Werkzeug: Den richtigen Spachtel wählen

23. Oktober 2021

Du willst Löcher und Risse verspachteln, Wände und Decken verputzen oder Tapetenreste entfernen? Mit dem richtigen Werkzeug ist das kein Problem. Ganz gleich, ob du zu Rigips-Spachtel, Holzreparatur-Spachtel oder Trockenbau-Spachtel greifst: Deine Arbeitshilfen solltest du immer nach Einsatzzweck, Untergrund und verwendeter Spachtelmasse aussuchen. Dieser kleine Ratgeber hilft dir dabei.

 

Putz ist nicht gleich Putz und Riss ist nicht gleich Riss: Soweit, so klar. Und wer kleine Spalten im Holzbalken ausfüllen möchte, greift wohl weniger zum Rigips-Spachtel oder Trockenbau-Spachtel als zu einem speziellen Holzreparatur-Spachtel. Auch das erscheint mehr als logisch, oder? Ganz so einfach ist es aber leider nicht: Denn viele unterschätzen, wie wichtig spezielle Decken- und Wandspachtel im Einzelfall wirklich sind. Je nach Material, mit dem arbeitest, ergeben sich andere Anforderungen. Und zwar immer. Okay, beginnen wir mal ganz von vorne …

 

Grundwissen: Wofür du einen Spachtel benötigst

Beim Renovieren und im Trockenbau sind Decken- oder Wandspachtel – je nach Einsatzort – für dich unentbehrliche Werkzeuge. Der Grund: Unebenheiten, Risse und Löcher beseitigst du mit hochwertig produzierten Spachtelkellen im Nu. Spachteln, Glätten und Verfugen will aber geübt sein. Ein wenig Übung brauchst du also schon.

Zum Anlegen eines ganzen Spachtelbodens, zum Abtragen von Teppichfliesen, Tapeten- oder Farbresten oder für eine kleinere Holzreparatur: Spachtel sind für deinen Arbeitserfolg dabei unverzichtbar. Hast du schon einen ganz guten Überblick zum Thema, schau am besten direkt mal im Contorion Online-Shop vorbei. Hier steht für dich eine gute Auswahl an Spachtel und Spachtelwerkzeugen von Top-Marken wie Hagenböcker, KS Tools und Roll bereit.

 

Spachteln nach Klasse: Die 4 Qualitätsstufen

Damit du ökonomisch mit deinen Kellen arbeiten kannst, solltest du vier Qualitätsstufen kennen. Beim Spachteln wird die Klassifizierung des sogenannten Verputzerhandwerks genutzt. Welche Qualitätsstufe zu wählen ist, hängt davon ab, ob und wie die Fläche weiterverarbeitet wird.

Qualitätsstufe Ausprägung bzw. Arbeitsergebnis Anwendungsbereich
Qualitätsstufe 1 Bei der Grundverspachtelung sind alle Risse und Löcher zu verfüllen. Grate und Kanten dürfen jedoch übrig bleiben.

● Fläche verbleibt im Rohzustand

● Nicht sichtbare Bereiche, Brandschutz-Konstruktionen

● Anbringen von Oberputz oder Fliesen

Qualitätsstufe 2 Entspricht der Standardverspachtelung.  Riefen und Grate sind hier nicht mehr vorhanden. Eine Porenbildung ist akzeptabel, genau wie leicht sichtbare Übergänge.

● Bedeckung mit Raufasertapeten und mittelschweren Wandbelägen

● Anstrich mit Dispersionsfarben

Qualitätsstufe 3 Das Ergebnis ist ein absolut porenfreier Auftrag durch gleichmäßiges breites Ausspachteln. Keinerlei Grate und Vertiefungen sind mehr sichtbar.

● Sonderverspachtelung beim Anstrich mit matten Wandfarben und feinen Wandbekleidungen

● Feinkörniger Oberputz (Korngröße unter 1 mm)

Qualitätsstufe 4 Besser geht’s nicht: Entspricht einer  Vollverspachtelung, die höchste Ansprüche an eine ebene und vollständig geglättete Fläche erfüllt. Es dürfen keinerlei Poren und Bearbeitungsspuren mehr sichtbar sein.

● Vorbereitung für hochglänzende Wandbekleidungen

● Beispiele: Metalltapeten, textile Beläge, Lasuren

 

 

Welcher Spachtel ist der richtige für dich?

Das stählerne Blatt des Spachtels ist mit einem Griff verbunden oder sitzt in einer Leiste. Jede Ausführung ist hier etwas verschieden. Wir stellen dir unterschiedliche Spachteltypen vor.

