Warum es sich lohnt, noch in diesem Jahr zu investieren

27. Januar 2017

So kurz vor dem Jahresende ist Endspurt angesagt. Um sich für das Jahr 2017 noch steuerliche Vorteile zu sichern, sollten Sie jetzt aktiv werden. Wer bis Ende 2017 in geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 410 Euro investiert, kann diese in der Steuererklärung noch in diesem Geschäftsjahr geltend machen und komplett abschreiben. Dies lohnt sich vor allem für Betriebe, die in diesem Jahr höhere Gewinne verbuchen konnten.
Im Artikel klären wir darüber auf, welche Güter als GWG gelten, an welche Bedingungen die Sofortabschreibung geknüpft ist und welche weiteren Abschreibungsmöglichkeiten bestehen.
Karin Schopp, Vizepräsidentin der Steuerberaterkammer Berlin:

„Für die meisten Betriebe ist es problematisch, wenn der Steuersatz hochschnellt – denn dann steigen auch die Vorauszahlungen. Durch Investitionen, die bei der Steuer abgeschrieben werden, können Gewinnüberschüsse minimiert werden, denn am Ende des Jahres muss nur die Summe versteuert werden, die als Gewinn übrigbleibt.“

Was sind geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)?

Als geringwertige Güter, auch GWG genannt, gelten abnutzbare Gebrauchsgegenstände, die beweglich oder auch flexibel nutzbar sind und einen Wert von 150,01 bis 410 Euro haben. Es gilt: Anschaffungen müssen immer separat nutzbar sein.
Beispiel 1: Eine Bohrmaschine ist ein klassisches GWG. Sie kann separat eingesetzt werden, ist abnutzbar und flexibel. Weitere GWG, die diese Kriterien erfüllen, sind beispielsweise Leitern oder Messgeräte. Wird hingegen ein neuer Teppich im Betrieb verklebt, gilt er nicht als GWG und kann somit nicht sofort abgesetzt werden.
Beispiel 2: Ähnlich verhält es sich mit Kabeln zur Vernetzung einer EDV-Anlage. Auch sie sind kein GWG. Sie gehören unmittelbar zur Anlage dazu und sind nicht einzeln nutzbar. Dementsprechend sind auch Antriebsmotoren für ein technisches Gerät kein GWG. GWG können allerdings Elektrowerkzeuge oder Handwerkzeuge mit einem entsprechenden Anschaffungswert sein.
Wichtig: Bei GWG zählt immer der Netto-Anschaffungspreis inklusive der Kosten für Transport und Versicherung. Alle Anschaffungen unter 150 Euro netto sind keine GWG. Sie können als Betriebsausgaben verbucht oder über die Nutzungsdauer gemäß der AfA-Tabelle abgeschrieben werden.

Worauf sollte man achten, damit GWG abgeschrieben werden können?

Alle GWG müssen einzeln abgerechnet werden können
Kauft man beispielsweise eine Bohrmaschine und mehrere Schraubendreher und Schraubenschlüssel im Set zu einem Gesamtpreis von 500 Euro, können die Werkzeuge nicht mehr einzeln und direkt in der Steuererklärung abgeschrieben werden. Werden alle Bestandteile jedoch einzeln gekauft oder auf einer Gesamtrechnung einzeln mit einem Preis von 150,01 bis 410 Euro ausgewiesen, können sie steuerlich als GWG geltend gemacht werden. Kauft der Betriebschef zum Beispiel zehn Werkstattwagen zum Preis von je 300 Euro netto ein, so kann er 3.000 Euro sofort abschreiben.
GWG müssen noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden
Für die Anerkennung der Abschreibungen sind das Rechnungsdatum und das Lieferdatum entscheidend! Das heißt, wenn die Waren inklusive Rechnung vor Silvester beim Kunden angekommen sind, können die Anschaffungen steuermindernd wirksam werden.

Welche weiteren Abschreibungsmöglichkeiten bestehen neben der Sofortabschreibung?

Pool-Abschreibung
Alle angeschafften GWG im Wert von 150,01 bis 1000 Euro können auch gesammelt über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg abgeschrieben werden. Diese Abschreibungsform kann dann vorteilhaft sein, wenn für das aktuelle Jahr schlechte Betriebszahlen zu erwarten sind und man davon ausgeht, dass sich das Ergebnis in den kommenden Jahren verbessern wird.
Abschreibung über die Nutzungsdauer
GWG bis 410 Euro können auch über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Bei Anschaffungen mit einem Wert ab 1.000,01 Euro netto besteht diese Wahlmöglichkeit nicht. Sie werden regulär über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Als Orientierung zur Schätzung der Nutzungsdauer dienen die Angaben in den amtlichen AfA-Tabellen. Die Dauer der Abschreibung richtet sich nach der jeweiligen Nutzungsdauer des Wirtschaftsguts.
Investitionsabzugsbetrag
Für ganz kleine Betriebe mit einer Bilanzsumme bis zu 235.000 Euro und Gewinnen bis zu 100.000 Euro (nach Überschussrechnung) können auch den sogenannten Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nehmen. 40 Prozent der Anschaffungskosten können sofort abgezogen werden. Die entsprechenden Anschaffungen müssen dann in den beiden Folgejahren getätigt werden.
Wichtig: Es kann nur jeweils ein Verfahren für die Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern im Kalenderjahr eingesetzt werden.
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Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen der Orientierung. Sie ersetzen keine steuerliche Beratung durch fachkundige Experten. Die Contorion GmbH übernimmt keine Gewährleistung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Angaben.

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerkern Antworten auf viele Fragen geben.

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