Ein Skatepark in der Karibik

Manchmal scheint es geradezu unmöglich, die Welt zu verändern. Manches Mal ist es aber auch ganz leicht: Ein kleines Bauprojekt in San Luis, einer Stadt in der Dominikanischen Republik, entfaltet große Wirkung. 

Wenn eine gute Idee, Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Muskelkraft zusammenkommen, lässt sich so einiges auf Beine stellen. In San Luis, einer Gemeinde in der Provinz Santo Santo Domingo, unweit der gleichnamigen Hauptstadt des karibischen Inselstaats, wurde vor rund drei Jahren die Idee eines Skateparks geboren. Inmitten der ehemaligen Arbeitersiedlung, die mittlerweile zur Heimat vieler Geflüchteter aus Haiti geworden ist, sollte ein Ort entstehen, an dem Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen und ihren zuweilen harten Alltag vergessen können. In San Luis leben die Menschen in Holz- oder Wellblechhütten, häufig ohne Strom und Wasser. Schon in jungen Jahren müssen Kinder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Sie putzen Autoscheiben oder Schuhe, arbeiten als Verkäufer oder Müllsammler. Um den Wunsch nach einem Skatepark in San Luis in die Tat umzusetzen, gründete das Kinderhilfswerk Dominiño die Initiative San Skate. Bereits 2015 hatten die Mitarbeiter durch den Verkauf von Skateboards, die von Künstlern bemalt wurden, eine stolze Summe von über 10.000 Euro zusammenbekommen. Die Planung des Skateparks konnte also beginnen. Tatkräftige Unterstützung erhielt San Skate zu dieser Zeit von den Landschaftsarchitekten von Betonlandschaften, die sich auf die Planung und Ausführung von Skateparks spezialisiert haben.

Im März 2018 hieß es dann: Ärmel hochkrempeln! Mithilfe eines fünfköpfigen Teams aus Deutschland, zwei Vertretern von San Skate und dominikanischen Arbeitskräften entstand auf einer Brachfläche innerhalb von vier Wochen ein Skatepark nach deutscher Norm. Mit im Gepäck auf dem Weg in die Dominikanische Republik hatten die fünf Freiwilligen eine ansehnliche Auswahl an Handwerkzeugen und Arbeitskleidung, gespendet von Contorion. Doch die beste Ausrüstung konnte nicht verhindern, dass die Crew vor Ort immer wieder auf unerwartete Situationen reagieren und improvisieren musste. So gab es beispielsweise weder eine Strom- noch eine Wasserquelle.

Alle Arbeitsschritte – vom Kies aufschütten über Bewehrung bis Beton glätten – mussten zum Großteil in Handarbeit ausgeführt werden. Warum? Weil zum einen die Maschinen vor Ort nicht die gewünschte Qualität hatten und es zum anderen am Geld fehlte, für die richtigen Maschinen zu sorgen. Und so standen für die Helfer Tag für Tag Zwölfstundenschichten bei tropischer Sommerhitze auf dem Programm.

Als eine der größten Herausforderungen stellte sich die Materialbeschaffung heraus. Denn Holz, Beton, Schrauben und Co sind in der Dominikanischen Republik nicht nur extrem teuer, sondern können auch selten mit den Qualitätsstandards mithalten, wie wir sie in Westeuropa kennen. Dass das Bauprojekt am Ende doch erfolgreich und in der vorgegebenen Zeit von vier Wochen abgeschlossen werden konnte, scheint überraschend. Es ist das Ergebnis von echtem Teamgeist, unermüdlicher Ausdauer und Improvisationskunst.

Schon als die erste Halfpipe stand, ließen sich die Kids von San Luis kaum mehr vom Skaten abhalten. Heute hat sich der neue Skatepark als Treffpunkt für Kinder und Jugendliche längst etabliert. San Skate setzt sich weiterhin mit kostenfreiem Skateboard-Unterricht und zahlreichen Aktionen dafür ein, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche von dem Projekt profitieren. Als weitere Bauprojekte sind Begrünung und ein Containerhaus direkt neben dem Skatepark vorgesehen, das als Jugendzentrum genutzt werden kann.

Skaten bedeutet Gemeinschaft und jede Menge Spaß – und ist schon jetzt ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Jugendkultur von San Luis.

Mehr Infos: sanskate.org

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