Der richtige Augenschutz: Schutzbrillen und Visiere

30. Januar 2017

Durch das Tragen von Schutzbrillen und weiteren Augenschutz-Produkten können Augenverletzungen sicher verhindert werden, jedoch nur, wenn der Augenschutz auf die Anforderungen der Tätigkeit abgestimmt ist. Lese im Artikel, welche Brillenmodelle für welche Anwendungsbereiche geeignet sind, wofür Kennzeichnungen und Scheibentönungen stehen und was du darüber hinaus beachten solltest.

 

1. Welche Augenschutzmodelle gibt es?

Design Schutz Anwendungshinweis
Bügelbrillen
Bügelbrille

Unterschiedliche Designs und Ausführungen mit unterschiedlichen Scheibentönungen

Gleichen gewöhnlichen, optischen Brillengestellen

Mittels Bügel über den Ohren fixiert

  • Vor mechanischen Risiken (schnell fliegende Partikel, Fremdkörpern)
  • Je nach Linsenfarbe vor konkreten Risiken wie UV-Strahlung (klare und gelbe Linsen) oder blendendem Sonnenlicht (graue und blaue Linsen, I/O).
  • Ausnahme: Modelle ohne Seitenschutz bieten keinen Schutz vor Stäuben, Flüssigkeitsspritzern, Gasen und Dämpfen

Einfache Bügelbrillen sind nicht für Brillenträger geeignet

Gegebenenfalls sollte auf Überbrillen zurückgegriffen werden

Vollsichtbrillen
Vollsichtbrille

Umschließen die Augen vollständig

Ähneln Skibrillen

Werden mit einem elastischen Band am Hinterkopf fixiert

 

Vor Flüssigkeit, Stäuben, Gasen, Dämpfen und Rauch, kleinsten Partikeln oder Funken

Schützen vor thermischen Risiken (z. B. vor geschmolzenen Metallsplittern)

Für einen optimalen Schutz sollte die Brille dicht an den Wangen anliegen

Einige Modelle können über Korrektionsbrillen, Helmen und zusammen mit Atemschutzmasken getragen werden

Visiere
Visier

Bestehen aus einer Kopfhalterung und einer großflächigen Schutzscheibe

 

Oft mit Schutzhelmen und weiteren Arbeitsschutzprodukten kombinierbar

Einige Visiere können separat getragen werden

Visiere schützen das gesamte Gesicht.

 

Ideal für alle Arbeiten geeignet, bei denen splitternde Materialien durch die Luft fliegen (z. B. bei elektrischen Arbeiten)

Schutz vor mechanischen und thermischen Gefahren

Die Sichtscheiben der Schutzscheiben sind in der Regel hochklappbar

Schweißerschutzbrillen
Schweißerschutzbrille

Unterschiedliche Modelle erhältlich, unter anderem als Bügel-, Vollsicht- und Schraubringvariante

Besitzen eingesetzten Schweißerscheiben

 

Die Beschichtungen sind kratzfest und ermöglichen eine unverfälschte Farbwahrnehmung

 

sVor Lichtstrahlungen (UV- und IR-Strahlung, Blendung), die bei Schweiß- und Schneidarbeiten entstehen

Schweißerschutzbrillen und klassische Schweißermasken (mit kombinierten Atem-, Augen- und Gesichtsschutz) schützen vor blendendem Licht, Splittern, Gasen, Dämpfen und umherfliegenden Partikeln

Je nach Schweißanwendung müssen Gläser in unterschiedlicher Stärke ausgewählt werden (s. Kennzeichnung von Schutzbrillen)

 

2. Was bedeuten die verschiedenen Kennzeichnung der Schutzbrillen?

Schutzbrillen für die berufliche Praxis müssen die Anforderungen der allgemeinen Norm EN 166 erfüllen und demnach mit dem CE-Zeichen und mit der Herstellerbezeichnung (Logo oder Herstellername) gekennzeichnet sein. Darüber hinaus müssen die konkrete Normangabe, der Anwendungsbereich als auch die mechanische Festigkeit sowie die Stufennummer für Filterlinsen aufgeführt werden.
Eine Kennzeichnung ist sowohl am Rahmen der Brille als auch direkt auf der Sichtscheibe vorgesehen. Je nach Hersteller kann die Reihenfolge und Ausführlichkeit der genannten Informationen jedoch variieren. So geben viele Hersteller auch Schutzstufen und optische Klassen an.

