Nachhaltigkeit im Unternehmen

9. Dezember 2020

Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sondern ein fester Bestandteil der Identität vieler Unternehmen und Privatpersonen. Gerade im Handwerk wird schon seit jeher ein Fokus auf nachhaltiges Arbeiten gelegt – schließlich geht es darum, bleibende Werte zu erschaffen und zu bewahren.

Welche Aspekte von Nachhaltigkeit sind im Handwerk aktuell besonders wichtig und wo kannst du ansetzen, um noch nachhaltiger zu arbeiten? Dieser Überblicksartikel liefert dir einen umfassenden Einstieg ins Thema.

Nachhaltigkeit – lohnt sich das überhaupt?

Nachhaltiges Arbeiten ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern zahlt sich für Unternehmer auch aus: Ressourcenschonendes Wirtschaften und vorsorgender Umweltschutz reduzieren Kosten und Risiken. Zudem bevorzugen immer mehr Menschen nachhaltige Materialien, Produkte und Arbeitsverfahren. Handwerksbetriebe mit umweltbewusster Betriebsführung können damit bei ihren Kunden zusätzlich punkten.

Viele Unternehmer haben die Chancen von nachhaltigem Arbeiten bereits erkannt – laut einer repräsentativen Umfrage des Statistik-Portals Statista ist Nachhaltigkeit für immerhin 43 Prozent der Betriebe in Deutschland ein wesentlicher Bestandteil ihrer Unternehmensphilosophie. 74 Prozent aller Unternehmen bestätigen darüber hinaus, dass Investitionen in Nachhaltigkeit den Unternehmenswert steigern.

Nachhaltiges Arbeiten im Handwerk: Diese Bereiche sind wichtig

Energieeffizienz

Ohne den Einsatz des Hand­werks bei der ener­ge­ti­schen Sanie­rung von Gebäuden oder der Umstellung auf rege­ne­ra­ti­ve Ener­gien wäre die Umsetzung von Klimaschutzzielen in Deutschland undenkbar. Schließlich bauen Handwerker sämtliche Innovationen und Produkte ein, die für die Energiewende benötigt werden.

Gerade beim Thema Hausbau spielt Nachhaltigkeit für die Deutschen bereits eine Schlüsselrolle: 73 Prozent wollen hierbei möglichst viele Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen, 70 Prozent möchten ihr Eigenheim komplett mit Ökostrom versorgen können. Das Handwerk ist in diesem Bereich nicht nur ausführender Dienstleister, sondern spielt auch bei der Entwicklung innovativer, nachhaltiger Konzepte für eine verbesserte Energieeffizienz eine wichtige Rolle.

Auch Handwerksbetriebe selbst können durch effizienteren und nachhaltigeren Energieverbrauch die eigene Ökobilanz verbessern und Kosten einsparen, etwa durch

  • die Umstellung auf Ökostrom/die Installation von Sonnenkollektoren auf dem Dach des Betriebes,
  • lokale Maßnahmen der Energieeinsparung wie Zeitschaltuhren für Lichtschalter und effizientere Leuchtmittel,
  • die Erneuerung der Heizung und effizientes Heizen,
  • das Umsatteln auf alternative Kraftstoffe im eigenen Fuhrpark – so kann auch der CO2-Verbrauch verringert werden.

Ressourcenschutz und alternative Baustoffe

Der maßvolle Umgang mit den verfügbaren Ressourcen ist einer der grundlegenden Aspekte von Nachhaltigkeit. Nachhaltige handwerkliche Produkte zeichnen sich vor allem durch ihre Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit und Reparaturfreundlichkeit aus.

Vor allem nachwachsende Rohstoffe werden im Handwerk zunehmend wichtiger: 82 Prozent der potenziellen Häuslebauer in Deutschland setzen auf die Verwendung dieser ökologischen Baustoffe. Denn deren Vorteile sind vielfältig: Natürliche Rohstoffe wie Holz lassen sich einfach umweltgerecht entsorgen, bei ihrer Verwendung fallen weit weniger Substanzen an, die mit hohem Aufwand entsorgt oder recycelt werden müssen. Zudem sind sie energieeffizienter als viele andere Materialien.

Während Schätzungen zufolge sechs bis neun Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen auf die Betonproduktion zurückzuführen sind, sind alternative Baustoffe im besten Fall klimaneutral.

Wer die Umweltauswirkung der verwendeten Baumaterialien berechnen möchte, kann dafür eine sogenannte Ökobilanz erstellen. Diese erfasst den kompletten ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes oder Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus.

Informationen zur Umweltauswirkung der unterschiedlichsten Materialien können etwa in der Datenbank des Instituts für Bauen und Umwelt abgerufen werden. Für die Ökobilanz muss der Fußabdruck aller verwendeten Materialien einfach nur aufsummiert werden. Dazu kommen gegebenenfalls die Umweltauswirkungen für die Energieversorgung und Wartung.

Welche Rolle in deinem Betrieb Ressourcenschutz und alternative Baustoffe spielen, kannst du unter anderem mit den folgenden Fragen herausfinden:

  • Verwendest du für deine Arbeit verschiedene nachwachsende Rohstoffe?
  • Spielt das Thema Ressourcenschonung bei deinem Wareneinkauf eine Rolle?
  • Bietest du langlebige und reparaturfreundliche Produkte an?
  • Berätst du deine Kunden zum Thema Ressourcenschutz?
  • Trägst du durch Reparatur- und Wartungsarbeiten zur Ressourcenschonung bei?

