Fertigungsverfahren: eine Übersicht

11. Juli 2020

Schleifen, Lackieren, Fräsen, Walzen: Wir gehen tagtäglich wie selbstverständlich mit diesen Begriffen um. Doch nicht jeder weiß, wie diese verschiedenen Fertigungsverfahren eigentlich eingeordnet und voneinander abgegrenzt werden. Wir bringen Klarheit in das Wirrwarr an Begriffen.

Zeit, das Lexikon der Meister zu wälzen! Wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir von Fertigungsverfahren reden? Nach Definition handelt es sich um verbindliche Techniken zur Materialbearbeitung, die zur Herstellung von geometrisch bestimmten festen Körpern angewandt werden. Etwas einfacher ausgedrückt: klare Regeln, um Werkstücke fachgemäß im Handwerk herzustellen bzw. zu bearbeiten. Es gibt eine Vielzahl solcher Einordnungen, grundsätzlich unterteilt in sechs große Gruppen – und gefolgt von weiteren Untergruppen und Varianten. Sie alle finden sich in der DIN 8580 wieder. Die gebräuchlisten Fertigungsverfahren stellen wir dir nachfolgend mit einer kurzen Erklärung vor. 

Hauptgruppe 1: Urformen

Fertigungsverfahren gibt es derart viele, das für uns in dieser Liste auf eine Auswahl der für das Handwerk wichtigsten und interessantesten beschränken. 

Damit ein Werkstoff überhaupt erst entsteht, muss dieser aus einem formlosen Stoff hergestellt und dadurch in feste Form gebracht werden. Das nennt man Urformen. Das Ausgangsmaterial liegt entweder flüssig oder als Pulver vor– in der Regel ein Metall oder Kunststoff. In diese Gruppe wird unter anderem das Gießen (Erstarren zu fester Form), Spinnen, Sintern (von Metallschaum und mehr) sowie Rapid Prototyping klassifiziert.

Hauptgruppe 2: Umformen

Ist der feste Werkstoff bereits vorhanden, kann dieser umgeformt werden. Darunter versteht man ein Umlagern der Stoffteilen, ohne anderes Material hinzuzunehmen oder Stoff zu entfernen. Feste Rohteile werden also einfach in ihrer Form bzw. äußerlichen Gestalt verändert. Die Werkstoffmasse bleibt gleich. Zu den wichtigsten Verfahren dieser zweiten Hauptgruppe sind das Schmieden und Walzen (Bearbeiten größerer Bauteile),  Tiefziehen, Ziehen, Prägen, Drücken und Biegen (von Blechteilen) zu zählen – um nur einige zu nennen. 

Hauptgruppe 3: Trennen

An Stelle Drei führen wir ein grundsätzliches Fertigungsverfahren an, das zur Weiterbearbeitung nahezu jeden Materials im Handwerk von großer Wichtigkeit ist: Die Rede ist vom Trennen bzw. dem Trennverfahren. Auch hier findet eine Formänderung statt, allerdings rein durch Wegnehmen eines Teil vom Werkstoff. Das Material wird schlicht gesagt geteilt.  Hierbei ist natürlich das Zerspanen zu nennen. Weiterhin fallen in diese Gruppe auch das Feilen, Fräsen (beispielsweise von Maschinenbauteilen), Sägen (Holzbauteile), Scherschneiden, Drehen, Keilschneiden und Schleifen.

Hauptgruppe 4: Fügen

Eines gehört an das Andere: Als Fügen bezeichnet man das dauerhafte Verbinden oder Zusammenbringen verschiedener miteinander ähnlicher und fester Werkstücke mit nicht-festen Werkstücken. In diesem Bereich ordnet man weithin geläufige Verfahren wie Verschrauben, Schweißen, Löten, Kleben, Nieten, und Nageln ein; zum Beispiel mit Schrauben, Nägeln oder speziellen Klebstoffen.

Schweißer arbeitet in einem Industrieunternehmen

Hauptgruppe 5: Beschichten

Metalle, Textilien, Folien und und und: Fast alle Ausgangs- und Werkstoffe eignen sich zum Beschichten. Was dabei genau gemacht wird? Schaut man in Fachbüchern nach, erhält man eine knappe und deutliche Erklärung: Beim Beschichten handelt es sich um Fertigen durch gezieltes Aufbringen einer formlosen Haftschicht an ein geformtes festes Werkstück. Das passiert durch Lackieren (etwa von Holzbauteilen), beim Feuerverzinken (üblich an Verbundteilen von Treppen oder Brücken), Aufdampfen, Galvanisieren oder Wirbelsintern.

Hauptgruppe 6: Stoffeigenschaften ändern

Zum Schluss wollen wir ein Fertigungsverfahren nicht unbeachtet lassen, das in entscheidendem Maße besonders zur Arbeit im Maschinenbau an metallischen Werkstoffen sehr wichtig ist: Beim Ändern von Stoffeigenschaften verfolgt man in der Regel das Ziel, den Gebrauch eines Metalls zu vereinfachen. 

Wie konkret? Durch Aussondern, Einbringen oder Umlagern der Stoffteilchen. Es handelt sich hierbei um eine Fertigungsmethode durch Verändern der grundsätzlichen Werkstoffeigenschaften. Das schließt Wärmebehandeln, mit ein – in erster Linie Härten und Glühen, etwa bei der Herstellung von Radreifen oder Drähten.

Kai

Als freier Texter mit Fokus auf Website-Kommunikation und Online-Magazine unterstützt Kai Unternehmen aus Berlin und ganz Deutschland.

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1 Kommentar

  1. Jörg Schmidt

    Schleifen, fräsen, umformen, trennen, fügen und beschichten sind Begriffe die ich der polytechnischen Schulausbildung sowohl theoretisch wie praktisch erlebt habe. Leider kann heute ja Mathematik gegen Kunst abgewählt werden. Kein Wunder das „Handwerker“ keine Nachfolger finden.

    PS: Habe HW für Estrich gesucht. Ja am … machen wir das. Keine Ansage zum Termin einfach weg geblieben. Habe Fa. für Wintergarten. In 12 Wochen steht das Teil fix und foxi! Wir bauen eine Woche. In zwei Wo ist 1/2 Jahr um und immer noch nicht fertig. Angefragt wegen einer Treppe für den Wintergarten. AW – das geht bei Ihnen nicht wie sie das möchten!

    Ich kaufe gern auf der Plattform. Aber nur weil es keine Handwerker gibt die einen Auftrag annehmen und auch nach Zusage erledigen.

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