Hightech-Klebstoffe spielen in der verarbeitenden Industrie und im Handwerk eine immer wichtigere Rolle. In fast jedem Anwendungsbereich ergänzen oder ersetzen die Klebstoffe mittlerweile erfolgreich die herkömmlichen Fügeverfahren Schweißen, Nieten oder Schrauben. Kleben ist als Verbindungstechnologie in der Praxis angekommen.

Dank der modernen Klebstoffe haben sich neue Konstruktionsmöglichkeiten für die Praxis ergeben. So könnten Leichtbaukonzepte in vielen Fällen ohne die Klebstoffe gar nicht realisiert werden. Überzeugend sind viele der industriell genutzten Klebstoffe auch aufgrund ihrer Leistungsstärke.

Nur knapp über 100 Gramm Epoxidharz – einem besonders effektiven Klebstoff auf Kunstharzbasis – reichen beispielsweise aus, um die Crashfestigkeit von Autotüren zu gewährleisten.

Auch für Handwerksbetriebe bieten die leistungsstarken Fügemittel überzeugende Vorteile an. Sie erleichtern beispielsweise in vielen Fällen nicht nur die Arbeit, sondern führen vor allem zu einer großen Zeitersparnis. Trotz der Ausgaben für die Klebstoffe, können dadurch effektiv Kosten eingespart werden.

Vor- und Nachteile der Klebetechnologie

Ob Epoxidharzkleber, Schmelzklebstoffe oder technische Klebebänder: Hochwertige Klebstoffe bieten im Vergleich zu herkömmlichen Verbindungstechniken erhebliche Vorteile. Wie jedes Verfahren bringt die Verwendung in der Praxis aber auch Nachteile mit sich. Wir haben sowohl die Vor- als auch die Nachteile für Sie zusammengetragen.
Vor- und Nachteile der Klebetechnologie

Vorteile des Klebens

Schnellere, kostengünstige Umsetzung
Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren ist das Kleben meist schnell zu realisieren. Zwar müssen zum Teil Aushärtungszeiten beachtet werden, aber der eigentliche Arbeitsaufwand ist geringer. In der Regel werden dabei sogar Kosten eingespart.

Dichtende Verbindungen
Klebstoffe können als Dichtstoffe für Gase und Flüssigkeiten eingesetzt werden. Sie verhindern, dass Kondenswasser eindringen kann und Korrosion entsteht (sogenannte Spaltkorrosion).

Gewichtsersparnis
Klebstoffe werden insbesondere im Leichtbau eingesetzt, da hier die Verbindung von Elementen mit einer Stärke bis 0.5 mm problemlos möglich ist. Thermische und mechanische Fügeverfahren können dies nur schwer oder gar nicht realisieren.

Verbinden unterschiedlicher Werkstoffe
Einige Werkstoffe sind nicht für die Verbindung durch thermische und mechanische Fügeverfahren geeignet wie z. B. Verbindungen aus Glas und Metall, Holz und Metall oder Aluminium und Stahl. Hier kommen Klebstoffe zum Einsatz.

Keine Kontaktkorrosion
Durch die Klebstoffverbindung kann auch die Bildung von Lokalelementen und die damit verbundene Kontaktkorrosion (das Rosten) bei Metallen verhindert werden.

Unbeschädigte Oberfläche
Beim Schweißen kann es durch die auftretenden Temperaturen zu Änderungen der Gefügestruktur kommen, ebenso wird beim Nieten und Schrauben die Oberfläche durch Bohrungen geschwächt. Beim Kleben bleibt die Oberfläche hingegen unverändert. Das bedeutet unter anderem: optimale optische und aerodynamische Eigenschaften.

Gleichmäßige Spannungsverteilung und Kraftübertragung
Im Gegensatz zur punktuellen Kraftübertragung, die beim Schrauben und Nieten an den Verbindungselementen entsteht, kann mit dem Verkleben eine gleichmäßige Spannungsverteilung erreicht werden.

Bessere Schwingungsdämpfung
Klebeverbindungen werden großflächig vorgenommen und sind durch den Klebstoff elastisch. Dadurch können sie Schwingungen besser dämpfen als Schweiß-, Schraub- oder Nietverbindungen.

Kein Wärmeverzug
Bei hohen Temperaturen bleiben die verbundenen Werkstücke in der vorgesehenen Form. Zusätzlich können wärmeempfindliche Werkstoffe verarbeitet werden.

Mechanisches Verhalten selbst wählbar
Je nach Auswahl des Klebstoffs können die mechanischen Verhaltenseigenschaften der Bauteile bestimmt werden (z. B. der Grad der Flexibilität).

Nachteile des Klebens

Nicht demontierbar
Was einmal verklebt wurde, kann schwer wieder demontiert werden. Das Ersetzen von Verbindungsteilen ist daher aufwendiger und kostenintensiver.

Alterungsprozesse (je nach Kleberart)
Je nach Kleberart unterliegen Klebstoffe Alterungsprozessen, die durch mechanische, chemische, physikalische und biologische Einflüsse (z. B. Feuchtigkeit) ausgelöst werden. Diese können die Klebkraft beeinträchtigen.

Kontrollverfahren aufwendig
Klebeverbindungen zum Beispiel auf Festigkeit zu prüfen, bedeutet aktuell, dass bestehende Klebeverbindungen zerstört werden müssen.

Temperaturbegrenzter Einsatz
Verklebungen können bei zu niedrigen Temperaturen spröde werden, bei zu hohen Temperaturen erweichen und schmelzen oder die Form verändern.

Viele Klebstoffe und Betriebsstoffe, die z. B. zum Reinigen der Oberflächen benötigt werden, sind Gefahrstoffe. Dazu zählen u. a. stark lösemittelhaltige Vorstriche und Klebstoffe für den Bodenbereich. Daher sind sie auch schwer zu recyceln.

Aushärtezeit
Klebstoffe benötigen eine bestimmte Zeit für den Härtungsprozess. Bei einigen Klebern kann dieser Vorgang mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Vorbehandlung der Oberflächen
Um optimale Klebeergebnisse zu erreichen, müssen die zu verklebenden Oberflächen zuvor von Öl, Fett, Staub und sonstigen Schmutzresten befreit werden. Dies erfordert einen zusätzlichen Arbeitsschritt.

Erfahrung notwendig
Die Einsatzmöglichkeiten und Anwendungen von Klebstoffen sind vielfältig. Für Klebeverbindungen, die langfristig den Belastungen standhalten, ist daher Praxiserfahrung nötig.

Unsere Serie zur Klebetechnologie

Teil 1: Wie sinnvoll ist Kleben als Verbindungstechnologie?
Teil 2: Wie du den passenden Klebstoff für dein Fügeproblem findest
Teil 3: Klebstofflexikon: die wichtigsten Klebstoffe im Überblick