Die wichtigsten Fakten zum Meister-BAföG

19. April 2016

Meistertitel vermitteln Professionalität. Wer einen hat, gilt als Fachmann auf seinem Gebiet. Die Erlangung des begehrten Titels verlangt jedoch einiges an zeitlichem und vor allem finanziellem Aufwand.
Damit sich auch weniger gut situierte Fachkräfte den beruflichen Aufstieg leisten können, gibt es das Meister-BAföG, eine staatlich-finanzierte Fördermaßnahme, die Fachkräfte aller Branchen altersunabhängig bei beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt. In diesem Artikel erfahren Sie alle wichtigen Informationen, die Sie zum Meister-BAföG wissen müssen – von den Fördermöglichkeiten über Förderbeträge bis zur Antragstellung.

Das Meister-BAföG: Voraussetzungen, Fördersummen und Beantragung

Die rechtliche Grundlage für das Meister-Bafög bildet das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, (AFBG). Hier wird beispielsweise festgelegt, wer die Förderung in Anspruch nehmen kann und wie der Förderbeitrag berechnet wird. Das Meister-BAföG ist jedoch eine individuelle Förderung. Es wird im Einzelfall geprüft, in welcher Höhe die Leistungen gewährt werden können.
Das Meister-BAföG beinhaltet einerseits Zuschüsse, die vom Staat geleistet werden und nicht zurückgezahlt werden müssen und andererseits Darlehen mit zinsgünstigen Konditionen, deren Wert zurückerstattet werden muss. Je nach individuellen Bedingungen (z. B. bestandene Prüfung am Ende der Fortbildungsmaßnahme) können Teilerlasse der Darlehen gewährt werden.

Wer kann das Meister-BAföG in Anspruch nehmen?

Als Handwerker oder Fachkraft erfüllen Sie die Meister-BAföG-Voraussetzungen, wenn Sie über eine nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HwO) anerkannte, abgeschlossene Erstausbildung oder über einen vergleichbaren Berufsabschluss verfügen.
Unter bestimmten Umständen kann auch ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine Förderung durch das Meister-BAföG gewährt werden. Dafür muss der Antragsteller eine mehrjährige und fachlich passende Berufspraxis nachweisen können, die zu der angestrebten beruflichen Fortbildung passt. Ab 01.08. 2016 wird die Förderung zusätzlich auf Bachelorabsolventinnen und -absolventen und Teilnehmern an Fortbildungsprüfungen ohne Erstausbildungsabschluss erweitert.
Auch Antragsteller ohne deutsche Staatsangehörigkeit können eine Förderung erhalten, z. B. Bürger aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder Personen, die seit Langem in Deutschland leben und eine dauerhafte Bleibeperspektive haben.

Welche Maßnahmen sind förderfähig?

Über das Meister-BAföG werden Maßnahmen gefördert, die eine Aufstiegsfortbildung darstellen und fachlich auf öffentlich-rechtliche Prüfungen nach der Handwerksordnung, dem Berufsbildungsgesetz oder auf gleichwertige Abschlüsse vorbereiten. Der angestrebte Abschluss muss über der Qualifikation zum Facharbeiter oder Gesellen liegen.
Der Mindeststundenumfang einer förderfähigen Maßnahme beträgt 400 Unterrichtsstunden. Eine Vollzeitmaßnahme muss in der Regel an vier Werktagen in der Woche stattfinden und mindestens 25 Unterrichtsstunden umfassen. Als maximale Länge für förderfähige Vollzeitmaßnahmen gelten drei Jahre. Bei Teilzeitmaßnahmen darf eine Gesamtdauer von vier Jahren nicht überschritten werden und es müssen innerhalb von acht Monaten mindestens 150 Unterrichtsstunden absolviert werden.

Meister-BAföG-Förderbeträge: Wofür können Leistungen beantragt werden?

1. Unterhaltsbeitrag
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Vollzeitmaßnahmen können einen monatlichen Beitrag zum Lebensunterhalt beantragen. Die Höhe des Beitrags ist einkommens- und vermögensabhängig. Der Unterhaltsbeitrag besteht aus einen Zuschussanteil und einem Darlehensanteil. Laut AFBG gelten folgende Regelsätze:

Antragsteller Förderhöhe Förderart
Alleinstehende ohne Kind 697 Euro Zuschuss: 238
Darlehen: 459
Alleinstehende mit einem Kind 907 Euro Zuschuss: 343
Darlehen: 564
Verheiratete 912 Euro Zuschuss: 283
Darlehen:674
Verheiratete mit einem Kind 1.122 Euro Zuschuss: 343
Darlehen: 779
Verheiratete mit zwei Kindern 1.332 Euro Zuschuss: 448
Darlehen: 884

Monatliche Unterhaltsbeiträge nach Lebensumständen
Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um weitere 210 Euro, der zu 50 Prozent als Zuschuss und zu 50 Prozent als Darlehen gewährt wird.
Alleinerziehende erhalten darüber hinaus pauschal und ohne Kostennachweis einen Kinderbetreuungszuschlag von 113 Euro monatlich pro Kind bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr. Für die Betreuung behinderter Kinder gilt keine Altersbegrenzung.
Erhöhte Zuschüsse ab 01.08.2016
Ab dem 01.08.2016 wächst der Zuschussbetrag zum Unterhalt für Teilnehmer in Vollzeitlehrgängen zum Meister, zum Fachwirt, zum Techniker oder zum Erzieher deutlich an. Alleinstehende erhalten dann beispielsweise anstatt 238 Euro künftig 333 Euro Zuschuss. Besonders profitieren in Zukunft die verheirateten Geförderten mit zwei Kindern. Ihr Zuschussbetrag steigt von 448 Euro auf 711 Euro an.
Vermögenswerte
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Höhe des Förderbetrags mitbestimmt, ist das eigene Vermögen. Im AFBG ist dies durch Freibeträge auf das eigene Einkommen geregelt.