Regionalität

Viele Handwerksbetriebe haben eine enge Verbundenheit zu ihrer Region und tragen durch ihre Dienstleistungen und Produkte zu einer nachhaltigen Entwicklung ihrer Umgebung bei. Durch die Nutzung regionaler Ressourcen können sie nicht nur ihre Klimabilanz verbessern, sondern auch lokale Wirtschaftskreisläufe in Gang halten.

Diese Fragen helfen dir dabei, herauszufinden, ob du im Bereich der Regionalität schon nachhaltig wirtschaftest:

  • Beziehst du deine Produkte, Materialien, Rohstoffe und Geräte bevorzugt von Lieferanten aus deiner Region?
  • Unterstützen du oder deine Mitarbeiter die Region durch ehrenamtliche Tätigkeiten?
  • Kooperierst du mit Einrichtungen oder anderen Betrieben aus deiner Region?
  • Bietest du Produkte oder Dienstleistungen an, die für deine Region typisch sind?

Nachhaltige Technologien

Die Digitalisierung schafft für Handwerksunternehmen nicht nur viel Potenzial für Innovation, sie ermöglicht es auch, bestehende Geschäftsmodelle und traditionelle Fertigungsweisen nachhaltiger auszurichten. So kann etwa mit digitalen Dienstleistungen wie der Fernwartung „smarter“ Produkte auch der Einsatz von Ressourcen verringert werden. Software-Programme überprüfen die Betriebsfähigkeit von Maschinen und stellen selbstständig fest, wann eine Wartung benötigt wird. Digitale Buchführungstools können dabei helfen, Papier zu sparen und klimafreundlicher zu arbeiten.

 

  • Wie sehr setzt du bereits auf die Digitalisierung, um nachhaltiger zu arbeiten?
  • Verfolgst du neue Entwicklungen und Innovationen im Bereich der Digitalisierung des Handwerks?
  • Nimmst du frühzeitig innovative digitale Produkte oder Dienstleistungen in dein Angebot auf?

Soziale Aspekte

Nachhaltigkeit hat nicht immer mit Ressourcenverbrauch oder dem Klimaschutz zu tun. Ganz im Gegenteil: Soziale Aspekte spielen eine grundlegende Rolle, wenn ein Betrieb nachhaltig geführt werden soll. Verschiedene Maßnahmen können für ein besseres Arbeitsklima, mehr sozialen Zusammenhalt und eine stärkere Identifikation der Angestellten mit dem Betrieb sorgen – Grundvoraussetzungen für einen langen Verbleib im Unternehmen.

Die folgenden Beispiele sind nachhaltige soziale Maßnahmen, die deinen Beschäftigten und damit auch deinem Betrieb unmittelbar zugutekommen:

  • Eine hohe Mitarbeiterbeteiligung
  • Transparenz und ein offenes Ohr gegenüber deinen Beschäftigten
  • Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Die Gesundheitsförderung deiner Mitarbeiter
  • Angebote zur Weiterbildung

Auch die Ausbildung ist ein wichtiger sozialer Aspekt der Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben. Sie ist im Handwerk traditionell stark verankert und trägt durch das Eingliedern junger Menschen in das Arbeitsleben zur gesellschaftlichen Stabilität bei. Wenn du selbst ausbildest, sicherst du dir Zugriff auf qualifizierte Fachkräfte von morgen und verbesserst im Idealfall auch den Ruf deines Unternehmens.

Diese Fragen helfen dir herauszufinden, ob du in sozialer Hinsicht in deinem Betrieb nachhaltig agierst:

 

  • Förderst du die Eigenverantwortlichkeit und Mitgestaltung deiner Angestellten?
  • Gibt es Konzepte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
  • Bildest du in deinem Betrieb junge Mitarbeiter aus?
  • Hast du in deinem Jahresbudget einen festen Betrag für betriebliche Weiterbildungen eingeplant?

Nachhaltigkeit: Anlaufstellen für Handwerksbetriebe

  • Möchtest du überprüfen, wie nachhaltig dein Betrieb bereits arbeitet? Dann kannst du online den Nachhaltigkeits-Check für Handwerksbetriebe durchführen. Dieser gibt dir praxisnahe Empfehlungen rund um Nachhaltigkeit und hilft dir dabei, weitere Potenziale in deinem Betrieb zu erkennen.
  • Der deutsche Nachhaltigkeitskodex für Unternehmen ist ein branchenübergreifender Transparenzstandard mit 20 verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien. Mit ihm kannst du deine Leistungen im Bereich der Nachhaltigkeit kostenlos sichtbar machen und vergleichen. Darüber hinaus kann er dich beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen und dir die praktische Umsetzung erleichtern.
  • Wenn du auf der Suche nach Schulungen im Bereich Nachhaltigkeit bist, lohnt sich ein Blick auf die Website der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk. Hier findest du verschiedene Workshops rund um die zukunftsfähige Betriebsführung.

Christina

Christina ist Texterin und Branding-Strategin und unterstützt Start-ups dabei, in ihrer Kommunikation den Nagel auf den Kopf zu treffen.

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