Studie: Handwerk treibt Integration von Geflüchteten voran

27. Dezember 2020

Handwerksunternehmen sind maßgeblich an der Integration von Geflüchteten beteiligt. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung. Überhaupt hat sich viel seit der vorherigen Erhebung im Jahr 2016 getan. Die wichtigsten Ergebnisse, die du kennen musst, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Drei Jahre, in denen viel passiert ist: Seit der letzten Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung hat sich die Situation von Geflüchteten auf unserem Arbeitsmarkt noch einmal verändert. Die Gewerke integrieren weiter nach Deutschland zugewanderte Menschen in ihren Betrieben. Doch bei aller Freude über die Zahlen bestehen zugleich Herausforderungen für die Zukunft – welche das sind, führt die Befragung gut vor Augen.

Kofa-Studie 2020: Das Wichtigste in Kürze

  • Im Vergleich zur Befragung vor drei Jahren beschäftigen jetzt mehr Betriebe geflüchtete Menschen.
  • Inzwischen geht ein geringerer Anteil von diesen einem Praktikum nach. Die Mehrheit hat einen festen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag.
  • Mangelnde Deutschkenntnisse lassen Firmen bei der Jobvergabe zögern.
  • Viele Firmen sind kritischer geworden, wenn es um Betreuungsaufwand und rechtliche Unsicherheiten von Geflüchteten im Job geht.
  • Unternehmen, welche Menschen mit Fluchthintergrund einstellen, haben weniger Hemmungen.

Kofa-Studienvergleich: Erfolge und Schwächen werden sichtbar

Es sind Bilder, an die wir uns alle gut erinnern: Zehntausende Menschen sind in den Jahren 2015 und 2016 auf ihrem Fluchtweg in Deutschland angekommen. Es sind Momente für die Geschichtsbücher. Insgesamt knapp 1,2 Millionen haben hierzulande Schutz gefunden – und viele von ihnen auch einen Job. Grund genug, nachzuhaken: Wie gehen die Firmen mit der neuen Arbeitsmarktsituation um?

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, kurz Kofa, hat genau deshalb seine Befragung aus 2016 im Jahr 2019 im Rahmen der repräsentativen Studie 2/2020 wiederholt – mit einem leicht veränderten Fragenkatalog. Das Ziel: die Werte von damals und heute zu vergleichen. So zeigt sich anhand des Feedbacks von insgesamt 1.259 zufällig ausgewählten Firmen, was bisher bei der Integration von Geflüchteten im Job gut lief und wo es weiter Unterstützung braucht.

Handwerk ist spitze: Wo die Branche in Führung geht

Aus der Kofa-Studie gehen konkrete Zahlen hervor: So beschäftigen laut des Kompetenzzentrums rund 429.000 deutsche Unternehmen Geflüchtete bei sich (Stand: 2019). Im unmittelbaren Vergleich waren das 2016 summa summarum vier Prozent weniger. Die Gewerke dürfen sich dabei besonders auf die Schulter klopfen! 42,6 Prozent der Handwerksbetriebe haben bis 2019 Geflüchteten eine Anstellung gegeben. Damit nimmt die Branche unter allen befragten Unternehmen die absolute Pole Position ein. Bei Nicht-Handwerksunternehmen beträgt der Anteil nur 21,2 Prozent – knapp halb so viel.

Darum integriert gerade das Handwerk so viele Geflüchtete

Logisch, die Integration in den Arbeitsmarkt ist nicht zufällig ausgerechnet im Handwerk so stark. Die Studienleiter konnten in den Antworten der Betriebe mehrere handfeste Gründe finden: Allem voran ächzt das Handwerk seit mehreren Jahren über einen hohen Fachkräftemangel und ist entsprechend auf neue Mitarbeiter*innen dringend angewiesen. 

Ist die Entwicklung von 2016 bis 2019 daher auch ein Effekt staatlicher Beschlüsse? Gut möglich. Vor einiger Zeit hatte der Gesetzgeber den Zugang für Menschen aus Drittstaaten deutlich vereinfacht. Kofa führt jedoch weiterhin an: Viele Geflüchtete bringen bereits eine bestehende Berufserfahrung aus dem Handwerk mit nach Deutschland.

Zwischenfazit des Handwerks: Work in progress

Bei aller Freude über die Errungenschaften am Arbeitsmarkt, wird aus der Kofa-Studie auch deutlich: Integration braucht aktive Zuarbeit. Sie kommt nicht von allein. Das zeigt sich sehr deutlich in den Antworten der Betriebe zu ihren Erfahrungen mit Geflüchteten bei der Arbeit – besonders in den Handwerksunternehmen. Denn zum einen gaben 62 Prozent von ihnen an, geflüchteten Menschen schon nach vergleichsweise kurzer Zeit ins jeweilige Team integriert zu haben. Nicht-Handwerksfirmen bejahten dies allerdings stärker, zu 76 Prozent. Das Kofa bewertet dies wie folgt: Handwerker stellen schneller und häufiger ein, weil ihnen die besagten Fachkräfte schlichtweg oft fehlen.

Dieses Stimmungsbild bestätigt sich auch in anderen Themenfeldern: Handwerksunternehmen stimmten nur zu 68,7 Prozent der Aussage zu, Geflüchtete zeigten einen ausreichenden Lerneifer. Branchenfremde Unternehmen stimmten hingegen zu 79,3 Prozent zu. Die Auswertung macht klar: Die erfolgreiche Vermittlung von geflüchteten Menschen in Handwerksjobs reicht nicht aus. Leistung, Arbeitsmoral und gegenseitige Zufriedenheit sind genauso wichtig für ein starkes betriebliches Umfeld. Hier sind noch viel Unterstützung und Begleitung für beide Seiten gefordert: Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.

Kai

Als freier Texter mit Fokus auf Website-Kommunikation und Online-Magazine unterstützt Kai Unternehmen aus Berlin und ganz Deutschland.

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