 

Malerspachtel

Besonderheiten

Der Malerspachtel – auch als Fassadenspachtel oder Flächenspachtel bekannt – weist eine Blattbreite von bis zu 60 cm auf. Dank seiner praktikablen Größe und weil er oft mit beiden Händen genutzt wird, verfügt er über ergonomisch geformte Griffe. So kannst du lange mit arbeiten; sei es in einer Funktion Rigips-Spachtel, Trockenbau-Spachtel, Holzreparatur-Spachtel. Ganz je nach Vorhaben. Das Blatt des Malerspachtels besteht aus flexiblem Federstahl und verfügt oft über abgerundete Ecken.

Anwendungsbereich

  • Auftragen von Klebespachtelmasse
  • Verspachteln großflächiger Wände
  • Verfugen und Streichen glatter Oberflächen
  • Verputzen von Mauerwerk, Beton und Fertigbauteilen
  • Einsatz als Rigips-Spachtel, Trockenbau-Spachtel oder Holzreparatur-Spachtel möglich

 

Fugenspachtel

Besonderheiten

Der Fugenspachtel eignet sich, wie sein Name sagt, zum fachgemäßen Verspachteln von Fugen. Sein Blatt besteht aus dünnem Federstahl. Der Griffbereich wiederum ist oft als zweiteiliger und hautfreundlicher Softgriff ausgeführt. Contorion-Empfehlung: Der Fugenspachtel mit PH2-Bit aus dem Hause Stanley.

Anwendungsbereich

  • Anfertigen glatter Fugen von hoher Qualität
  • Als Kunststoffspachtel zum Verfugen in Ecken und in schwer zugänglichen Bereichen

 

Japanspachtel

Besonderheiten

Beim Japanspachtel wird das rechteckige und große Stahlblatt in einer langen Leiste aus Kunststoff gehalten. Solche Spachtelmodelle weisen typischerweise Blattbreiten zwischen 5 und 15 cm auf. Bitte beachte: Es gibt hier drei Härteabstufungen – weich, mittel und hart. Welche du brauchst, hängt von deinem Arbeitsvorhaben ab. Kauf-Tipp: Japanspachtel erhältst du oftmals in Form eines mehrteiligen Sets.

Anwendungsbereich

  • Ideal für präzises Verfüllen
  • Gut zum Glätten und Ausbessern kleinerer Flächen

 

Universalspachtel

Besonderheiten

Ein Allrounder schlechthin: Klar, auch hier spricht der Name im Grunde für sich. Universal – du kannst diesen Kellentyp für die meisten Materialien verwenden. Der Universalspachtel lässt sich also ebenfalls als Trockenbau-Spachtel, Holzreparatur-Spachtel oder Rigips-Spachtel nutzen. Seine Maße? Der klassische Standardspachtel hat ein konisches Blatt mit einer Breite zwischen 2 und 10 cm. Inspiration gefällig? Mit dem Stanley Multifunktionsspachtel machst du auf jeden Fall alles richtig.

Anwendungsbereich

  • Wegen relativ starrer Klinge sowohl zum Verspachteln als auch zum Ablösen von Tapetenresten geeignet
  • Hinweis: Nicht für höhere Qualitätsstufen geeignet

 

Stuckateurspachtel

Besonderheiten

Die relativ kleine Kelle des Stuckateurspachtels ist per s-förmigem Abstandhalter mit dem Griff verbunden. Empfehlenswerte Exemplare finden sich bei den Herstellern Jung, Jung-Henkelmann und Roll.

Anwendungsbereich

  • Für sauberes Anlegen von Kanten
  • Zum Ausbessern an dekorativen Elementen

 

Breitspachtel

Besonderheiten

Als Breitspachtel werden spezielle große Fugenspachtel, Malerspachtel und Fassadenspachtel bezeichnet. Die typische Blattbreite eines Breitspachtels liegt bei 15 – 30 cm.

Anwendungsbereich

  • Zum breiten Ausziehen von Spachtelmasse
  • Verfugen und Verputzen von Fassaden und Decken

 

Zahnspachtel

Besonderheiten

Der Zahnspachtel ist kein Utensil aus der professionellen Zahnreinigung, sondern gehört in den Handwerksbereich, ganz recht! Markant: Sein großflächiges Blatt ist an den Außenseiten gezahnt. Das ermöglicht dir ein schnelles und effektives Aufbringen von Klebstoff und Dünnbettmörtel. Man unterscheidet hier vier Zahnungsarten:

  • Dreieckzahnung
  • Spitzzahnung
  • Rechteckzahnung
  • Rundzahnung

Die besondere Bauart des Zahnspachtel gibt dir die Möglichkeit, Klebstoff dicht im Arbeitsbereich zu verteilen. Beim Knickzahnspachtel sind die Zähne zusätzlich abgewinkelt, um eine gleichmäßige Verteilung zäher Klebespachtelmassen zu erlauben.

Anwendungsbereich

  • Zum Auftragen von Klebstoff
  • Ideal für die Arbeit mit Klebespachtel und Dünnbettmörtel

 

Stoßspachtel

Besonderheiten

Der Stoßspachtel verfügt über ein starres, geschärftes Blatt aus Werkzeugstahl oder geschmiedetem Blatt. Das erlaubt dir, unter Kraftanwendung fest klebende Stoffe und festsitzende Materialien gut und sauber abzutragen. Der Entrostungsspachtel von Hagenböcker ist hierfür ein schönes Beispiel.

