zeigt die vielversprechenden Perspektiven, die sie bieten. Die handwerkliche Ausbildung wird in vielen Schulen komplett ausgeblendet. Lehrer sollten dafür sensibilisiert werden.

Gleichzeitig steht die Politik in der Pflicht: Die Förderung der handwerklichen Ausbildung muss einen ebenso hohen Stellenwert erhalten wie der akademischen Bildung. Hans-Peter Wollseifer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks bringt es auf den Punkt: Die Begabtenförderung im Handwerk werde mit gerade mal 50 Millionen Euro unterstützt, während die Begabtenförderung akademischer Berufe 270 Millionen Euro erhalte. Hinzu kommen der Hochschulpakt und die Exzellenzinitiative. Es herrscht ein Ungleichgewicht, das unbedingt korrigiert werden muss. Subventionierung von höheren Lehrgehältern oder der Meisterprüfung sind finanzielle Anreize, die infrage kommen.

Dass Politik und Bildungssystem hier momentan keinen Königsweg gehen, zeigt die Abbruchrate: Aktuell bricht fast jeder dritte Studierende das Studium ab. Schaffen Sie es doch, haben sie mit mittelmäßigen Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt das Nachsehen. Hinzu kommt, dass der Bildungsweg eines Akademikers dem Staat sehr viel mehr Geld kostet als der Bildungsweg eines Lehrlings. Mehr junge Menschen zu einer Ausbildung im Handwerk zu bewegen, würde sich also doppelt lohnen.

Kolumne von Richard Schwenke, Gründer & Geschäftsführer von Contorion

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