Das duale Ausbildungssystem in Deutschland

7. Juli 2020

Wer in Deutschland einen Beruf erlernt, wird dabei sehr wahrscheinlich das duale Ausbildungssystem durchlaufen. Rund 350 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe sind aktuell nach dem dualen System aufgebaut – das sind fast 80 Prozent aller Ausbildungsberufe in Deutschland.

Was genau versteht man unter dem dualen Ausbildungssystem?

Dual (abgeleitet vom lateinischen Wort dualis) bezeichnet die Ausbildung an zwei Lernorten. Dabei wird der theoretische Teil in der Berufsschule, der praktische Teil im Ausbildungsbetrieb vermittelt. Zwar liegt der Fokus auf dem Erwerb von praktischen Qualifikationen und den beruflichen Handlungsfähigkeiten. Doch belegen Berufsschüler und -schülerinnen in der Schule auch allgemein-bildende Fächer wie Deutsch, Ethik und Politik. Dadurch erhalten Auszubildende eine gute Allgemeinbildung.

Eine duale Ausbildung dauert in der Regel 2,5 bis 3,5 Jahren und wird vergütet. Je nach Beruf, Branche und Betrieb verdienen Auszubildende bis zu 1.000 Euro monatlich. Dies ist zum Beispiel auch bei einigen handwerklichen Berufen der Fall, beispielsweise beim Dachdecker.

Neben der dualen Ausbildung gibt es noch die ausschließlich schulische Ausbildung wie die Beamten- und Abiturientenausbildung sowie das duale Studium.

Vor- und Nachteile einer dualen Berufsausbildung

Ausbildungsjahre sind keine Herrenjahr: Das ist wohl einer der beliebtesten Sprüche, wenn es um das Thema Ausbildung geht. Du bist dir nicht sicher, ob eine Berufsausbildung etwas für dich ist? Hier sind einige Vor- und Nachteile in der Übersicht.

Vorteile duale Ausbildung Nachteile duale Ausbildung
Im Gegensatz zu einem Studium wird eine duale Ausbildung vergütet In der Regel verdienen Facharbeiter nicht schlecht, dennoch weniger als ein Akademiker
Durch den Praxisbezug erlernst du sofort anwendbare FähigkeitenGeringe Aufstiegsmöglichkeiten, es sei denn, es besteht die Möglichkeit, die Meisterprüfung zu absolvieren
Die Chancen sind hoch, bei guten Leistungen nach der Ausbildung von dem Betrieb übernommen zu werden
Für einen Ausbildungsberuf sind keine höheren Schulabschlüsse vorgegeben
Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist in vielen Fällen die Voraussetzung für viele Studiengänge

Warum finden Auszubildende und Betriebe immer schwerer zusammen?

Obwohl das duale Ausbildungssystem sogar weltweit sehr angesehen ist, bleibt jedes Jahr knapp ein Drittel der Lehrstellen unbesetzt. Im Jahr 2018 waren das rund 58.000 Lehrstellen. Hierfür gibt es gleich mehrere Ursachen:

  1. Das Passungsproblem: Bewerber sind aus der Sicht der Betriebe nicht genügend qualifiziert. Und das obwohl für eine Ausbildung keine besondere Qualifikation vorgegeben ist. Oft sind auch die Betriebe für die Bewerber nicht attraktiv genug.
  2. Bewerbermangel: Es gibt einfach zu wenig Bewerber und Bewerberinnen für duale Ausbildungen. Dies betrifft insbesondere das Handwerk.
  3. Schlechte Erreichbarkeit: Ungefähr ein Drittel der Lehrstellen bleiben leer, weil die Betriebe in Regionen liegen, in denen es keine Interessenten gibt. Gleichzeitig wollen potenzielle Auszubildende selten für eine Ausbildung den Wohnort wechseln.

Duale Ausbildung im Handwerk: deine Zukunftschancen

So viel steht fest: Die Perspektiven, sich nach der dualen Ausbildung weiterbilden zu können, werden immer besser. Wer motiviert ist, hat die Möglichkeit, in Anlehnung an seine Ausbildung ein Studium zu absolvieren. Das ist auch berufsbegleitende möglich. Berufsakademien bieten Studiengänge an, die du am Wochenende oder abends absolvieren kannst. Eine Ausbildung und aufbauend ein Studium: Diese Kombination ist die beste Voraussetzung für eine Führungsposition.

Wer jetzt schon anfängt im Kopf mitzurechnen, wie lange es dauert, bis man endlich ausgelernt hat, den können wir beruhigen. Abiturienten haben die Möglichkeit, direkt im zweiten Lehrjahr in eine duale Ausbildung einzusteigen und so etwas Zeit zu sparen.

Und wie sieht es am Ende mit der Bezahlung aus? Im Vergleich verdienen Meister und Personen mit einem Bachelorabschluss gleich viel.

Welche Ausbildung würdest du gerne machen?

Isabelle

Handwerkern auf die Finger und über die Schulter schauen: Ich interessiere mich vor allem für spannende Geschichten aus der Praxis.

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