Passende Auszubildende finden: So geht´s

14. April 2015

Pfiffig und lernstark sollte er sein, freundlich und motiviert und ganz nebenbei auch im Kundengespräch überzeugen: Die Rede ist vom idealen Auszubildenden, den jeder Unternehmer wohl gern in seinem Betrieb einstellen würde.

In vielen Industrie- und Handwerksbranchen sind geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze jedoch Mangelware. Die Gründe dafür: Oftmals stimmen die Berufswünsche der Jugendlichen nicht mit den Angeboten der Ausbildungsstellen überein oder die Bewerber können die Anforderungen der Betriebe nicht erfüllen.

Um dennoch den passenden Auszubildenden zu finden, gilt es, den eigenen Betrieb bekannt zu machen, die Lust an Handwerks- und Industrieberufen zu wecken und aktiv mit den Vorteilen des eigenen Unternehmens zu werben. Wie das gelingen kann, zeigen wir Ihnen in den folgenden vier Schritten.

In vier Schritten zum neuen Auszubildenden

1. Mache deinen Betrieb bekannt!

Du hast einen tollen Ausbildungsplatz zu vergeben, aber niemand weiß davon? Wer auf qualifizierte Auszubildende hofft, sollte dafür sorgen, dass der eigene Betrieb bei diesen auch bekannt ist. Sei also dort präsent, wo sich junge Menschen heutzutage aufhalten.

Schulkooperationen

Eine sehr gute Möglichkeit, den eigenen Betrieb bei Jugendlichen bekannt zu machen und vom Ausbildungsberuf zu überzeugen, ist es, Schulkooperationen einzugehen.

Stelle bei Aktions- oder Projekttagen dein Handwerk und deinen Betrieb vor und stelle gemeinsam mit Schülern etwas auf die Beine. Auch Betriebshospitationen und die Teilnahme am Girls‘ Day bzw. Boys‘ Day sind tolle Möglichkeiten, bei Berufsschulen zu punkten.

Sie bieten nicht nur Schülern eine tolle Gelegenheit, deinen Betrieb als Arbeitgeber kennenzulernen, auch du selbst kannst dir einen ersten Eindruck von potentiellen Bewerbern machen. Am besten nimmst du zum Schulbesuch auch deinen aktuellen Auszubildenden mit, denn wer könnte junge Leute mehr begeistern als ein gleichaltriger Auszubildender?

Ausbildungsmessen

Eine weitere Möglichkeit, die auch ein größeres Publikum anspricht, ist die Teilnahme an Ausbildungsmessen. Mache im Gespräch mit den jungen Leuten bereits erste Interessen aus. Je nach Gewerk bietet es sich an, Musterprodukte oder gar einen ganzen Übungsplatz mitzubringen. So vermitteln konkrete Einblicke in den Arbeitsalltag und hast die Chance, junge Menschen für dein Handwerk zu begeistern.

Webseite, Soziale Netzwerke und Lehrstellenbörsen

Eine überzeugende Onlinepräsenz mit regelmäßig aktualisierten Ausbildungsplatzangeboten kann weit mehr bewirken als ein einfacher Flyer beim Arbeitsamt. Auch ein Facebookauftritt zu Ihrem Unternehmen entspricht viel eher den Kommunikationserfahrungen der Jugendlichen. Poste daher regelmäßig Ihre neuen Ausbildungs- und Betriebsangebote und gib durch Bild- und Filmbeträge auch einen Einblick hinter die Kulissen.
Über kostenfreie Lehrstellenbörsen wie beispielsweise die der IHK kannst du zusätzlich Schülerinnen und Schüler ansprechen, die ganz gezielt nach einem Ausbildungsplatz suchen.

2. Lerne deine Auszubildenden im Vorfeld kennen

Wer sich bereits vor der Ausbildung kennenlernt, kann besser einschätzen, worauf er sich einlässt. Mindestens ebenso wichtig für eine längere Zusammenarbeit wie das Talent deines Auszubildenden ist die gegenseitige Chemie und die Lust am Ausbildungsberuf.

Praktikum/Schnupperpraktikum

Insbesondere für Schüler oder Studenten sind berufspraktische Erfahrungen, die einen ersten Eindruck vom Aufgabenbereich und von der Arbeit im Betrieb vermitteln, interessant. Ein längeres Praktikum oder auch ein kurzes Schnupperpraktikum sind darüber hinaus ideale Gelegenheiten, um sich gegenseitig kennenzulernen.

