Schraubzwingen halten, spannen & pressen

8. März 2018

Bei vielen Arbeiten sind Werkstücke hohen Kräften ausgesetzt. Ob beim Bohren, Fräsen oder Schweißen – ohne zuverlässige Fixierung wäre eine sichere Bearbeitung nicht möglich. Schraubzwingen in guter Qualität – wie die von vielen Handwerkern genutzte Bessey Schraubzwinge – sind schon seit vielen Jahren fester Bestandteil im Werkzeug-Arsenal eines Handwerkers. Die unscheinbaren Helfer halten ein Werkstück mit eiserner Hand fest und können enorme Anpresskräfte aufbauen. Die Spannmittel erleichtern das Verleimen ebenso wie das Schleifen. Der Markt hält eine Vielzahl von Schraubzwingen Größen bereit. Welche Schraubzwinge für welche Arbeit?

1. Was ist eine Schraubzwinge?

Schraubzwingen unterstützen die Bearbeitung von Werkstücken. Genutzt werden Schraubzwingen zum:

  • Fixieren
  • Pressen
  • Verbinden

Eine Schraubzwinge für die Werkbank fixiert ein Werkstück vorübergehend oder auch über einen längeren Zeitraum sicher und unverrückbar. Verbreitet ist das Spannmittel vor allem als selbsthemmende Schraubzwinge für Führungsschiene in der Holz- und Metallbearbeitung. Die in vielen Größen und Varianten erhältlichen Spannwerkzeuge sind für Tischler ebenso unentbehrlich wie für Schlosser.
Schraubzwinge in der Holzbearbeitung
Auch im Modell- und Formenbau ist die gut dosierbare Anpresskraft von Schraubzwingen gefragt. Bei der Größe werden Schraubzwingen nach Spannweite und Ausladung unterschieden. Die häufigste Verwendung finden Schraubzwingen mit Spannweiten von 100 bis 1000 mm und mit Ausladungen von 50 bis 175 mm. Für große Schraubzwingen ist auch der Begriff Schraubknecht üblich. Große Schraubknechte haben Spannlängen bis zu einer Länge von 3.000 mm und Tiefen zu 500 mm.

2. Wie funktioniert eine Schraubzwinge?

Eine Schraubzwinge presst zwei Objekte fest gegeneinander und benutzt dafür zwei Spannarme genannte Ausleger. Beide Spannarme sind mit einer Schiene verbunden, auf der sich einer der Spannarme frei bewegen lässt. Schiene und Spannarm sind konstruktiv so ausgeführt, dass sich der freie Spannarm nach jedem Einstellen selbstständig verkantet.
Schraubzwinge im Einsatz
So lässt sich eine Schraubzwinge befestigen:
Zum Werkstück einspannen wird der bewegliche Spann­arm herangeschoben. Am fest mit der Schiene verbundenen Spannarm liegt das Werk­stück jetzt an einer Spannbacke an. Ihr Gegenpart ist eine Kugel­druckplatte, die auf einer durch den beweg­lichen Spannarm geführten Gewindespindel sitzt. Mittels Anziehen der Gewindespindel wird das Werkstück mit der gewünschten Spannkraft fixiert.

Die Anpresskraft wirkt nur auf eine begrenzte Fläche des Werkstücks ein. Spannbacke und Kugel­druck­platte sind daher meist mit Kunst­stoff­schutz­kappen versehen, die einer Beschä­di­gung des Werkstücks vorbeugen sollen. Um die Anpresskraft beim Verleimen und anderen Arbeiten besser zu verteilen, werden vor allem für Werkstücke aus Holz und Kunststoff sogenannte Zulagen oder Druckplatten verwendet. Mit geeigneten Druckplatten für Schraubzwingen lässt sich die Anpresskraft alternativ auch gezielt auf bestimmte Punkte konzentrieren.

3. Welche Arten von Schraubzwingen gibt es?

Temperguss-Schraubzwinge
STIER Temperguss-Schraubzwinge
Definition: hohe Steifheit

Anwendungsbereiche:
universell, Schwerpunkt Holzbearbeitung

Vorteil:
vibrations- und resonanzfreie Fixierung

Nachteil:
unelastisch

Ganzstahl-Schraubzwinge
Bessey Ganzstahl-Schraubzwinge
Definition:
leicht federndes, elastisches Verhalten

Anwendungsbereiche:
Werkstücke aus Metall

Vorteil:
absorbiert Schwingungen des Werkstücks

Nachteil:
kann Vibrationen erzeugen und verstärken

Tiefspannschraubzwinge
Bessey Tiefspann-Schraubzwingen
Definition:
große Schraubzwingen mit ausladenden Backen

Anwendungsbereiche:
homogene Druckpunktverteilung in Verbindung mit weiteren Schraubzwingen

Vorteil:
setzt den Anpresspunkt in weitem Abstand zum Werkstückrand

Nachteil:
unhandlich

C-Schraubzwinge
Bessey C-Schraubzwinge
Definition:
simpel aufgebaute Schraubzwinge ohne Schiene

Anwendungsbereiche:
randnahe Fixierung und Verleimung

Vorteil:
handlich, günstig, platzsparend

Nachteil:
geringe Tiefe

Hochleistungszwinge
Bessey Hochleistungszwinge
Definition:
zum Aufbau eines hohen Anzugsdrehmoments

Anwendungsbereiche:
Baugewerbe und Industrie

Vorteil:
hohe Anpresskräfte realisierbar

Nachteil:
hohe Investition

Sparrenzwinge
Bessey Sparrenzwinge
Definition:
Spezialzwinge für Dachkonstruktionen und ähnliche Holzkonstrukte

