Stichsägen sind extrem vielfältige Werkzeuge und gehören zur Grundausstattung vieler Hand- und Heimwerker. Auch die Akku-Varianten der Sägen sind heute leistungsstark genug, um verschiedenste Materialen von Holz über Kunststoff bis hin zu Stahl verarbeiten zu können.

Das Sägeverhalten im jeweiligen Material ist einerseits abhängig von der Maschine und wie sie eingestellt ist. Also die Watt-Leistung der Stichsäge, die gewählte Drehzahl und ob mit Pendelhub gesägt wird. Andererseits ist die Wahl des richtigen Sägeblattes ausschlaggebend für verschiedene Aspekte des Sägeverhaltens vom Sägefortschritt über die Winkeltreue bis hin zur Schnittgüte.

1. Welches Material soll gesägt werden?

Sägefortschritt: Wie schnell das Sägeblatt durch das Material schneidet.

Im ersten Schritt steht die Frage, welches Material mit dem Blatt gesägt werden soll. Es lässt sich nicht mit jedem Sägeblatt jedes Material sägen. So sind Holzsägeblätter beispielsweise nicht hart genug, um mit ihnen Metall zu zersägen.

Sägeblätter für Metall hingegen sind aufgrund von Bauform und Zahngeometrie nicht optimal für das Sägen von Holz und darüber hinaus normalerweise teurer als Holzsägeblätter. Es ist deshalb äußerst wichtig, das richtige Sägeblatt für das jeweilige Material zu verwenden.
In der Regel lässt sich bereits an dem Namen des Sägeblattes erkennen, für welche Anwendung es geeignet ist.

Manche Hersteller verwenden Farbcodierung, um dem Anwender eine leichtere Zuordnung zu ermöglichen.

Bosch verwendet beispielsweise folgende Zuordnung:

Material Farbe des Sägeblattes
Holz Grau
Metall Blau
Holz mit Metall (z.B. Nägel) Weiß
Kunststoff und Spezialanwendungen Schwarz

Der Spanreißschutz ist ein Aufsatz, der beim Stichsägen dafür sorgt, dass die Oberfläche des Werkstücks nicht ausfranst oder ausreißt.

Gerne werden Stichsägen verwendet, um Aussparungen in Arbeitsplatten zu schneiden. Besonders bei beschichtetem Material empfiehlt sich die Verwendung eines feineren Holzsägeblatts und eines Spanreißschutzes, um einen möglichst sauberen Schnitt zu erhalten.

Weiterhin bieten viele Hersteller Stichsägeblätter für Stein, Plexiglas, Edelstahl oder andere Spezialanwendungen. Diese sind jedoch in der Regel unmissverständlich gekennzeichnet.

Sägeblatt-Empfehlungen für verschiedene Anwendungen:

Material Stichsägeblatt
Multiplex-Platten Sägeblatt für Hartholz
MDF Sägeblatt für Hartholz
Beschichtete Arbeitsplatte Holzsägeblatt mit feiner Verzahnung
Parkett Feines Sägeblatt für Hartholz
Plexiglas Sägeblatt für Acryl/Sägeblatt für Metall
Gummi Spezialsägeblatt für Leder, Gummi, Dämmstoff
Styropor Spezialsägeblatt für Leder, Gummi, Dämmstoff
Laminat Feines Sägeblatt für Hartholz
Sandwichplatten Bi-Metall-Blatt mit feiner Verzahnung
Aluminium Spezialsägeblatt für Aluminium
Edelstahl Spezialsägeblatt für Edelstahl (Inox)
Fliesen Spezialsägeblatt für Keramik
Gasbeton Spezialsägeblatt für Gasbeton und Faserwerkstoffe

2. Sollen gerade Schnitte oder Kurven gesägt werden? (Blattbreite)

Winkeltreue: Ein möglichst gleichbleibender Schnittwinkel entlang der gesamten Schnittkante. Die Blattbreite hat großen Einfluss auf die Wendigkeit beim Sägen sowie den Geradeauslauf und die Winkeltreue.

