Schutzhelme für die Baustelle

Über 40 Prozent aller tödlichen Unfälle am Bau sprechen für sich: Wer bei der Arbeit auf der Baustelle auf einen geeigneten Kopfschutz verzichtet, riskiert schwerste bis tödliche Kopfverletzungen. Durch einen passenden Schutzhelm hätten viele dieser Unfälle vermieden werden können.

Eine optimale Schutzwirkung haben Schutzhelme jedoch nur dann, wenn sie den Anforderungen der Tätigkeit gerecht werden, sich in einwandfreiem Zustand befinden und richtig getragen werden. Wir geben Antworten auf die Fragen, wann Schutzhelme getragen werden müssen, welche Helmarten sich für welchen Arbeitseinsatz eignen und wie lange Helme eingesetzt werden dürfen. Unsere übersichtliche Infografik mit allen wichtigen Fakten kannst du dir gratis Downloaden.

 

 

1. Helmpflicht: Wann muss ein Schutzhelm getragen werden?

Das Tragen von Schutzhelmen ist für den gewerblichen Einsatz bei allen Kopf gefährdenden Tätigkeiten in der DGUV Regel 112-193 – Benutzung von Kopfschutz vorgeschrieben. Dabei sind Arbeitseinsätze gemeint, bei denen mit Kopfverletzungen durch Anstoßen des Kopfes oder pendelnde, herabfallende, umfallende sowie wegfliegende Gegenstände gerechnet werden muss. Das ist beispielsweise in der Nähe von Kränen, Materialaufbereitungsanlagen oder auf Baugerüsten der Fall.

Als Arbeitgeber bist du dazu verpflichtet, deinen Mitarbeitern Schutzhelme zur Verfügung zu stellen.
Dies trifft u. a. für die folgenden Tätigkeiten zu:

  • Hoch-, Tief- und Straßenbauarbeiten
  • Abbruch- und Umbauarbeiten
  • Montagearbeiten im Maschinen-, Stahl- und Holzbau
  • Arbeiten im Bereich von Kränen, Aufzügen oder Fördermitteln
  • Rohrleitungsarbeiten und Kanalarbeiten
  • Arbeiten über Kopf

 

2. Helmarten: Welcher Schutzhelm ist wofür geeignet?

Für die Arbeit auf Baustellen können je nach Gefährdungsbeurteilung des jeweiligen Arbeitsplatzes drei Arten von Schutzhelmen zum Einsatz kommen. Sie sind nach den DIN-Normen EN 397, EN 14052 und 12492 zertifiziert.

EN 397 EN 14052 EN 12492
Mechanische Stöße x x x
Erhöhter Dämpfschutz und Durchdringungsfestigkeit x
Elektrische Risiken x x
Strangulation (reduziertes Risiko) x x
Flüssige Metallspritzer x x
Seitliche Verformung x x
Niedrige Temperaturen x x
Zusätzliche Belüftung x
Zusätzliche Schutzeinrichtungen x
Verlust des Helms (reduziertes Risiko) x

Infografik Unsere Infografik „Schutzhelme für den Bau“ zum kostenlosen Download

2.1 Schutzhelme nach EN 397

Schutzhelm nach EN 397 Industrieschutzhelme nach EN 397 zählen zu den gängigsten Schutzhelmen für Bau und produzierendes Gewerbe. Sie erfüllen die Grundanforderungen an Stoßdämpfung, Durchdringungsfestigkeit und Brennverhalten und bieten einen ausreichenden Schutz für die meisten Arbeiten auf Baustellen. Ist eine besonders hohe Seitenstabilität gefragt oder wird der Helm bei Heißarbeiten eingesetzt? Die Gefährdungsanalyse gibt Aufschluss darüber, ob ein Helm nach DIN EN 397 die richtige Wahl ist.

Sind die Industrieschutzhelme nach EN 397 mit einem besonderen Schutz z. B. gegen sehr niedrige Temperaturen versehen, sind sie folgendermaßen gekennzeichnet:

Kennzeichnung Bedeutung
-20°C oder -30°C Einsatz bei sehr niedrigen Temperaturen
+150°C Einsatz bei sehr hohen Temperaturen
440 Vac Gefährdung gegen kurzfristigen Kontakt mit Wechselspannung bis 440 V
MM Gefährdung durch Spritzer von geschmolzenem Metall
LD Gefährdung durch seitliche Beanspruchung

 

2.2 Schutzhelme nach EN 14052

Schutzhelm nach EN 14052 Besteht ein überdurchschnittliches Verletzungsrisiko sollten Hochleistungs-Industrieschutzhelme nach DIN EN 14052 eingesetzt werden. Die Helme dieser Norm unterliegen keinen konstruktionseinschränkenden Vorgaben. Neben einem erhöhtem Schutz gegen Stöße und einer erhöhten Durchdringungsfestigkeit, bieten sie oft Vorteile bei Ergonomie und Komfort und sind mit zusätzlichen Schutzeinrichtungen versehen (z. B. integrierte Klappvisiere).

Im Gegensatz zur DIN EN 397, für die eine Stoßdämpfung und Durchdringungsfestigkeit nur für den Scheitelbereich der Helme garantiert werden kann, bietet der Hochleistungs-Industrieschutzhelm auch sicheren Schutz vor einem seitlichen Aufprall von Lasten.

 

Optional beschreibt die DIN EN 14052 auch Anforderungen an die mechanische Festigkeit des Helmes bei Strahlungswärme. Hier muss beim Helmkauf auf die Angaben des Herstellers geachtet werden.

