Der Beruf Büchsenmacher*in

25. Dezember 2021

Die Läufe schießen, der Schaft trifft

Wer nicht Berufs- oder Hobbyjäger*in ist, dem ist die Büchsenmacherei wahrscheinlich
eher unbekannt. Zu Unrecht: Das vielschichtige und anspruchsvolle Handwerk hat eine lang zurückliegende Geschichte und auch heute entscheiden sich junge Menschen, den Weg der Ausbildung zum*zur Büchsenmacher*in zu gehen. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) haben wir einen Blick auf den handwerklichen Beruf geworfen.

Die Anfänge der Büchsenmacherei kann man auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datieren. Das Handwerk ist eng verbunden mit der Erfindung des Schwarzpulvers und seiner Verwendung als explosives Treibmittel für Büchsengeschosse. Der erste historisch nachweisbare Einsatz von Feuerwaffen in Deutschland fand zur Zeit der Eltzer Fehde (1331–1336) statt. Bis zur Herstellung der heutigen Präzisionswaffen war es von diesen Anfängen
allerdings noch ein weiter Weg.

 

Ausbildung zum*zur Büchsenmacher*in

Der Beruf der Büchsenmacherei ist ein nach § 25 der Handwerksordnung staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Die dreijährige Ausbildung wird dual absolviert. Lehrlinge brauchen eine Ausbildungsstelle, um die praktischen Aspekte zu erlernen — die theoretische Ausbildung erfolgt an einer der beiden staatlichen Büchsenmacherei-Schulen. In Deutschland bilden das Berufsbildungszentrum Suhl und die Gewerbliche Schule Ehingen Büchsenmacher*innen aus. Die handwerkliche Ausbildung ist anspruchsvoll und vielschichtig. Neben der Metallverarbeitung mit feinster Mechanik kommen chemische Verfahren, zum Beispiel bei der Brünierung von Metallteilen, zum Einsatz. Gleichzeitig muss auch die Holzverarbeitung für das Schäften erlernt werden. Neben den handwerklichen Herausforderungen benötigen Auszubildende auch ein gutes Verständnis für die ergonomischen Anforderungen der Schütz*innen. Ein alter Spruch sagt: Die Läufe schießen, der Schaft trifft. Das heißt, dass die Büchse oder Flinte Schütz*innen passen muss, damit zielsicher geschossen werden kann. Der Schaft muss die richtige Länge, Senkung und Schränkung besitzen. Vom Prinzip her kann die Büchsenmacherei hier mit der Schneiderei verglichen werden. Den meisten Menschen passen auch Kleider von der Stange. Wer aber auf einen perfekten Sitz Wert legt, der braucht Hosen und Hemden auf Maß. Genauso ist es auch mit Sport- und Jagdwaffen.

 

Einzelstück statt Alltag

Es gibt sie noch, die kleinen Büchsenmachereien, in denen Jagd- und Sportwaffen als Einzelstücke von A bis Z hergestellt werden. Jedoch sind diese Betriebe heute die Ausnahme. Kleine und mittelständische Betriebe sind in erster Linie versierte Dienstleistende ihrer Kund*innen. Hier werden Fertigteile nach Bedarf oder speziellem Wunsch montiert, feinjustiert und ausgeliefert. Trotzdem nutzen Büchsenmacher*innen auch hier alle Fertigkeiten, die sie in der Ausbildung gelernt haben: Schaftanpassungen, Lauflängenkürzungen oder das Anbringen von Gewinden für den Schalldämpfer, feinmechanische Arbeiten am Abzugs- oder Sicherungssystem der Waffe und viele weitere Aufgaben. Für alle diese Tätigkeiten sind die solide Ausbildung sowie das tiefe
Verständnis der Büchsenmacher*innen für die physischen Anforderungen des Schießens an das Material der Waffe notwendig.

Doch auch vor der Büchsenmacherei hat die Industrialisierung nicht Halt gemacht. Moderne, computergesteuerte Schleifen, Fräsen und Pressen dominieren den Produktionsprozess von Sport- und Jagdwaffen. Um aus den Komponenten ein präzise funktionierendes Ganzes zu formen, braucht es aber das Wissen und Können von Büchsenmachermeister*innen.

 

Die Kundschaft

So breit wie das Angebot an Jagdund Sportwaffen, so unterschiedlich ist auch die Kundschaft der Büchsenmacher*innen. Den größten Teil der Kund*innen stellen die rund 500.000 privaten Jäger*innen und circa eine Million Sportschütz*innen in Deutschland dar. Hinzu kommen professionelle Leistungssportler*innen und die kleine Gruppe der Berufsjäger*innen. Meisterbetriebe sind oft entweder auf Sport- oder Jagdwaffen spezialisiert. Diese Spezialisierung ist sinnvoll, weil das Angebot an Kalibern, Waffensystemen und Zubehör immens ist. Dazu kommt, dass Kund*innen unterschiedliche Ansprüche haben und Beratung und Fachwissen zum jeweiligen Verwendungszweck erwarten.

 

Die Zukunft der Büchsenmacherei

Sowohl der Schießsport als auch die Jagd erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Ausbildung zum*zur Büchsenmacher*in wird auch in Zukunft eine krisensichere Wahl sein. Der VDB veröffentlichte erst kürzlich Zahlen, die darauf schließen lassen, dass in den nächsten Jahren ein Mangel an ausgebildeten Fachkräften in der Büchsenmacherei zu erwarten ist. Es ist also mit einem wachsenden Bedarf an Büchsenmacher*innen zu rechnen. Die Vorstellung eines idyllischen Arbeitsalltags als Handwerksmeister*in ist dennoch ein Trugschluss. Waffenrechtliche Pflichten und Regelungen zwingen die Branche zu einem erheblichen Maß an Bürokratie, deren Bewältigung Fachwissen erfordert und nicht an eine fachfremde Bürokraft delegiert werden kann.

 

HAND-DRAUF-Redaktion

Von Werkzeug bis Unternehmensführung: Mit unseren Ratgebern wollen wir Handwerker*innen Antworten auf viele Fragen geben.

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