Je breiter das Blatt, desto besser lassen sich gerade Schnitte mit hoher Winkeltreue realisieren. Schmalere Blätter ermöglichen hingegen einen besseren Kurvenlauf.

Kurvensägeblätter haben außerdem eine leicht veränderte Position der Schneidefläche. Bei ihnen liegt die Verzahnungsachse auf einer Höhe mit der Hubachse der Säge, wodurch sich die Sägerichtung fast auf der Stelle ändern lässt. Manche Blätter sind darüber hinaus gegenüber der Sägefläche konisch geschliffen, um die Wendigkeit im Material zu maximieren.

Sägeblattbreite

3. Wie dick ist das zu sägende Werkstück? (Sägeblattlänge, Zahnteilung)

Je nach Dicke des zu sägenden Werkstücks, sollte das Sägeblatt unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Selbstverständlich muss das Sägeblatt mindestens so lang sein, wie das Material dick ist, um es überhaupt komplett schneiden zu können. Die Zahnteilung gibt an, wie groß der Abstand zwischen zwei Sägezähnen ist. Die optimale Zahnteilung ergibt sich ebenfalls aus der Dicke des zu sägenden Werkstückes.

Grundsätzlich ermöglicht ein größerer Abstand zwischen den Zähnen einen schnelleren Arbeitsfortschritt, während eine geringere Zahnteilung in der Regel einen feineren Schnitt möglich macht.

Sägeblattlänge: Das Sägeblatt sollte aufgrund des Hubs der Säge immer mindestens 1,5cm länger sein, als das Werkstück dick ist. Während ein kürzeres Sägeblatt grundsätzlich eine bessere Kraftübertragung ermöglicht, sollte stets darauf geachtet werden, eine ausreichende Länge zu verwenden. So kann ein gefährliches ‚Zurückschlagen‘ des Geräts zuverlässig vermieden werden.

Zahnteilung: Der Abstand der Zähne zueinander auf dem Sägeblatt. Die Wahl der Zahnteilung ist immer ein Kompromiss aus Schnittgüte und Sägefortschritt. Als Grundregel sollten immer mindestens zwei Zähne gleichzeitig im Werkstück arbeiten können, da es sonst zu hohen Vibrationen und einem sehr rauhen Schnitt kommen kann.

Der Abstand der Zähne auf dem Sägeblatt sollte also nie größer sein, als das Werkstück dick ist. Ist dir ein schneller Sägefortschritt wichtiger, wähle ein Sägeblatt mit größerer Zahnteilung.

Soll der Schnitt besonders fein ausfallen, wähle ein Blatt mit kleinerer Zahnteilung. Achtung: bei zu kleiner Zahnteilung kommst du mit der Säge nur sehr langsam durch das Material. Es sind ebenfalls Sägeblätter mit unterschiedlicher Zahnteilung entlang des Blattes erhältlich (progressive Zahnteilung), was schnellen Sägefortschritt und ein sauberes Arbeitsergebnis mit dem selben Blatt ermöglicht.

4. Schneller Sägefortschritt oder sauberer Schnitt? (Geometrie der Verzahnung)

Schnittgüte: Wie ’sauber‘ der Schnitt ist. Je nachdem, wie die Zähne auf dem Sägeblatt angeordnet sind, verändern sich die Sägeeigenschaften erheblich. Sind die Zähne geschränkt angeordnet (siehe Abbildung) und treten links und rechts über das Blatt hinaus, ist dies ein Indikator für einen raueren Schnitt bei schnellerem Sägefortschritt.

Neben der Anordnung gibt es Unterschiede zwischen geschliffenen und gefrästen Sägezähnen. Grundsätzlich ergeben geschliffene Zähne einen feineren Schnitt als gefräste Sägezähne.

Sägeblatt, Zähne gefräst, Freischnitt geschränkt Zähne gefräst, Freischnitt geschränkt
Rascher Arbeitsfortschritt bei relativ rauem Schnitt.
Sägeblatt, Zähne gefräst, Freischnitt gewellt Zähne gefräst, Freischnitt gewellt.
Feiner Schnitt bei geraden Schnitten
Sägeblatt, Zähne geschliffen, Freischnitt geschränkt Zähne geschliffen, Freischnitt geschränkt.
Schnelle Schnitte in Holz.
Sägeblatt, Zähne geschliffen, Freischnitt freiwinkelgeschliffen Zähne geschliffen, Freischnitt freiwinkelgeschliffen
Konisch geschliffener Rücken für Freischnitt. Feine und saubere Schnitte.