Freibeträge auf… Summen
Einkommen des Antragstellers
  • 290 € pauschal
  • 570 € für den Ehegatten
  • 520 € für jedes Kind

 

Einkommen des Ehegatten  

  • 1.145 € pauschal
  • 520 € für jedes Kind

 

Das eigene Vermögen*  

  • 35.800 € pauschal
  • 1.800 € für Ehegatte des Antragstellers
  • 1.800 € für jedes Kind des Antragstellers

 

Freibeträge laut AFBG, *ohne Bausparverträge oder eine selbst genutzte Eigentumswohnung
Anschauliche Rechenbeispiele, die einen guten Einblick in die Fördermöglichkeiten geben, finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
2. Lehrgangs- und Prüfungsgebühren
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung erhalten einkommensunabhängig einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung. Die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden mit einem Betrag bis zu 10.226 Euro gefördert. 30,5 Prozent der Fördersumme werden als Zuschuss erstattet, der nicht zurückgezahlt werden muss. Die übrigen 70 Prozent der gewährten Förderung sind ein zinsgünstiges Darlehen.
3. Kosten für die Anfertigung des Meisterstücks/Prüfungsstücks
Die Hälfte der Kosten für die Anfertigung des Prüfungs- bzw. Meisterstücks werden durch ein zinsgünstiges Darlehen gefördert. Hier gilt ein Höchstbetrag in Höhe von 1.534 Euro.
4. Darlehensteilerlass bei bestandener Prüfung
Wird die am Ende der Fortbildungsmaßnahme stehende Abschlussprüfung bestanden, kann ein Darlehensteilerlass in Höhe von 25 Prozent beantragt werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Darlehen zu diesem Zeitpunkt noch nicht fällig geworden ist.
5. Darlehensteilerlass bei Existenzgründung
Wer sich nach der erfolgreich abgeschlossenen Aufstiegsfortbildung selbstständig macht, kann einen weiteren Darlehensteilerlass von bis zu 66 Prozent erhalten, sofern neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Wird mindestens ein Auszubildender eingestellt, können 33 Prozent des restlichen Darlehensbetrags für die Prüfungs- und Lehrgangsgebühren erlassen werden (Bedingung: Ausbildungsverhältnis besteht seit min. 12 Monaten). Wird zusätzlich ein sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter angestellt, ist ein weiterer Darlehensteilerlass von 33 Prozent möglich (Bedingung: unbefristeter Arbeitsvertrag seit min. 6 Monaten).

Wie funktioniert die Antragstellung?

Der Antrag kann erst nach der Lehrgangsanmeldung gestellt werden, aber frühestens drei Monate vor Lehrgangsbeginn und möglichst spätestens bis zum Ende des ersten Semesters.
Die Antragsformulare erhalten Sie beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung in Ihrem Bundesland. Welche Behörde an Ihrem Wohnsitz zuständig ist, können Sie telefonisch über die gebührenfreie Meister-BAföG-Hotline unter 0800/6 22 36 34 erfragen. Alle Antragsformulare stehen Ihnen darüber hinaus auf der Webseite des Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Download bereit.
Wird Ihr Antrag bewilligt, erhalten Sie den jeweiligen Zuschussanteil direkt von der zuständigen Behörde in Ihrem Bundesland. Der verbleibende Restbetrag kann als zinsgünstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufgenommen werden.

Bis wann müssen die Darlehensbeträge zurückgezahlt werden?

Das Darlehen muss nach Ende der Maßnahme und einer anschließenden Karenzzeit von zwei Jahren, maximal jedoch nach sechs Jahren zurückgezahlt werden. Nur in Ausnahmefällen werden zehn Jahre gewährt. Die monatliche Mindestrate für die Rückzahlung liegt bei derzeit 128 Euro. Das Darlehen kann in Teilbeträgen, allerdings nur in vollen 500 Euro auch vorzeitig zurückgezahlt werden. Sonderkonditionen wie z. B. einen Teilerlass gibt es in diesem Fall aber nicht.
Mit Beginn der Rückzahlungspflicht kann zwischen einem festen und einem variablen Zins gewählt werden. Der variable Zins wird jährlich am 1. April und am 1. Oktober für jeweils ein halbes Jahr festgelegt (Richtwert: European Interbank Offered Rate + Verwaltungskostenzuschlag). Darüber hinaus wird ab Beginn der Rückzahlungspflicht ein Zuschlag zum Ausgleich von Ausfallrisiken erhoben. Bei der Wahl des Festzinssatzes gilt ein einheitlicher Zinssatz für die gesamte Dauer der Rückzahlung, zuzüglich der Zuschläge.

Quelle Titelbild: ©iStock.com/filmfoto

HAND-DRAUF-Redaktion

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