Unternehmensnachfolge: Bleibt es in der Familie?

200.000 Inhaber von Handwerksunternehmen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Was dann mit dem Betrieb passiert, ist bei vielen noch völlig unklar. Sie stehen vor der Herausforderung, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Doch: Wann anfangen, wie suchen, wen fragen? Wir helfen weiter.

Wenn der Leiter eines Handwerksunternehmens nach Jahrzehnten seinen Hut nimmt und zum letzten Mal die Tür hinter sich zuzieht, ist das ein sehr emotionaler Abschied. Er lässt nicht einfach nur eine Firma, sondern sein Lebenswerk zurück. Kein Wunder also, dass viele Unternehmer nur sehr widerwillig an ihren Abschied denken. Ebenso wenige kümmern sich rechtzeitig um einen guten Nachfolger, damit der Betrieb erfolgreich weitergeführt wird.

Zudem ist es gar nicht so einfach, in Zeiten von Fachkräfte- und Nachwuchsmangel geeignete Kandidaten zu finden. Jahrhundertelang war es außerdem Brauch, den Betrieb an den Sohn oder einen anderen Familienangehörigen weiterzugeben. Doch Söhne und Töchter von Handwerksunternehmern haben heutzutage häufig andere Pläne. Die Suche nach dem richtigen Nachfolger ist also knifflig.

Wann Unternehmensnachfolge vorbereiten?

Industrie- und Handwerkskammern (IHK) empfehlen die Sensibilisierung und Planung für die Nachfolge ab dem 55. Lebensjahr anzugehen. Bedenke: Ist der Richtige endlich gefunden, ist es damit nicht getan. Für die Einarbeitung, die allmähliche Übertragung der Verantwortung sowie die Einbindung von Mitarbeitern und Lieferanten muss genügend Zeit eingeplant sein.

Nachfolge: Diese Möglichkeiten gibt es

Innerhalb der Familie

Die Firma bleibt in der Familie – laut Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wünscht sich das in kleinen und mittleren Betrieben mehr als die Hälfte der Unternehmer (52 Prozent). Ein Selbstläufer ist die Familiennachfolge jedoch nicht. Fingerspitzengefühl ist gefragt. Denn in Unternehmerfamilien kann der Nachfolgeprozess starke Auswirkungen auf die gesamte Familie haben. Sprich über deine Erwartungen, Ängste und Wünsche. Und sei immer ehrlich: Besitzt der Nachkomme wirklich die Fähigkeiten und Kompetenzen eines Unternehmers oder sollte, auch wenn es schwerfällt, doch lieber ein Externer in Betracht gezogen werden?Die Nachfolge innerhalb der Familie kann über verschiedene Wege geschehen. Am geläufigsten sind Schenkung, Verkauf oder Übertragung des Unternehmens gegen wiederkehrende Leistungen, zum Beispiel Rente.

Innerhalb des Betriebs

Auch innerhalb des Betriebs können Personen für die Übernahme der Geschäftsführung infragekommen – hier sollten Unternehmer insbesondere unter den Führungskräften und leitenden Mitarbeitern nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten. Der Vorteil einer unternehmensinternen Nachfolge ist, dass der künftige Eigentümer das Unternehmen und seine Eigenheiten schon kennt und die Firma möglicherweise schon seit vielen Jahren begleitet.

Außerhalb des Betriebs

Unternehmer, die bereits in derselben Branche tätig sind, wollen sich vielleicht durch die Übernahme des Unternehmens vergrößern. Nutze Nachfolgebörsen, um einen Betriebsnachfolger zu finden, der sich nicht im direkten Umfeld befindet. Bekannt sind zum Beispiel nexxt-change.org und dub.de. Die Handwerkskammern bieten auf ihren Webseiten ebenfalls regionale Nachfolgebörsen.

Von Anfang an Nachfolge planen – Interview

Um sich über Unternehmensübernahme bzw. -übergabe zu informieren, ist nachfolge-in-deutschland.de eine gute Adresse. Verantwortlich für die Webseite ist Prof. Dr. Birgit Felden. Sie und ihr Team haben sich einiges einfallen lassen, um die Infos verständlich und übersichtlich darzustellen. Wir sprachen mit ihr über die Tücken der Unternehmensnachfolge.

Frau Felden, wie lautet Ihr wichtigster Ratschlag an Eigentümer von kleinen Handwerksunternehmen, die nach einem Nachfolger suchen?

Birgit Felden: Früh anfangen! Und damit meine ich wirklich früh. Denn jeder Existenzgründer braucht einen Notfallplan – und zwar von Anfang an. Es kann immer etwas Unvorhersehbares geschehen, wodurch das Unternehmen ad hoc von jemand anderem weitergeführt werden muss. Für die »normale« Nachfolge empfehle ich, mindestens drei bis fünf Jahre im Voraus anzufangen. Es ist immer noch so, dass sehr viele Unternehmer einfach zu lange warten. Dass Unternehmer mit 75 beginnen, ihre Nachfolge zu planen, ist nicht selten. Das ist schade, denn je früher man beginnt, desto mehr Möglichkeiten stehen einem offen. Je später der Unternehmer beginnt, sich um die Nachfolge Gedanken zu machen, desto eingeschränkter ist er.

Prof. Dr. Birgit Felden, Professorin für Management KMU und Unternehmensnachfolge, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Sie haben in einem anderen Interview gesagt, dass Unternehmer Management-Themen vernachlässigen. Was meinen Sie damit?