5. Der Blattwerkstoff und die Standzeit

Der Werkstoff, aus dem das Sägeblatt besteht, sollte natürlich immer härter sein als das Material, das gesägt werden soll. Stichsägeblätter werden in der Regel in verschiedenen Qualitätsstufen, bzw. aus verschiedenen Werkstoffen, angeboten. Hier eine Übersicht der wichtigsten Materialien, aus denen Sägeblätter erhältlich sind:

Blattwerkstoff Anwendungsgebiet
HCS Kohlenstoffstahl für Sägen von Weichholz, weicheren Kunsstoffen oder Holzfaserplatten
HSS Vollgehärtetet Hochleistungs-Schnellschnittstahl geeignet für die Anwendung in härteren Materialien wie Metall, Aluminium und Buntmetall
BIM Bimetall, Verbindung aus HCS und HSS. Bimetall-Blätter vereinen die hohe Flexibilität von HCS mit den hervorragenden Eigenschaften von HSS. Geeignet für Arbeiten in Hartholz, harten Kunststoffen und Metallen. BIM-Sägeblätter haben eine besonders hohe Lebensdauer.
HM Hartmetall-Sägeblätter eignen sich zum Schneiden von glasfaserverstärktem Kunststoff, Zementfaserplatten und Gipskarton.

Tipp: Beim Sägen in Metall kann die Standzeit der Blätter durch die Verwendung von Kühlmitteln erheblich gesteigert werden.

6. Passt das Sägeblatt in meine Maschine? (Aufnahme)

T-Schaft Aufnahme
Glücklicherweise kann diese Frage inzwischen fast immer mit ‚Ja‘ beantwortet werden. In den letzten Jahren hat sich der von Bosch entwickelte T-Schaft (Einnockenschaft) langsam aber sicher als die Standardaufnahme für Stichssägeblätter durchgesetzt.

Tipp: Beliebte Blätte, die gerne gekauft werden sind Bosch Stichsägeblätter auch Festool Sägeblätter, Makita Sägeblätter und STIER Sägeblätter.

Weitere, nur noch selten verwendete Aufnahmen sind der Zweinockenschaft, der Universalschaft oder der Feinschaft. Um auch in Zukunft eine große Auswahl an Sägeblättern zur Auswahl zu haben, sollte man beim Kauf einer Stichsäge darauf achten, dass sie die T-Schaft Aufnahme verwendet.

7. Glossar

Was ist eine Pendelhubsägen: Bei einer Pendelhubsäge handelt es sich um eine Akkustichsäge mit schmalem Sägeblatt und einer kreisenden Bewegung, die für den Zuschnitt von diversen Materialien und Formen dient.

Was ist ein Zweinockenschaft: Ein Zweinockenschaft bezeichnet die Form des Blattschafts bei Sägeblättern zur Aufnahme in Stichsägen.

Was ist ein Universalschaft: Genauso wie der Zweinockenschaft besagt der Universalschaft die Form des Blattschafts bei Stichsägeblättern. Beide Varianten werden bei der Sägeblattaufnahme kaum noch verwendet.

8. Fazit

Die Auswahl des richtigen Stichsägeblattes ist entscheidend, um das gewünschte Arbeitsergebnis zu erzielen. Verschiedene Faktoren wie das zu sägende Material, die Wichtigkeit einer sauberen Schnittkante oder ob gerade Schnitte oder Kurven gesägt werden sollen müssen in Betracht gezogen werden. Hat man das richtige Sägeblatt für die anstehende Arbeit ausgewählt, steht einem erfolgreichen Sägen nichts mehr im Wege!


Wenn du weitere Fragen zu Sägeblättern hast, kannst du gerne unseren Kreissägeblatt-Ratgeber befragen.