Die Kennzeichnung der Anwendungsbereiche wird wie folgt als Ziffer wiedergegeben:

3 = Tropfen oder Flüssigkeitsspritzer
4 = Große Partikel
5 = Gase und Feinstaubpartikel
8 = Störlichtbögen
9 = Schmelzmetall und heiße Feststoffe

Die mechanische Festigkeit wird mit den folgenden Buchstaben angegeben:
ohne Mindestfestigkeit (nur Filter)

S = Erhöhte mechanische Festigkeit (nur Filter)
F = Stoß mit geringer Energie (45 m/s)
B = Stoß mit mittlerer Energie (120 m/s)
A = Stoß mit hoher Energie (190 m/s)
T = Getestet unter extremen Temperaturen (-5 °C bis +55 °C)

Die Kennzeichnung von optischen Klassen wird in Zahlen von 1 bis 3 angegeben:

1 = Dauerarbeiten
2 = Intervallweise Arbeiten
3 = Gelegentliche Arbeiten, Dauertrageverbot

3. Welche Schutzfunktion bieten die unterschiedlichen Scheibentönungen?

Gelb
  • Filtert UV-Strahlung und blaues Licht
  • Erhöhter Kontrast bei schwachen Lichtverhältnissen
  • Einsatz: Mechanische Arbeiten ohne Blendung
Polarisiert
  • Filtert UV-Strahlung
  • Schützt vor grellem Sonnenlicht und horizontaler Blendung
  • Einsatz: Bei Blendung durch Oberflächenreflexion
Farblos
  • Filtert UV-Strahlung
  • Gute Farberkennung
  • Einsatz: Mechanische Arbeiten ohne Blendung
Bronze
  • Filtert UV-Strahlung, sichtbares und blaues Licht
  • Gute Farberkennung
  • Einsatz: Außenarbeiten, mechanische Arbeiten bei Blendung
Schweißerschutz Grün
  • Filtert UV- und IR-Strahlung sowie sichtbares Licht
  • Schützt vor Blendung, perfekte Farbwahrnehmung
  • IR-Tönungen 1.7, 3.0, 5.0 und 7.0
  • Einsatz: Schweißarbeiten
I/O
  • Filtert UV-Strahlung und Blendung
  • Schützt bei starker Sonneneinstrahlung ohne zu stark abzudunkeln
  • Einsatz: Mechanische Arbeiten (Wechsel von Innen- und Außenarbeiten)

Anwendungsbereiche bestimmter IR-Kennzeichnungen
1.7 = Schweißerhelfer
3.0 = Löten, Schneiden
5.0 = Gasschweißen, Löten
7.0 = Gasschweißen, Löten, Oxyacetylen-Schneiden

4. Welche Kriterien sollte eine Schutzbrille erfüllen?

  • Optimale Passform für Kopfgröße und Kopfform, so dass Augen sicher abgedeckt werden
  • Sicherer Sitz auf der Nase, so dass die Brille bei Bewegung nicht herunterfällt
  • Optimaler Sitz am Kopf, so dass kein Druckgefühl entsteht
  • Gutes Sichtfeld, so dass ein Sehen ohne Störungen möglich ist
  • Ausreichend Belüftung, so dass ein guter Durchblick jederzeit gewährleistet ist

5. Welchen Tragekomfort bieten Schutzbrillen?

Neben den wichtigen Schutzeigenschaften bieten viele Schutzbrillen-Modelle zusätzliche Eigenschaften, die den Tragekomfort und die Trageakzeptanz erhöhen. Dazu zählen unter anderem:

  • Individuelle Anpassung durch Einstellmöglichkeiten
  • Geringes Gewicht
  • Modernes Design
  • Gepolsterte Bügelenden
  • Weiche, einstellbare Nasenbügel
  • Beschichtungen zum Schutz gegen Verkratzen
  • Beschichtungen zum Schutz gegen Nebenbildung
  • Beschlagfreie Scheiben
  • Einstellbare Scheibenneigung

6. Schutzbrillen-Infografik: Alles auf einen Blick

Schutzbrillen-Infografik

Diese Tönungen gibt es bei Schutzbrillen

7. Was sollte vor dem Kauf berücksichtigt werden?

Augenschutz kommt in den meisten Fällen nicht separat zum Einsatz, sondern ist Bestandteil einer persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Daher solltest du im Vorfeld prüfen, welche weiteren Arbeitsschutzprodukte benötigt werden und inwieweit diese miteinander kombiniert werden können.

Auch jeder Mitarbeiter ist nicht gleich. Unterschiedliche Mitarbeiter benötigen unter Umständen andere Schutzbrillen-Modelle, damit ein sicherer Schutz gewährleistet werden kann. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Mitarbeiter Korrektionsbrillen tragen oder falls Unverträglichkeiten gegen bestimmte Materialien bestehen. Darüber hinaus sollten passende Modelle für die jeweiligen Kopfformen und Größen gefunden werden.

Wer nicht zahlreiche unterschiedliche Brillen einzeln anschaffen möchte, kann auf flexible Modelle zurückgreifen, die an den jeweiligen Träger angepasst werden können (z. B. durch verstellbare Bügellängen oder Bügelneigungen).

HAND-DRAUF-Redaktion

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