Anwendungsbereiche:
Dachkonstruktionen

Vorteil:
hohe Anpresskraft

Nachteil:
hohes Gewicht, unhandlich

Parallel-Schraubzwinge
Bessey Parallel-Schraubzwinge
Definition:
Schraubzwinge mit zwei Gewindespindeln

Anwendungsbereiche:
spezielle Anwendungsfelder

Vorteil:
Spannflächen bewegen sich stets parallel

Nachteil:
keine Führungsschiene

Greifarmzwinge
Bessey Greifarmzwinge
Definition:
Zwinge mit außenliegender Gewindespindel

Anwendungsbereiche:
Schweißarbeiten, Metallbearbeitung

Vorteil:
hoher Freiraum zur Bearbeitung eines Werkstücks

Nachteil:
spezielle Anwendungsfelder

Polschweißzwinge
Bessey Polschweißzwinge
Definition:
Spezialzwinge für Schweißarbeiten

Anwendungsbereiche:
Schweißarbeiten

Vorteil:
Anschlussmöglichkeit eines Erdungskabels

Nachteil:

4. Wie wendet man eine Schraubzwinge richtig?

Vor dem Griff zur Schraubzwinge steht die Überlegung, welche Schraubzwinge für die geplante Arbeit und das zu bearbeitende Werkstück den besten Zweck erfüllt. Die Auswahl sollte sowohl die Art als auch die Größe der Schraubzwinge berücksichtigen. Eine kleine Schraubzwinge kann weder einen hohen Anpressdruck aufbauen, noch bringt sie die für viele Werkstücke erforderliche Tiefe mit. Die Nutzung von Zulagen hängt vom Werkstoff und der erwünschten Verteilung des Anpressdrucks ab.
Verwendung einer großen Schraubzwinge
Im professionellen Bereich sollen Schraubzwingen zuverlässig über viele Jahre ihren Dienst tun, daher zahlt sich eine hohe Verarbeitungsqualität und Werkstoffgüte aus. Bei Verwendung großer Schraubzwingen mit langen Knebeln sollten die gehebelten Anpresskräfte nicht unterschätzt werden. Je nach Werkstoff kann schon ein kleiner Dreh zu viel zu einer Beschädigung des Werkstücks führen.

Besteht noch keine ausreichende Erfahrung mit einem bestimmten Werkstoff, sollte die optimale Anpresskraft an einem Stück Rest- oder Ausschussmaterial erprobt werden. Bei Verwendung mehrerer Schraubzwingen ist auf eine an allen Punkten gleichmäßig anliegende Spannkraft zu achten. Punktuelle Druckbelastungen lassen sich durch den Einsatz geeigneter Druckplatten vermeiden.

5. Welches Zubehör gibt es für Schraubzwingen?

Zwingenwagen Für die Suche nach der richtigen Schraubzwinge in der richtigen Größe sollte keine Zeit verschwendet werden. Wer viele Schraubzwingen aufbewahren und Ordnung halten will, kann einen Zwingenwagen nutzen. Der Zwingenwagen lässt sich einfach von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz rollen und steht so nie im Weg.
Rohrspanner Das Einspannen von Rohren erleichtert ein Rohrspanner-Set für Schraubzwingen. Bei Verleimungen und anderen Arbeiten darf oftmals eine bestimmte Anpresskraft nicht unterschritten werden. Hier schafft ein Spannkraftindikator Sicherheit und vermeidet eine zu hohe Belastung des Werkstücks.
Federzwingen Ein Knebelaufsatz erleichtert das Drehen der Gewindespindel und entlastet die Hand. Verschlissene Spannbacken lassen sich schnell mit Wechseldruckplatten ersetzen. Federzwingen sind einfach zu bedienende Einhandzwingen und erlauben das schnelle Fixieren zwischendurch. Ein Schraubzwingen Set hält eine in der Größe gut abgestimmte Kollektion von Schraubzwingen bereit.

6. Glossar

Spannbacken
Spannbacken stellen die Anpresspunkte her und fallen je nach Schraubzwinge unterschiedlich groß aus. Zur Schonung des Werkstücks sind sie oft mit Kunststoffkappen versehen.

Spannarme
Spannarme sind die beiden Ausleger der Schraubzwinge. An ihren Enden sitzen die das Werkstück klammernden Spannbacken. Bei der für Holz- und Metallbearbeitung eingesetzten Moment-Schraubzwinge ist der bewegliche Spannarm statt mit einer Spannbacke mit einer Kugeldruckplatte ausgestattet.

Gewindespindel
Durch Anzug der Gewindespindel wird die Anpresskraft aufgebaut. Zur besseren Dosierung ist die Spindel meist mit einem Knebel ausgestattet.

Temperguss
Temperguss ist ein optimiertes Herstellungsverfahren für Gusseisen. Auf Grund einer speziellen Wärmebehandlung ist Temperguss weniger bruchgefährdet als Gusseisen.

Moment-Schraubzwinge
Die heute gebräuchlichste Form der Schraubzwinge. Besonderes Merkmal der Moment-Schraubzwinge ist die selbsthemmende Führungsschiene. Andere Bauarten ohne Führungsschiene sind die C-Schraubzwinge und die Parallel-Schraubzwinge.

Isabelle

Handwerkern auf die Finger und über die Schulter schauen: Ich interessiere mich vor allem für spannende Geschichten aus der Praxis.

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