So kannst du schon vor der Ausbildung abschätzen, wie verlässlich dein Mitarbeiter in Spe in der täglichen Praxis ist, ebenso kann sich dein Praktikant bewusst für oder gegen den Ausbildungsberuf entscheiden. Das erspart dir unangenehme Überraschungen.

Wichtig ist, dass die Praktikanten während ihrer Zeit im Betrieb einen guten Einblick in die Tätigkeit und ausreichend Förderung und Forderung erhalten. Es ist gar nicht so abwegig, dass dein heutiger Praktikant dein künftiger Auszubildender ist. Denke also langfristig!

3. Mache deinen Betrieb attraktiver!

Wer sich mit seinem Ausbildungsangebot auf die Bedürfnisse junger Menschen einstellt, hat bei der Auswahl des Ausbildungsbetriebs bessere Karten. Neben der Höhe der Ausbildungsvergütung, der individuellen Förderung und der Zusammenarbeit im Betrieb können auch Zusatzleistungen ein entscheidendes Kriterium sein.

Monatskarte/Bringdienst

Liegt dein Betrieb außerhalb einer Ortschaft, hast du unter Umständen von vornherein schlechtere Karten als andere Betriebe. Damit deine Auszubildende oder dein Auszubildender sicher zur Arbeit und zurück kommt, kannst du beispielsweise eine Monatskarte für den öffentlichen Verkehr oder einen regelmäßigen Bringdienst zur nächsten zentralen Haltestelle anbieten.

Wettbewerbsteilnahmen

Auch Motivation ist ein sehr wichtiger Faktor, um Mitarbeiter glücklich zu machen. Regelmäßige, von dir unterstütze Wettbewerbsteilnahmen, können dein Unternehmen daher in einem ganz besonderen Licht erscheinen lassen.

4. Sei ein Chancengeber!

Nicht alle Auszubildende haben auf dem Arbeitsmarkt dieselben Chancen. Für handwerkliche Berufe bietet sich hier eine große Chance. Gehe bei der Suche nach einem passenden Auszubildenden einen Schritt weiter und vergrößere dein Suchumfeld.

Inklusion

Inklusion, also die Integration von Menschen mit Handicaps in den eigenen Betrieb, ist ein lohnenswertes Vorhaben. Kurzfristig bietest du einem auf dem Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen eine berufliche Chance. Langfristig kann dein Unternehmen wirtschaftlich davon profitieren. Wie das funktioniert, liest du in diesem Interview: „Inklusion im Betrieb – ein Vorhaben, das sich lohnt“.

Neuorientierung für Studienabbrecher

Um Studienabbrecher in den Arbeitsmarkt zu integrieren, gibt es seit 2015 das Programm Jobstarter plus der Bundesregierung. Derzeit werden vom BMBF 18 regionale Projekte gefördert.
Im Rahmen des Programms haben die jungen Menschen die Chance auf eine verkürzte, duale Ausbildung in Handwerksberufen. Davon profitieren nicht nur die jungen Menschen: Auch dein kleiner oder mittelständischer Ausbildungsbetrieb wird mit passenden Ausbildungslösungen gestärkt und gefördert.

Assistierte Ausbildung

Förderbedürftige Jugendliche und deren Ausbildungsbetriebe können mit einer assistierten Ausbildung durch einen Bildungsträger bei einer erfolgreichen Betriebsausbildung unterstützt werden.
Sowohl die Azubis als auch die Betriebe können verschiedene Vorbereitungs- und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen, die sie selbst je nach Bedarf wählen. Somit werden Ausbildungsabbrüche minimiert und Ihr Unternehmen erhält die nötige Unterstützung, die es braucht.

Integration von Flüchtlingen

Die Wanderschaft ist in vielen Handwerksberufen bereits traditionell verankert. Angesichts der aktuellen Einwanderwellen bietet es sich mehr denn je an, auch handwerklich begabte Geflüchtete als Auszubildenden eine Chance zu geben.

In der Praxis ist es oft nicht ganz einfach, ein Bleiberecht für die Asylsuchenden bis zum Ende der Ausbildung zu erreichen. Erkundige dich daher am besten bei deiner zuständigen Handwerkskammer nach den aktuellen Möglichkeiten.

Der Flyer Flüchtlinge in Berufsausbildung des ZDH bietet Ihnen zusätzlich eine gute Übersicht über alle wichtigen Informationen zur Einstellung von Flüchtlingen. Weitere Tipps zur Vorgehensweise und zu Ansprechpartnern, findest du zum Beispiel im Internet auf der Webseite der HWK Stuttgart.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerkern Antworten auf viele Fragen geben.

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