 

2.3 Schutzhelme nach EN 12492

Schutzhelm nach EN 12492 Für reine Höhenarbeiten kommen Kletter – oder Bergsteigerhelme nach EN 12492 infrage. In der Regel sind sie leicht, gut belüftet und bieten Schutz vor Stößen, herabfallenden Gegenständen und Aufprall. Ihr Vorteil ist, dass die Sicht nach oben möglichst wenig eingeschränkt wird und die optimierte Kinnbefestigung dafür sorgt, dass der Helm auch bei Stürzen sicher auf dem Kopf sitzt.

Die doppelt so hohe Haltekraft des Kinnriemens (500 N, bei EN 397: 250 N) kann jedoch auch ein Nachteil sein, da sie im Ernstfall zu einer Strangulation führen kann. Im Gegensatz zu den Industriehelmen bieten viele Modelle dieser DIN-Norm auch keinen ausreichenden Schutz vor elektrischen Gefährdungen, flüssigen Metallen und seitlichen Verformungen.

 

3. Helmschalen-Material: Thermoplaste oder Duroplaste?

Helme für Industrieschutzhelme werden aus thermoplastischen und duroplastischen Kunststoffen hergestellt. Je nach Einsatzgebiet bergen sie unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Helme aus thermoplastischen Kunststoffen Helme aus duroplastischen Kunststoffen
    • Thermoplasten sind für kalte Temperaturen geeignet

 

    • bruchsicher bei Temperaturen von bis zu minus 40°

 

    • nich geeignet für Arbeiten bei großer Hitze

 

    • Schutz kann bereits bei ca. +70°C nicht mehr gegeben sein (abhängig vom verwendeten Kunststoff)

 

    • Einsatzgebiete: Bauhauptgewerbe, Montage, mechanische Werkstätten

 

    • Haltbarkeit: 4 Jahre

 

  • Kürzel für thermoplastischen Kunststoff: PE, PP, PP-GF, PC, PC-GF, ABS
    • Duroplaste (beispielsweise textilverstärkter Phenolkunstharz) sind extrem hitzebeständig

 

    • formbeständig bis ca. +500°C

 

    • resistent gegen viele chemische Einflüsse

 

    • ideal für den Einsatz bei sehr hohen Temperaturen

 

    • nicht geeignet für den Einsatz bei kalten Temperaturen

 

    • Einsatzgebiete: Metallverarbeitung, Metallerzeugung, Werften

 

    • Haltbarkeit: 8 Jahre

 

  • Kürzel für duroplastischen Kunststoff: PF-SF, UP-GF

 

4. Haltbarkeit: Wann sollten Schutzhelme ausgetauscht werden?

Schutzhelme unterliegen dem Verschleiß und müssen daher in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. Wie lange ein Schutzhelm getragen werden kann, hängt dabei stark vom Material ab.

    • Schutzhelme aus thermoplastischen Kunststoffen altern in Abhängigkeit von Witterungseinflüssen, UV-Strahlung und Luftverunreinigungen schneller und sollten nach maximal vier Jahren ausgetauscht werden.

 

    • Schutzhelme aus duroplastischen Kunststoffen weisen hingegen eine doppelt so lange Gebrauchsdauer auf. Sie sollten nicht länger als acht Jahre genutzt werden.

 

  • Helme, die jedoch vor Ablauf der Haltbarkeitsfrist durch Stöße beschädigt wurden oder anderweitige Mängel aufweisen, müssen sofort ausgetauscht werden!

Tipp: Führe einen „Knacktest“ durch!

Auf diese Weise kannst du überprüfen, ob eine Helmschale aus thermoplastischem Kunststoff (Ausnahme: glasfaserverstärkte Helme) bereits versprödet ist und ob sie dementsprechend ausgetauscht werden muss.
So geht’s: Die Helmschale wird seitlich mit den Händen leicht eingedrückt bzw. der Schirm verbogen. Entsteht ein Knister- oder Knackgeräusch, muss der Helm ausgetauscht werden.

 

5. Der passende Schutzhelm: Tipps für den Einkauf

    • Industrieschutzhelme müssen über eine deutlich sichtbare CE-Kennzeichnung verfügen. Neben der Angabe des Herstellungsdatums, des Herstellernamens, der DIN-Norm, der Spannweite und dem Kürzel für das Material, ist die Angabe meist am Innenrand des Helm-Schirms zu finden.

 

    • Bauhelme, die einen zusätzlichen Schutz vor Strahlungswärme bieten, müssen die vierstellige Kennnummer der Prüfstelle angeben, die regelmäßig die Produktion überwacht.

 

    • Ob Helme mit umlaufendem Rand, mit Schirm oder mit heruntergezogenem Nackenteil: Hochwertige Helme biete längenverstellbare Kopfbänder, die über Verstellrädchen eingestellt werden können. Dies ist für den Träger komfortabler und bietet einen höheren Tragekomfort.

 

    • Viele Hersteller bieten neben wärmenden Schutzstoffen, die bei Kälte in die Helme integriert werden können, auch die Möglichkeit für eine einfache Kombination mit Gehörschützern oder Schutzbrillen an.

 

  • Zusätzlich kann es vorteilhaft sein, Schutzhelme mit breiten Einstellungsbereichen auszuwählen. So muss nicht für jeden Mitarbeiter eine andere Helmgröße bestellt werden und im Falle eines Austausches liegt der passende Helm bereits parat.
Quelle Titelbild: ©iStock.com/DutchScenery

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