Anwendungsbereich

  • Spezialspachtel zum Ablösen von Tapeten- und Teppichresten
  • Leichte Stemmarbeiten in Weichholz und ähnlichen Werkstoffen

 

Eckenspachtel

Besonderheiten

Das rechteckige Blatt des Eckenspachtels ist an beiden Längsseiten im Winkel von 90° aufwärts gefalzt. Bei anderen Modellen hat das Blatt eine positive oder negative V-Form. Der Griff ist per Abstandshalter mit dem Winkel des Spachtelblattes verbunden.

Anwendungsbereich

  • Verfugen, Glätten und Verfüllen in Eckbereichen
  • Abziehen von Innenkanten und Außenkanten

 

 

Diese Vorbereitungen solltest du vor dem Spachteln treffen

Bevor du loslegst: Das A und O ist und bleibt deine gute Vorbereitung. Warum? Weil ein gutes Arbeitsergebnis einen sauberen Decken- oder Wandspachtel zwingend voraussetzt. Nur wenn dein Werkzeug stimmt, wird auch die Arbeit selbst überzeugen.

Bedenke zudem, den zu bearbeitenden Grund vor dem Verspachteln von Staub und Rückständen zu befreien. Willst du Zeit sparen, greife zur Reinigung auf einen Baustaubsauger zurück, auch als Absaugmobil bekannt. Was nicht mit der Spachtelmasse in Kontakt kommen soll, klebst du provisorisch mit Malerkrepp ab oder deckst eine Folie darüber. Alles klar?

Einen Tiefgrund gewährleistet eine gute Haftung der Masse. Der Auftrag der Grundierung erfolgt mit Schwamm oder Pinsel. Hast du vor, Bauteile im Trockenbau auf Stoß aneinanderzusetzen? Dann prüfe vor dem Anfertigen einer Eckfuge unbedingt, ob die Flanken gleichmäßig angefast sind.

 

Was muss beim Anrühren der Spachtelmasse beachtet werden?

Je nach Größe deines Spachtelvorhabens solltest du unterschiedliche Behältnisse zum Abrühren der Spachtelmasse wählen. Ganz gleich, für was du dich zum Mischen entscheidest: Die Gefäße sind vorher zu säubern, da schon kleine Schmutzteile das Abbinden und die Festigkeit beeinträchtigen können.

Für kleine Mengen reicht ein einfacher Gipsbecher aus Gummi. Für größere Mengen nimm besser einen Baueimer oder einen Mischkübel. Bei sehr großen Projekten empfiehlt es sich, wenn du direkt ein Rührwerk einsetzt. In jedem Falle gilt: Verbrauche das Spachtelmaterial innerhalb von 30 Minuten – mische daher nicht zu viel auf einmal an.

 

An die Arbeit mit dem Spachtel: Hier hilft dir dein Werkzeug

Verspachteln von Löchern

Zum Verfüllen kleiner bis mittelgroßer Löcher ist ein Malerspachtel mit flexiblem Blatt deine beste Lösung. Bist du Pragmatiker, greife bei der Auswahl der Spachtelmasse zu Fertigmasse aus der Tube. Das ist völlig okay. Nach dem Verfüllen kannst du die Oberfläche einfach glätten.

Verspachteln von Rissen

Vor dem Verspachteln von Rissen solltest du den umgebenden Putz ausreichend befeuchten. Denke daran, das Ganze nach dem Verfüllen mit Spachtelmasse vollständig aushärten lassen. Feine Risse kannst du in hoher Qualität mit acrylhaltiger Spachtelmasse verfüllen.

Verspachteln von großen Flächen

Bearbeitest du große Flächen, so verteile die Spachtelmasse am besten mit einem Decken- oder Wandspachtel in Form eines Flächenspachtels. Anschließend kannst du die Masse mit halbkreisförmigen Bewegungen bei wenig Druck abziehen. Verspachtelst du Rigips-Platten, so stabilisieren Rissbinden die Struktur.

 

Feinschliff zum Schluss: Nacharbeiten bedenken

Du hast es fast geschafft! Nach dem Auftragen der Masse mit deinem Decken- oder Wandspachtel solltest du eine kurze Zeit warten. Prüfe hin und wieder den Grad der Materialaushärtung. Nach dem vollständigen Austrocknen des Grundes kannst du nun abschließend die Spachtelmasse mit Schleifpapier glätten. Die Auswahl der Körnungen und die Intensität deiner Nacharbeit hängt von der zuvor gewählten Qualitätsstufe ab. Das war’s. Und jetzt: Darf du dich über dein Arbeitsergebnis freuen!

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerker*innen Antworten auf viele Fragen geben.

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