BF: Viele Unternehmer machen den zweiten Schritt vor dem ersten. Sie fragen sich: Wie kann ich möglichst viel Steuern bei der Übergabe sparen? Auf welche Art und Weise zahlt sich eine Übernahme finanziell für mich aus? Im ersten Schritt sind aber ganz andere Fragen wichtig, und diese betreffen typische Management-Themen. Möchte ich den Standort erhalten? Möchte ich Mitarbeiter halten? Bringt der Nachfolger die notwendigen Kompetenzen als Unternehmer mit? Habe ich ein solides Konzept, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen? Bevor ich mir Gedanken um die steuerliche Optimierung einer Übertragung mache, sollte ich diese Fragen beantwortet haben.

Die Suche nach einem Unternehmensnachfolger ist häufig von starken Emotionen begleitet. Sind Emotionen hilfreich?

BF: Ich kann nicht sagen, dass Emotionen per se schlecht oder gut sind. Emotionen können einen großen Nutzen haben. Sie setzen Ressourcen frei, motivieren und machen auf schlummernde Probleme aufmerksam. Emotionen sind ein gutes Zeichen dafür, dass die involvierten Personen miteinander sprechen müssen. Und hier kommen wir auch zur Lösung der meisten Probleme: Kommunikation. Gefühle müssen kommuniziert werden. Passiert das nicht, können Unternehmen und Unternehmerfamilien daran zugrunde gehen bzw. entzweien.

Welche Ziele verfolgen Sie und Ihr Projektteam mit nachfolge-in-deutschland.de?

BF: Unser Ziel ist es, das eher trockene Thema so sexy darzustellen, dass auch junge Menschen Lust auf eine Übernahme bekommen. Wissen vermitteln, Barrieren abbauen und alle Informationen so aufbereiten, dass auch Menschen, die kein BWL studiert haben, sie verstehen. Dazu haben wir einige Tools entwickelt – zum
Beispiel den nachfolg-o-mat. Unsere Zielgruppe sind insbesondere kleine und mittelgroße Betriebe.

Du planst die Übernahme oder Übergabe eines Handwerkbetriebs?

Schaue hier für Infos und Tipps: nachfolge-in-deutschland.de

»Ich verfolge diesen Plan seit zehn Jahren « – Erfahrungsbericht

Hendrik Helms, 27 und Geschäftsführer der Leka Bau und Planungs GmbH

Hendrik Helms ist 27 und Chef eines Zehn-Mann-Betriebs. Zum Jahresbeginn 2019 übernahm er von seinem Onkel die Leka Bau und Planungs GmbH, ein gut gehendes Handwerksunternehmen im Bereich Hochbau. Das Resümee von Hendrik nach sechs Monaten.
»Den Handwerksbetrieb habe ich von meinem Onkel übernommen, der ihn im Jahr 1994 gegründet hat. Seit ich mit 14 zum ersten Mal mit auf die Baustelle gegangen bin, habe ich das Unternehmen kontinuierlich begleitet. Ausbildung, Meisterschule, das BWL-Studium: Bei allen Ausbildungsschritten habe ich hier gearbeitet, immer als »gewöhnlicher« Angestellter auf den Baustellen. Zuletzt, die vergangenen 1,5 Jahre vor der Übernahme, habe ich den Betrieb mit meinem Onkel gemeinsam geführt und ihn schließlich rausgekauft.

Von ihm war es am Ende ein großer Wunsch, die bürokratischen und organisatorischen Aspekte seiner Arbeit endlich abgeben zu können, um wieder auf der Baustelle zu sein. Hätte ich den Betrieb nicht übernommen, hätte er den Betrieb wahrscheinlich auf zwei, drei Personen reduziert und wäre nur noch mit ihnen auf Baustellen gefahren. Heute arbeitet mein Onkel nach wie vor im Betrieb und betreut unsere Fliesenprojekte vor Ort.

Ich kannte die Firma vor der Übernahme schon sehr gut, doch die genauen Zahlen kannte ich bis zum Schluss nicht. Klar, einzelne Baustellen hatte ich schon abgerechnet, aber in das große Ganze bekam ich erst kurz vor dem Kauf einen Einblick. In diesen Bereich ließ sich mein Onkel nicht in die Karten schauen, was ich jetzt als Geschäftsführer absolut nachvollziehen kann.

Die Übernahme bereue ich auf keinen Fall. Ich verfolge diesen Plan seit zehn Jahren, hatte ihn trotz vieler Umwege immer im Visier. Und jetzt habe ich es endlich geschafft. Das finde ich natürlich super.«

Drei Tipps für künftige Unternehmer

Du planst, einen Betrieb zu übernehmen? Darauf solltest du achten!
Hendrik teilt seine wichtigsten Ratschläge:

1. Wisse, was du tust

Blauäugigkeit und Gedanken wie »Das wird schon irgendwie« haben bei der Übernahme von Betrieben nichts zu suchen. Ich beobachte, dass viele zu jung und unerfahren sind, um für den Betriebsalltag gewappnet zu sein. Das betrifft besonders alles, was abseits des eigentlichen Handwerks passiert, also Bürokratie, Finanzen und Organisation.

2. Nimm Freizeit nicht zu wichtig

Jeder, der einen Betrieb führen möchte, sollte sich bewusst machen, dass er Freizeit für eine lange Zeit hintanstellen muss. Du hast einfach nie frei. Selbst an einem vermeintlich freien Tag kreisen die Gedanken immer um den Betrieb und das musst du aushalten können. Drei Jahre nach der Übernahme wird es hoffentlich entspannter.

3. BWL-Wissen aneignen

Je größer der Betrieb und je höher die Anzahl der Subunternehmen, mit denen du zusammenarbeitest, desto wichtiger ist BWL-Wissen. Wie man es sich aneignet, muss jeder selbst entscheiden. Mir hat ein BWL-Studium sehr geholfen. Doch sei dir bewusst: Die ersten Schritte in Betriebsführung lernst du in einer Ausbildung oder einem Studium. Den Rest musst du dir in der Praxis selbst aneignen.

 

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